Erzgebirger tüfteln an neuen Rezepten

Neben der Adventszeit rückt in der hiesigen Region der Oktober kulinarisch in den Fokus. Verantwortlich dafür ist eine spezielle Aktion: die Vugelbeerwochen. Das Ergebnis sind leckere Produkte.

Aue/Schwarzenberg.

In der Backstube von Pierre Kittel an der Oberen Schloßstraße in Schwarzenberg stapeln sich bereits die Stollen. "Na klar, das sind die Vugelbeerstollen", sagt der Bäckermeister und ergänzt: "Am Sonntag zum Tag des traditionellen Handwerks sind wir mit einem eigenen Stand bei Lautergold dabei - und da ist Verkaufsstart."

Der Bäcker verrät, dass er das Rezept des speziellen Stollens, den er im vergangenen Jahr während der Vugelbeerwochen kreierte, weiter verbessert hat. "2018 habe ich noch Rum genommen, wie beim Stollen üblich, in diesem Jahr habe ich es das erste Mal mit Vugelbeertroppen probiert", berichtet der Schwarzenberger, der zudem Brötchen, Brot, Baguette und Sandkuchen mit Vogelbeeren im Angebot hat. Hin und wieder komme mal jemand mit dem Vorurteil, dass Vogelbeeren giftig seien. "Dieses Gerücht hält sich bei manchen hartnäckig. Es ist aber Quatsch", sagt Pierre Kittel.

"Am besten gehen die Brötchen", erklärt seine Frau Julia, die Inhaberin der Bäckerei. Verkäuferin Grit Schuurman kann dies nur bestätigen: "Es gibt sogar Kunden, die sich wünschen, dass es die Vogelbeerprodukte ganzjährig gibt." Doch Pierre Kittel schüttelt vehement mit dem Kopf. "Das sind Dinge, die ich speziell für die Vugelbeerwochen entwickelt habe, und sie sollen etwas Besonderes bleiben." Deshalb ist Ende Oktober Schluss, werden die Produkte wieder aus dem Regal genommen. Aus Überzeugung sei er bei diesen Themenwochen dabei, die stets offiziell mit dem Lauterer Vugelbeerfast beginnen und an denen sich in diesem Jahr elf Handwerker, Firmen und Gastronomen beteiligen.

Das in der alten Schleiferei in Erlabrunn gebraute Vogelbeerbier war beispielsweise innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Zahlreiche Gastronomen, die das Bier parallel zu ganzen Menüfolgen anbieten, hatten Fässer bei Brauer Steffen Großer bestellt. "Das Schöne ist die Vernetzung untereinander", freut sich Kittel. So seien Kontakte sogar zur Saubergklause nach Ehrenfriedersdorf entstanden.

Die Chefin da ist keine geringere als Constance Brosell, die aktuelle Vugelbeerkaiserin. Auch sie weiß: "Die Gäste schwören auf die Produkte aus Vogelbeeren."

Diese Erfahrung hat auch Alexander Lauckner aus Bernsbach gemacht. Der Chef in der Fleischerei Meyer gehört seit zwei Jahren zu den Unterstützern der Aktion. "Man muss mit der Vogelbeere schon aufpassen, darf nicht zu viel verwenden", sagt Lauckner und gibt zu, dass er ganz schön experimentiert hat, ehe die Rezepte passten. Einen Schinken musste er in der Probierphase wegwerfen, weil er wirklich nicht geschmeckt habe.

Mittlerweile ist der Schinken, der zehn Wochen lang in grobem Meersalz mit Vogelbeeren reift, der Renner. Nicht nur geschmacklich sei das wichtig, sondern auch ästhetisch. "Nimmt man zu viel, wird das Fleisch grau", berichtet Lauckner. Doch schon jetzt plant er fürs kommende Jahr. Schinken, Salami und Knacker mit den Früchten sollen noch durch eine Sahneleberwurst im Glas mit Vugelbeergelee ergänzt werden. "Das wird eine Konserve", blickt der Fleischermeister voraus, der seine Vogelbeeren über die Firma Lautergold bezieht.

Deren Betriebsleiter, Mike Schneising, gehört gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Gewerbeverein Schwarzenberg und Umgebung zu den Initiatoren der besonderen Oktoberaktion: "Es gibt zwei Dinge, die uns wichtig waren: Erstens wollten wir für die Vogelbeeren nach außen werben." Der zweite Aspekt sei die Vernetzung unter den Händlern gewesen. "Beides funktioniert bestens. Dafür spricht auch, dass das Interesse in diesem Jahr weiter gewachsen ist", sagt Schneising.

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