Fotos halten Erinnerung an Tierpark wach

Dass am Schlossfelsen in Schwarzenberg bis 1970/71 etliche Käfige und Gehege gestanden haben, ist vielen heute kaum noch bekannt. Nun soll der Schlosspark saniert werden. Zuvor ging die "Freie Presse" aber auf Spurensuche - und stieß dabei auf gute Resonanz.

Schwarzenberg.

Der Baustart zum Sanieren des Parks am Schwarzenberger Schloss ist auf 2019 verschoben worden. Die von Baufirmen eingereichten Angebote lagen extrem über der Kostenschätzung. Die Ausschreibung wurde aufgehoben, eine neue ist in Vorbereitung. Unter der Überschrift "Der verschwundene Tierpark" hatte die "Freie Presse" im Juni ein fast schon vergessenes Kapitel der Schlossparkgeschichte ausgegraben und die Leser aufgerufen, Erinnerungen und Fotos hervorzukramen. Heute eine erste Übersicht.

"Mein Großvater Paul Lenk hat in der Schwarzenberger Belgerfabrik am Brennofen gearbeitet. Im Rentenalter war er Kassierer im Tierpark. Das muss in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre gewesen sein. 1963 sind die Großeltern ins ehemalige Beyreuther-Gut gezogen, 1967 ist mein Opa gestorben", berichtet Ellen Rieger aus Lauter. Ihre persönlichen Erinnerungen an den Tierpark beschränken sich auf den Bärenkäfig. "Ich glaube, der hat wohl alle Kinder besonders beeindruckt."

Das Bild eines Bären, im Hintergrund etwas Schloss-Außenwand, steuerte Michael Otto aus Schwarzenberg bei. "Wer das Foto gemacht hat, weiß ich nicht. Ich habe eine Kopie." Sie gehört zu Michael Ottos digitaler Sammlung historischer Aufnahmen. Von Schwarzenberg und den eingemeindeten Orten hat der Heimatfreund mehr als 2000 Bilder.

"Ich war seit 1972 im Schloss zu Hause. Wir hatten dort viele Jahre lang eine Wohnung", sagt Brigitte Schubert. "Das Gelände rings ums Schloss mit den Resten des früheren Tierparks war für Kinder ein Abenteuerspielplatz." Brigitte Schuberts Tochter kam im Schloss zur Welt - ist also ein wahres Burgfräulein ...

Der ehemalige Lehrer Manfred Teller, der erst in Waschleithe und danach in Grünhain gearbeitet hat, wohnte bis 1956, als er nach Waschleithe umzog, in der Karlsbader Straße 17 in Schwarzenberg, hatte also den Schlossfelsen quasi vor Augen. "Ich kenne noch die bescheidenen Anfänge des Tierparks, den ,Vater' der Anlage, Werner Neubert, Spitzname Fischel-Neubert, und Wolfgang Münzner von der Station Junger Techniker und Naturforscher", erzählte er in einem Telefonat. Dass der Tierpark Bewohner wie Hirsch, Bär und Wildschweine hatte, wusste er zu berichten. "Nicht zu vergessen die Eulen, die nachts oft viel Lärm machten!" Als Anwohner des Mühlbergs erlebte Teller später den Aufbau des Tierparks Waschleithe von Anfang an mit, seine Frau Maria betrieb einige Zeit den Imbiss im Gelände. Bei der Auflösung des Tierparks in Schwarzenberg 1970/71 soll ein Teil des Tierbestands nach Waschleithe gekommen sein.

"Bei uns im Haus wohnte auch der Bergbauinvalide Rudi Lerche. Er war viele Jahre im Tierpark tätig", so Jochen Melzer aus Schwarzenberg. Das gab jedoch nicht den Ausschlag dafür, warum Familie Melzer oft am Schloss zu finden war. "Die Anlage wirkte zwar an einigen Stellen wie aus der Not geboren, das Gelände gab nicht mehr her. Aber die Tiere lockten vor allem Kinder an, natürlich auch interessierte Erwachsene." Dazu kam, dass Jochen Melzer gerne fotografierte, Beispiele illustrieren diesen Beitrag. 30 Jahre leitete er einen Fotozirkel im Kulturbund. Zu Vorträgen holten Melzer und Hans Adler bekannte Leute nach Schwarzenberg, darunter Wolfgang Ullrich, 1950 bis 1973 Direktor des Dresdner Zoos. Jener Professor Ullrich verfasste sogar mal ein Gutachten über den kleinen Schwarzenberger Tierpark.

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