Erzgebirger versinken im Schnee und müssen sich rausschaufeln

Der Winter hat die Region weiter fest im Griff. Über Nacht wuchs die Schneedecke in den Kammlagen des Erzgebirges erneut um mehr als einen halben Meter an, stellenweise sogar noch mehr.

Schwarzenberg.

Muskelkraft und Technik sind gefragt in diesen Stunden. In der Nacht zu gestern hatte es ununterbrochen geschneit, was die Höhe der weißen Pracht vielerorts auf über einen Meter wachsen ließ.

Schnee räumen: Während die Grundstücksbesitzer und Anlieger in allen Orten über viele Stunden eifrig Schnee geschippt haben oder noch schippen, sind auch die Räum- und Streudienste pausenlos im Einsatz. Dennoch kam es erneut auf zahlreichen Straßen zu Staus. So ging gestern auf der August-Bebel-Straße (S 274) in Beierfeld am Abzweig nach Bernsbach über Stunden nichts. Lastwagen blockierten beide Fahrspuren. Ähnliches spielte sich in Grünhain am Abzweig nach Zwönitz ab. Auf den Staatsstraßen rollen die Räumfahrzeuge des Landkreises. Doch die kamen in vielen Fällen gar nicht bis an die Brennpunkte. In Beierfeld musste die Feuerwehr mehrere Laster vom Eis ziehen. "Das ist zwar nicht unsere Aufgabe, aber es ging ja nichts mehr. Nicht mal der Linienverkehr. Das gilt als Gefahr in Verzug", sagte Feuerwehrchef Jörg Zimmermann.

Bergstadt erreichbar: Das Gerücht, dass Johanngeorgenstadt von der Außenwelt abgeschnitten sei, erwiesen sich als übertrieben. "Wir sind erreichbar, auch die Busse fahren", sagte Bürgermeister Holger Hascheck. Allerdings sei der Winterdienst tatsächlich an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Allein die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs seien mit rund einem Dutzend Fahrzeugen ununterbrochen im Einsatz, um Straßen und Wege frei zu fräsen. Die Steigerstraße, die die B 101 mit der Mittelstadt verbindet, ist bis auf Weiteres wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Nicht alle Schulen zu: Nachdem es am Bertolt-Brecht-Gymnasium in Schwarzenberg witterungsbedingt gestern keinen Unterricht gab, wird an der Schule auch heute nicht unterrichtet. "Das haben wir auf unserer Internetseite bekannt gegeben", sagte André Ullmann, stellvertretender Schulleiter. "Auf diesem Wege wollen wir dann am Sonntag auch Informationen dazu veröffentlichen, wie wir ab Montag verfahren", so Ullmann. An der Jenaplanschule in Markersbach wird hingegen ab heute wieder regulär unterrichtet. Die Schulbusse und Taxiunternehmen seien über die Aufnahme des planmäßigen Schulbetriebs informiert. An den Schwarzenberger Schulen fällt der Unterricht heute noch mal aus, außer an der Grundschule Heide. "Dort kommen die meisten Schüler aus dem näheren Umkreis", sagt Schwarzenbergs Hauptamtsleiterin Sylvia Mack.

Tellerhäuser wintererprobt: Auf mittlerweile 1,60 Meter ist die Schneehöhe in Tellerhäuser angewachsen. Das öffentliche Leben in dem zu Breitenbrunn gehörenden Dorf, das etwa 920 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist erschwert, jedoch nicht lahmgelegt, sagt Ortsvorsteher Knut Scheiter. Vieles regeln die wintererprobten Einwohner in Eigeninitiative und in gegenseitiger Hilfe. "Schneefräsen sind bei uns wichtiger als Rasenmäher", sagt Scheiter mit einem Augenzwinkern. Für den Rodel- und den Lifthang ist die sehr dicke Schneeauflage natürlich gut. "Am 6. und am 20. Februar soll es bei uns auch wieder Rodelspaß im Fackelschein geben", so Scheiter.

Unklar war gestern noch, ob die großen Parkplätze an der Kammloipe in Johann'stadt bis zum Wochenende geräumt werden können. "Die Straßen haben Vorrang, als nächstes sind die Anwohnerparkplätze dran", sagte Hascheck. Wegen der Gefahr brechender Bäume warnt der Sachsenforst ohnehin vor dem Betreten der Wälder. "Für Skilangläufer wird es kein gutes Wochenende", prophezeite Hascheck. Der Skilift in der Bergstadt wird aber öffnen.

Rathausmitarbeiter schippen mit: Die Straßen, Kreuzungen, Fuß- und Überwege werden nach Kategorie und sich daraus ergebender Priorität beräumt. Auch in den Nebenstraßen ist der Bauhof schon tätig, natürlich konnte aber noch nicht jeder Bereich ständig erreicht werden. Zur Verstärkung kam gestern auch noch eine "Handtruppe", bestehend aus Verwaltungsmitarbeitern des Rathauses, an Fußwegen, Bushaltestellen und Überwegen zum Einsatz. Dies werde heute wiederholt.

Schnee abtransportiert: In der Schwarzenberger Altstadt wurde gestern Mittag begonnen, Schnee abzufahren. Auch für Hofgarten und Pöhla sowie an anderen kritischen Stellen wie dem Brückenberg sei das geplant. Zudem wurden folgende Straßen kurzfristig als Einbahnstraßen ausgewiesen: Am Fichtbusch, Schneeberger Straße, Bergstraße, Erzstraße, Am Silbergang sowie ein Teilstück des Heidewegs.

Zeitungszusteller eingeschneit: Nichts geht mehr, heißt es seit Mittwoch für René Urban im Eibenstocker Ortsteil Wildenthal. Der Zeitungszusteller, der die "Freie Presse" bis nach Carlsfeld bringt, kam wegen der Schneemassen nicht mehr mit dem Auto aus dem Haus. "Es liegen hier 1,20 Meter Schnee und es schneit immer weiter", sagte er.

Wind und Wetter scheut Urban sonst nicht. "Jeden Morgen um 3Uhr geht es los", erzählt er. Weil einige Häuser abseits der Straße stehen, müsse er sich im Winter aber ab und an auch mal durch Schneeverwehungen von einem halben Meter Höhe kämpfen, sagt er. "Ich hoffe, dass sich die Situation bis zum Wochenende entspannt." (mit juef)

Winter in der Region - Bilder vom Mittwoch

Winter in der Region - Bilder vom Donnerstag

 

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