Endlich treffen sie ihre Mitschüler wieder

"Freie Presse" begleitet hiesige Schüler auf ihrem Weg. Was erleben sie, wie ändern sich ihre Vorstellungen vom Leben, wie meistern sie Herausforderungen? Stella Dorst aus Waschleithe und Lana-Alina Gerstner aus Dorfchemnitz besuchen das Gymnasium in Zwönitz.

Dorfchemnitz/Waschleithe.

Lange bevor die Corona-Pandemie den Schulbetrieb zunächst zum Erliegen gebracht und dann in völlig neue Bahnen gelenkt hat, fand für die Sechstklässler des Matthes-Enderlein-Gymnasiums Zwönitz eine ereignisreiche Fahrt in den Sportpark Rabenberg bei Breitenbrunn statt. Drei Tage lang war man gemeinsam aktiv, berichtet Stella Dorst aus Waschleithe, und nennt Klettern, Schwimmen und Inliner fahren in der Halle, aber auch Waveboardfahren, das draußen stattfand. Dass sie lernte, wie man sich auf diesem Funsportgerät fortbewegt, hat Lana-Alina Gerstner aus dem Zwönitzer Ortsteil Dorfchemnitz sogar ein neues Hobby eingebracht. "Das hat mir toll gefallen." Daher habe sie sich selbst so ein Brett gewünscht - und auf der Internetplattform Ebay wurde die Familie fündig. Seitdem verbringt sie viel Zeit damit. Für Stellas Klasse brachte außerdem ein Winterfest Abwechslung in den Schulalltag, das Eltern als Halbjahresabschluss organisiert hatten.

Aber dann kam eben jene Zeit, die den beiden Mädchen - wie wohl allen Schülern - in Erinnerung bleiben wird: Von heute auf morgen wurde wegen des Corona-Virus die Schule geschlossen. "Erst war das ganz lustig, dann aber schnell auch langweilig", erinnert sich Stella an die ersten Tage. Und Lana-Alina? "Zunächst habe ich es gar nicht richtig glauben wollen", sagt sie. An Corona-Ferien habe sie allerdings nicht gedacht, sie habe sich schon denken können, dass sie für daheim Aufgaben bekommt. Die erste Zeit habe sie unheimlich viel mit ihrer Freundin telefoniert. Als dann das Lernen daheim begann, haben sie sich gegenseitig Vokabeln abgefragt oder per Videotelefonie gemeinsam Hausaufgaben gemacht.

Während die Lehrer in Stellas Klasse für das Arbeiten zu Hause vorwiegend die Möglichkeiten der Schulhomepage nutzen, sind es bei Lana-Alina unter anderem auch die Plattform Lernsax und die WhatsApp-Gruppe. Das mache es manchmal kompliziert, sagt sie. Denn die geforderten Dateiformate unterscheiden sich und manchmal müsse man erst suchen, wo die Aufgaben zu finden sind.

Während Stella gern etwas länger schläft, dann vormittags für die Schule sitzt und, wenn noch etwas zu machen ist, auch noch einmal am Nachmittag, sieht Lana-Alinas Tagesablauf etwas anders aus. "Obwohl ich eigentlich immer zeitig aufstehe, habe ich meist erst am Nachmittag Elan zu lernen." Dass sie jetzt wieder jede zweite Woche in die Schule dürfen, findet Lana-Alina gut, zumal die Klassen halbiert sind und es so ruhiger zugeht. Die anderen endlich wieder zu treffen, sei auch schön. Darum findet es Stella schade, dass ausgerechnet ihre beste Freundin der anderen Gruppe zugeteilt ist.

Was die zweite Fremdsprache betrifft, haben beide für sich die richtige Entscheidung getroffen. Für Latein müsse man zwar viel lernen, sagt Stella, aber sie stehe trotzdem auf 2. "Und vielleicht nützt mir auch das Kleine Latinum mal was." Lana-Alina lernt Russisch, was ihr großen Spaß mache. Sie hofft auf eine 1 im Zeugnis.

Ihren Hobbies konnten die beiden Mädchen in den zurückliegenden Wochen nur bedingt nachgehen, sowohl das Schwimmen für Stella als auch der Tennissport für Lana-Alina fielen aus. "Klavierspielen war ja zum Glück immer möglich", sagt Stella, die mehr als sonst gelesen hat. Lana-Alinas Monchhichi-Sammlung hat inzwischen im Übrigen Konkurrenz bekommen: von Faultieren - als Kalenderbild, auf Kissen, auf der Bettwäsche und als Kuscheltier. Beide Mädchen berichten, dass sie wegen des häufigen Sitzens am Computer auch viel mehr draußen unterwegs waren als sonst. Lana-Alina und ihre Mutti haben so in der Nähe einen Teich entdeckt, an dem sie zuvor noch nie gewesen sind, mittlerweile aber schon dreimal.

Nun naht die Ferienzeit. Stella und ihre Eltern hoffen, dass der Urlaub in Kroatien wie geplant stattfinden kann. Zuvor wird Stella mit Oma und Opa zudem in die Sächsische Schweiz fahren. Und Gerstners haben, als hätten sie Corona geahnt, in diesem Jahr ausnahmsweise keine Flugreise geplant, sondern fahren mit dem Auto an die polnische Ostseeküste. Einen Teil ihrer Sommerferien wird auch Lana-Alina mit beziehungsweise bei ihren Großeltern verbringen.

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