Elke Schleichert hat Redaktionsschluss

Die 59-Jährige war Angestellte einer Werbeagentur und einer Druckerei, doch dabei arbeitete sie immer für Johanngeorgenstadt. Nach 20 Jahren als Verantwortliche des Nachrichtenblatts geht sie in den Ruhestand.

Johanngeorgenstadt.

Bei Frauen sollte man sich hüten, von einem Urgestein zu sprechen. Das klingt so alt. Aber Elke Schleichert (59), die streitbare Fraktionschefin der Linken im Stadtrat der Bergstadt, nimmt es einen nicht krumm. Außerdem stimmt es ja: Im Johanngeorgenstädter Rathaus ist sie so etwas wie ein Urgestein.

40 Jahre arbeitete sie dort. Zu DDR-Zeiten als Sekretärin des Bürgermeisters, nach der Wende für die Abteilung Kultur, Sport, Tourismus. Seit 20 Jahren ist Elke Schleichert die Verantwortliche für das Nachrichtenblatt Johanngeorgenstadt, die amtliche Zeitschrift der Bergstadt. Mit der Juni-Ausgabe hat sie sich in den Ruhestand verabschiedet.


"Ich habe es gern gemacht", sagt sie. "Es war nicht nur Arbeit, auch Spaß." Sie schrieb Artikel, fotografierte. Vor allem aber redigierte sie Beiträge, die Vereine und Organisationen, allen voran die Stadtverwaltung selbst, ins Nachrichtenblatt setzen wollten. Hauptanliegen der Druckschrift ist es, Informationen der Kommune zu vermitteln.

Besonders gern hat Elke Schleichert Artikel zu heimatgeschichtlichen Themen bearbeitet. "Die haben mich selbst sehr interessiert", sagt sie. "Ein Highlight waren zuletzt die Lebenserinnerungen des bekannten Radiologen Heinz Eger aus Bad Berka, der seine Kindheit in Johanngeorgenstadt verbracht hatte."

Im Gegensatz zu anderen Amtsblättern ist das Johanngeorgenstädter nicht unentgeltlich zu haben, sondern kostet 35 Cent. Trotzdem hat es eine Auflage von 1000 Stück und 550 Abonnenten. 40 Exemplare werden an ehemalige Bergstädter verschickt, die den Kontakt zu ihrer Heimat nicht verlieren möchten.

Elke Schleichert hat das Nachrichtenblatt zwar für die Stadt, aber nicht als Angestellte der Stadt produziert. Um Kosten zu sparen, war es frühzeitig ausgegründet worden. Eine Zeit lang arbeitete sie unter dem Dach einer Werbeagentur, dann als Angestellte der Druckerei Matthes in Grünhain, wo das Blatt gedruckt wird. Im Rathaus hatte sie ein Büro, die Hauptarbeit aber erledigte sie zu Hause. Jede Woche neun Stunden, die "nie gereicht haben".

Doch wie kann es gut gehen, wenn die Linken-Chefin die Zeitschrift der Stadt betreut? "Das war nie ein Problem,", sagt Schleichert. "Für das Nachrichtenblatt gilt das Neutralitätsgebot. Wir haben nicht mal Wahlkampftermine veröffentlicht. Das hier war meine Arbeit. Politik mache ich im Stadtrat."

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