Experten: Fachkräftemangel wird sich verschärfen

Das Erzgebirge verliert in den nächsten zehn Jahren ein Viertel seiner erwerbsfähigen Bevölkerung, sagen die Prognosen. Nicht das einzige Problem, das in einigen Branchen Sorgenfalten verursacht.

Aue/Schwarzenberg.

Weiter von einer hohen Nachfrage an Fachkräften und von einer positiven Einstellungsbereitschaft regionaler Arbeitgeber geht Nino Sciretta für 2020 aus. Der Chef der Agentur für Arbeit im Erzgebirgskreis sagt: "Wir erwarten ein stabiles Beschäftigungsniveau bei weiter rückläufigen Arbeitslosenzahlen." Und so hofft er darauf, dass perspektivisch in diesem Jahr bei der Arbeitslosenquote in der Region eine Drei vor dem Komma steht.

Im zurückliegenden Jahr ist dafür eine gute Basis geschaffen worden, sagt der Agenturchef. "Im Erzgebirge hat es noch nie so wenige Arbeitslose wie 2019 gegeben. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent rutscht der Erzgebirgskreis im Jahresdurchschnitt das zweite Mal in Folge unter die Fünf-Prozent-Marke seit Erfassung der Arbeitslosenstatistik im Jahr 1991." Die hiesige Region kann damit ihre Spitzenposition in Sachsen behaupten. Für Sciretta ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft im Erzgebirgskreis in den vergangenen Jahren gewachsen ist und Menschen ohne Arbeit viele Perspektiven und Chancen bietet. Das zeige sich unter anderem in der kontinuierlich gestiegenen Anzahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen. Davon gibt es laut Sciretta gegenwärtig 115.753. Im Vergleich: 2009 seien es noch 107.000 gewesen. Allerdings geht er für dieses Jahr von einer Stagnation aus, prognostiziert etwa 116.000 entsprechende Arbeitsverhältnisse für 2020. Als einen Grund für diese Entwicklung nennt der Agenturchef das Ausscheiden vieler älterer Menschen aus dem Arbeitsleben.

Die Herausforderungen für den heimischen Arbeitsmarkt werden also steigen. Denn die demografische Entwicklung in der Region wird sich laut den Prognosen der Agentur für Arbeit weiter verschärfen. Bis zum Jahr 2030 verliere das Erzgebirge - wie die Lausitzer Region - nahezu ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung. "Das ist schon eine Hausnummer", kommentiert Sciretta - auch mit Blick auf momentan 2817 unbesetzte Stellen, die die Statistik der Arbeitsagentur ausweist. Im Gegensatz dazu gehe das verfügbare Bewerberpotenzial zurück.

Umso mehr sieht der Agenturchef eine der wichtigsten Aufgaben darin, die vorhandenen Potenziale auszuschöpfen. Etwa 16 Millionen Euro stehen der Agentur im Landkreis für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen 2020 zur Verfügung. Mit rund der Hälfte fließe der größte Teil des Geldes in Maßnahmen zur Inklusion, also in die Integration von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt. Etwa ein Drittel werde für Weiterbildung und Qualifizierung ausgegeben. Ein Bereich, von dem 2019 etwa 25 Prozent der Arbeitslosen profitierten - knapp 8000 Menschen.

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