Erneuter Massengentest: Polizei sucht Mutter der toten Babys in Schwarzenberg und Rotava

Schwarzenberg.

Siebeneinhalb Jahre nach dem Fund eines toten Säuglings in einem Altkleidercontainer in Schwarzenberg intensiviert die Polizei noch einmal ihre Ermittlungen bei der Suche nach der Kindesmutter. Wie ein Polizeisprecher am Dienstagvormittag in Schwarzenberg sagte, werde die damals bereits größte DNA-Reihenuntersuchung unter Frauen in Sachsen Anfang September auf den Schwarzenberger Stadtteil Sachsenfeld ausgeweitet. Insgesamt 320 Frauen, die zur Tatzeit zwischen 14 und 45 Jahre alt waren, seien angeschrieben worden, sich einem freiwilligen Speicheltest zu unterziehen. Der werde anonym am 8. und 9. September in einer Schule in Schwarzenberg-Sonnenleithe stattfinden. Dort hatten damals Mitarbeiter eines Entsorgungsbetriebes in einer Plastetüte in einem Altkleidercontainer das tote Baby entdeckt. Die Stadt gab dem erstickten Jungen den Namen Max Winter und beerdigte ihn im März 2011. Sie pflegt seither auch das kleine Grab auf dem Zentralfriedhof. Eineinhalb Jahre später wurde zirka 50 Kilometer vom Fundort entfernt, im böhmischen Rotava, ein weiterer toter Säugling entdeckt. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, waren beide Neugeborene Brüder.

Die Polizei ging bei der Suche nach der Mutter insgesamt rund 3000 Hinweisen von Bürgern nach. Rund 2300 Speichelproben von Frauen vor allem aus dem Stadtteil Sonnenleithe verliefen ohne Erfolg. Auch die Überprüfung von rund 100 Frauen, die inzwischen weggezogen waren, brachte keine Hinweise auf die Mutter.

Die Akten zu dem Fall seien nie geschlossen worden, sagte am Dienstag Polizeisprecher Oliver Wurdak. Vielmehr habe man Ende 2017 zusammen mit Experten des LKA noch einmal nach neuen Ermittlungsansätzen gesucht. Die Kripo-Beamten blieben bei ihrer Vermutung, dass die Frau aus der Umgebung des Schwarzenberger Fundortes stammen muss. Der Container sei ohne Ortskenntnisse kaum zu finden. Dass das zweite Kind in Tschechien in einen Straßengraben gelegt wurde, werde als Verschleierungstat gewertet. Die Mutter habe die Beamten auf eine falsche Spur führen wollen. Ermittelt werde wegen zweiter Kindstötungen. Nach wie vor sind 5000 Euro Belohnung für Hinweise zur Mutter ausgesetzt.

Die Schwarzenberger Oberbürgermeisterin Gudrun Hiemer (CDU) betonte am Dienstag, dass die Stadt trotz der damit verbundenen Negativschlagzeilen größtes Interesse an der Aufklärung habe. "Wer sich seines Kindes auf derartige Weise entledigt, ist in meinen Augen eine Mörderin."

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