Erzgebirgsstädte im Vergleich - Wer im Kreis die Nase vorn hat

Die Region kann mit ganz unterschiedlichen Stärken punkten. Das zeigt eine neue Untersuchung. Es gibt aber auch mehrere Schwächen. Eine Rolle spielt dabei die schlechte Anbindung an die A 72.

Aue/Schwarzenberg.

Geringe Arbeitslosigkeit, flottes Internet oder wenig Schulden: Die Erzgebirgsstädte können mit ganz unterschiedlichen Stärken glänzen. Das zeigt ein neuer Städtevergleich der Industrie- und Handelskammer (IHK). Besonders positiv stechen dabei Stollberg und Annaberg-Buchholz hervor. Allerdings zeigen auch alle Kommunen im Kreis Schwächen.

Für den Vergleich sind 20Städte in ganz Südwestsachsen untersucht worden, darunter sechs aus der hiesigen Region. Kriterien waren unter anderem die Bevölkerungsentwicklung und die Dynamik von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Zwar nennen die Autoren in ihrem Bericht, der in diesem Monat erschien, kein Ranking, platzieren die Städte aber nach verschiedenen Kriterien. Und daraus ergibt sich folgendes Bild: Während Stollberg und Annaberg in der Spitzengruppe landen, schaffen es Aue-Bad Schlema, Schwarzenberg und Marienberg ins Mittelfeld, Schneeberg ins hintere Drittel.


Stollberg mit Logistik-Plus: Dass Stollberg in Südwestsachsen gut abschneidet, hat laut Autoren mehrere Gründe. So punktet die Stadt etwa mit einer schnellen Anbindung an die Autobahn 72. Attraktive Arbeitsmöglichkeiten, eine hohe Kaufkraft und hohe Steuereinnahmen sind weitere Vorteile.

Martin Witschaß leitet bei der IHK das Referat Standortanalyse. Er sagt: "Stollberg schneidet in allen untersuchten Bereichen überdurchschnittlich ab." Schwächen leiste sich die Stadt nur wenige. Die Studie nennt etwa eine vergleichsweise hohe Pro-Kopf-Verschuldung.

Annaberg punktet als Kreissitz: Die Kreisstadt profitiert von ihrer Stellung als Verwaltungssitz und alsDienstleistungs- sowie Gesundheitszentrum. Stärken sind laut IHK unter anderem ein positiver Pendlersaldo und niedrige Gewerbesteuerhebesätze. Als eine Schwäche bezeichnet Martin Witschaß die Fahrzeit bis zur nächsten Autobahn. Laut der Studie sind es 40 Minuten - damit ist Annaberg in diesem Punkt Schlusslicht in der Untersuchung.

Aue glänzt mit Gewerbesteuer: Gut zu erreichen ist laut Städtevergleich die Stadt Aue-Bad Schlema. Obwohl Aue und Bad Schlema bereits zum 1. Januar fusionierten, bezieht sich die Studie größtenteils auf Aue. Gelobt werden dort niedrige Grund- und Gewerbesteuern, die hohe Anziehungskraft des Einzelhandels und eine hohe Steuereinnahmekraft. "Die Stärken von Aue liegen in der Wirtschaft und im Arbeitsmarkt", sagt Martin Witschaß. Als kritisch werten die Studienmacher aber, dass es viele ältere Einwohner gibt, nur sehr wenig neue Gewerbeflächen und im Jahr 2017 ein großes Finanzdefizit.

Schwarzenberg im Mittelfeld: Die Stadt Schwarzenberg punktet unter anderem mit einem starken Abbau der Arbeitslosigkeit, einer geringen Verschuldung und einem hohen Anteil an Schulabsolventen mit Abitur. Negativ wird die Bevölkerungsentwicklung bewertet. So verlor die Stadt in den vergangenen 20 Jahren rund ein Viertel ihrer Bürger. Standortnachteile seien auch eine relativ lange Fahrtzeit zur nächsten Autobahn und eine geringe Versorgung mit schnellem Internet.

Marienberg mit vielen Jugendlichen: Bei der Entwicklung der Bevölkerung schneidet Marienberg gut ab. Das liegt beispielsweise an einem hohen Anteil der unter 15-Jährigen. Auch im Tourismus läuft es rund: Bei der Anzahl der Übernachtungen landet die Stadt in den Top 3. Als Schwächen listet die Studie viele Schulabgänger ohne Abschluss auf, ebenso wie eine lange Fahrzeit zur Autobahn. Zudem hält in der Stadt kein Personenzug mehr.

Schneeberg stark bei Tourismus: "Schneeberg zeigt Schwächen bei den Wirtschafts- und Bevölkerungsindikatoren, kann jedoch bei der Bildung und im Tourismus punkten", sagt IHK-Referatsleiter Witschaß. So weist die Stadt zwar ein negativer Pendlersaldo auf, wenig Verkaufsflächen und je Einwohner die niedrigste Steuereinnahmekraft. Doch mit 67.259 Übernachtungen bei rund 14.000 Einwohnern belegt die Stadt den ersten Platz. Zudem gibt es eine Hochschule, viele Schulabsolventen und eine gute Breitbandversorgung.

Laut IHK soll der Vergleich den Städten in erster Linie dabei helfen, Probleme zu erkennen und sich in Zukunft besser aufzustellen.

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