Familienbetrieb Großmann dankt ab und tankt künftig Sonne

Ende Juni ist Schluss. Zumindest für die bisherigen Chefs an der Tankstelle in Schwarzenberg-Neuwelt. Doch an dieser "Tanke" gab es bislang mehr als nur Sprit. Ob das so bleibt?

Schwarzenberg.

Noch kann er sich das nicht so recht vorstellen, wie es wohl sein wird ohne die Tankstelle. Das wird im Gespräch mit Thomas Großmann über den Abschied nach mehr als 25 Jahren schnell klar. Schließlich ist es bislang täglich früh um fünf oder halb sechs zu seiner Tankstelle gegangen, um den Herd für die frischen Brötchen hochzuheizen - egal, ob Dienstag oder Sonntag am Kalender stand. Denn an der Q 1 in Neuwelt ging es bislang keineswegs nur um Sprit.

Die ganze Familie Großmann - Vater Thomas, Mutter Annemarie und Sohn Frank - waren von Anbeginn in die Geschäftsidee eingebunden. Am Ende waren sie jetzt ein siebenköpfiges Team. "Aber ein Großmann war immer da", sagt der Chef.


Was sie 1993 als "Kapital" hatten, war das Grundstück in optimaler Lage für eine Tankstelle, nämlich direkt an der B 101. Einen Partner fanden sie damals im mittelständischen Unternehmen Q 1. Sie wurden Partnertankstelle, und sie sind es bis heute geblieben. Schon beim Bau des Gebäudes war für den heute 49-jährigen Sohn Frank ein Büro für sein eigenes Geschäft konzipiert. Obwohl er seine Stammkunden telefonisch weiter betreut, baut er sich derzeit ein neues Standbein auf.

An die Eröffnung der Tankstelle im Mai 1993 können sich die Großmanns noch sehr gut erinnern. "Damals haben wir gemeinsam mit Martin Pöschmann vom Autohaus nebenan eine tolle Fete gemacht", sagt Thomas Großmann. Doch mit nunmehr 68 Jahren sei es an der Zeit, in Rente zu gehen, Sonne zu tanken.

Viel haben sie erlebt. An eine lustige Episode muss er noch heute oft denken: Da sei vor vielen Jahren mal ein älteres Ehepaar gekommen und wollte die Waschanlage nutzen. "Beide sahen schick aus, baten mich, die Anlage zu starten, wollten aber im Auto sitzen bleiben. Doch als sie die große rotierende Bürste auf sich zukommen sahen, sind sie beide erschrocken ausgestiegen. Dann standen sie klatschnass vor mir und sagten: Jetzt müssen wir wohl doch noch mal nach Hause."

Unzählige Geschichten haben sich abgespielt zwischen den insgesamt 24 Tankpunkten. An den Stehtischen im Innenraum wurde nicht nur gegessen und literweise Kaffee ausgeschenkt, hier wurden stets auch die neuesten Nachrichten ausgewertet, über Gott und die Welt geredet. "Wir haben die Fahrer mit Verkehrsinfos versorgt, über Sperrungen informiert, die kürzesten Wege erklärt oder vor zu engen Stellen oder Sackgassen gewarnt", sagt er.

Für die Bewohner im Stadtteil Neuwelt ist die "Tanke" von Jahr zu Jahr wichtiger geworden, auch für jene, die gar kein Auto hatten. Hier gab es Blumen, frische Brötchen, die einst "erste Postagentur in Deutschland", lange Zeit einen Geldautomaten, mittlerweile auch Sparkassen-Barauszahlungen, gelbe Säcke, Sperrmüllmarken und anderes mehr. Zwischen 600 und 700 Kunden pro Tag, das ist eine Frequenz, die sich sehen lassen kann. Apropos sehen lassen: Gesehen, gesprochen und getankt haben hier auch viele Promis, berichtet Thomas Großmann und nennt als Beispiele: Heinz Quermann, Stephanie Hertel, Stefan Heym, Patrick Lindner und auch das Fußballteam von Bayer Leverkusen, das sich auf der Straße eine Schneeballschlacht geliefert hat.

Letzte Schicht des Großmann-Teams ist am 30. Juni. Sprit gibt es weiterhin: Der Q 1-Pächter in Schlettau übernimmt die Anlage mit.

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