Familienverband in Auflösung: Hollandheim schließt Ende 2019

Es ist eine traurige Nachricht für das Erlebnisdorf Waschleithe: Ab 2020 wird ein beliebtes Unterkunftsangebot wohl fehlen. Eine einsame Entscheidung mit bitteren Konsequenzen.

Waschleithe.

Es sei ihr wirklich nicht leicht gefallen, aber sie schaffe es nicht mehr. So begründet Manuela Rötz, die derzeitige Chefin vom Hollandheim in Waschleithe ihre Entscheidung, zum Jahresende das Haus zu schließen. Die 48-Jährige hatte die Leitung der Einrichtung Anfang 2014 aus den Händen von Maria Holbein übernommen.

Als Träger des Hauses fungiert seit 1997 der Kreisverband Aue-Schwarzenberg des Deutschen Familienverbands (DFV), der nach der Wende von engagierten Frauen aus Grünhain wie Gudrun Richter, Heidi Gäbelein, Maria Holbein und anderen gegründet worden war. Die Immobilie selbst gehört nach wie vor dem Landkreis. Dieser hatte (damals noch als Altlandkreis Aue-Schwarzenberg) das Haus nach der Wende zunächst im Erbbaurecht an die Kurort- und Tourismus-Entwicklungs GmbH Grünhain verpachtet, Laufzeit bis 2095. Nachdem diese GmbH jedoch insolvent war, stieg im Jahr 2003 der Kreisverband des DFV in den Vertrag ein. Nun aber löst sich auch der Kreisverband des DFV auf, denn Manuela Rötz ist zugleich auch dessen Vorsitzende. Die entsprechenden Beschlüsse müssen noch gefasst werden. Der Verein selbst zählt nur noch acht Mitglieder, zu denen auch Joachim Rudler, der Bürgermeister der Stadt, gehört.

Rudler sagt: "Es ist natürlich bedauerlich, dass es dazu kommt, aber wir müssen diese Entscheidung akzeptieren." Er sei jedoch als Bürgermeister sehr daran interessiert, dass das Haus weitergeführt werde. Auch mit Blick auf die bisherigen Nutzer. Das sind vor allem Familien, die mit kleinem Einkommen auskommen müssen. Zumeist waren Schulklassen, Kinderferienlager, Kita-Gruppen oder behinderte Kinder und Jugendliche hier zu Gast.

Auch die Aktion Kinderherzen hat das Objekt im Erlebnisdorf Waschleithe rege und mehrfach pro Jahr genutzt, um sozial benachteiligten Kindern oder Familien eine Auszeit vom Alltag zu bieten. Zumal im Ort kulturelle Angebote wie Tierpark, Schaubergwerk oder Heimatecke fußläufig erreichbar sind. Das Umfeld mit großem Außenspielbereich, Pool, Grillplatz und reichlich Natur - nahezu ideal für die Erholung.

"Es war die bislang schwerste Entscheidung meines Lebens", sagt Manuela Rötz, die bereits die Kündigung beim Landkreis eingereicht habe und seit April keine Reservierungen mehr annimmt. Entsprechend groß ist die Enttäuschung auch bei Christine Matko, Schirmherrin der Aktion Kinderherzen: "Das ist traurig. Für uns bedeutet das, dass wir mit den Planungen für 2020 in der Luft hängen. Hoffentlich wird eine Lösung gefunden, dass es weitergeht und bezahlbar bleibt."

An Gästen habe es nicht gefehlt, sagt Manuela Rötz. "Wir waren gut gebucht." Auch die Ausrichtung von Familienfeiern jedweder Art wurde gut angenommen. Aber sie hat versucht, alles allein zu stemmen. "Man findet kein Personal", nennt sie den Grund für die Schließung. Sie und eine Mitarbeiterin hätten alles allein gestemmt: Vom Beziehen der 30 Betten über die Verköstigung der Gäste bis hin zur Buchhaltung. "Ich werde ja auch nicht jünger", sagt sie.

Rudler weiß indes, allein mit Enthusiasmus und Engagement ist es nicht getan. Im Haus ist der Investitionsstau offenkundig - von der Heizungsanlage über die maroden Balkons bis zur Küche. Doch aufgeben will er das Objekt und dessen Nutzungszweck nicht. "Vielleicht ist es an der Zeit, neue Wege zu denken und zu gehen", meint er.

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