Erholsame Tage für Kinder aus Ukraine

Andere Bilder, neue Eindrücke, auf andere Gedanken kommen, abschalten. Das soll der Aufenthalt im Erzgebirge jenen Kindern geben, die Schreckliches erlebt haben.

Johanngeorgenstadt.

Noch bis zum Sonntag verbringen 15 ukrainische Kindern und Jugendliche ein paar unbeschwerte Ferientage in der Jugendherberge von Johanngeorgenstadt. Diese Mädchen und Jungen haben herbe Schicksalschläge hinter sich, denn sie alle sind Kinder von gefallenen oder schwer verwundeten Soldaten jenes Krieges, der in ihrer Heimat herrscht.

"Die Botschaft der Ukraine in Deutschland hatte mehrere Bundesländer um Unterstützung für ein Ferienlager für diese Kinder gebeten, doch nur der Freistaat Sachsen hat auf diese Bitte positiv reagiert", sagte CDU-Bundestagsabgeordneter Arno Vaatz. Er selbst hatte in dieser Woche die Kinder in der Jugendherberge besucht. Sie erleben hier gemeinsam mit deutschen Ferienkindern eine erlebnisreiche Woche.

Bei seinem Besuch band sich Arno Vaatz kurzerhand auch eine Schürze um und begann - nach einer fachlichen Einweisung von Uwe Meinhold aus Geyer die von ihm mitgebrachten Mineralien auf Hochglanz zu schleifen und zu polieren. Uwe Thonfeld, genannt Toni, ist der Chef von "Tonis Haus der Steine" in Geyer. Er kennt sich aus und konnte viel Spannendes über die Steine berichten.

In der verbleibenden Ferienzeit in Deutschland wollen die jungen Ukrainer mit ihren deutschen Freunden auch noch eine Jugendherberge in Chemnitz besuchen, mit einem Rancher die Wälder rund um Johanngeorgenstadt durchstreifen, bei schönem Wetter im Naturbad schwimmen gehen und auch die Kletterhalle des Outdoor-Team Westerzgebirge besuchen. Betreut werden die jungen Feriengäste aus der Ukraine unter anderem von Bohdan Luka, dem Pfarrer der Ukrainischen Kirche in Deutschland, der gleichzeitig als Dolmetscher und Seelsorger fungiert.

"Die Verständigung der Kinder untereinander klappt auch ganz gut, zum Teil mit Händen und Füßen", sagt Arpad Hitschke. Er ist der Geschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerkes, Landesverband Sachsen. Das bestätigt auch Herbergsleiter Michael Hahn, der sich für das Abschlussfest noch eine Überraschung einfallen lassen will. Johanngeorgenstadts Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) überreichte außerdem an die Ferienkinder kleine Souvenirs, die sie möglichst noch lange an den Aufenthalt in der Bergstadt erinnern sollen.

Zu den Gästen des geselligen Treffens am Dienstag dieser Woche gehörte auch Karl-Ernst Müller aus Zwickau, der auf eigene Initiative eine Partnerschaft mit der ukrainischen Stadt Wladimir-Wolynsk ins Leben gerufen hat. "Nachdem der kleine Grenzhandel mit Polen zusammengebrochen ist, herrscht in der Zwickauer Partnerstadt Wladimir-Wolynsk große Not. Der Krieg belastet viele Familien. Die Menschen dort können das tägliche Leben in dem ohnehin armen und mit schwacher Infrastruktur versehenen Land nicht mehr stemmen", sagte der 71-jährige Vereinsvorsitzende. Er hat sich entschlossen, zu helfen und versichert: "Alle Spenden werden von mir persönlich weitergeleitet und kommen dort an, wo sie gebraucht werden." Seine beiden Vornamen - Karl und Ernst - erinnern an die gefallenen Brüder seiner Eltern im 2. Weltkrieg, erklärt er zu seiner Motivation. Nicht zuletzt das sei für ihn Ansporn gewesen, diesen Verein für Hilfe in der Ukraine zu gründen.

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