Frust über Baupläne für Sportzentrum

Wegen gestiegener Kosten wollte die Stadt ein geplantes Funktionsgebäude abspecken. Doch dagegen regte sich bei mehreren Sportvereinen Protest. Selbst mit dem Ende der Vereinstätigkeit wurde gedroht. Das zeigt Wirkung.

Aue.

Die Baupläne für ein Funktionsgebäude im neuen Auer Sportzentrum müssen noch einmal überarbeitet werden. Nachdem gleich mehrere Sportvereine in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses zum Teil massive Kritik äußerten, will das Rathaus nachbessern. Ein geplanter Beschluss dazu wurde deshalb von der Tagesordnung des Auer Stadtrates genommen. Statt eine abgespeckte Variante mit gut 500 Quadratmetern Fläche und vier Umkleidekabinen, ist jetzt ein größeres Gebäude in der Diskussion.

Mehr Platz fordert auch Klaus Kaufmann vom SV 1960 Alberoda. Er kritisiert, dass der Verein - als einer der künftigen Nutzer - erst mit der fertigen Planung konfrontiert worden sei. Und die sah in der günstigsten Bauvariante, für die sich die Stadtverwaltung zuletzt aussprach, vor, dass es keinen eigenen verschließbaren Raum für die Fußballer geben soll.

Doch genau den macht Kaufmann zur Bedingung. Man brauche Platz für Bälle, Spielunterlagen und weiteres Trainings-Equipment, sagt er. "Wenn es bei der Planung geblieben wäre, hätten wir dem Gesamtprojekt widersprochen." Sogar mit der Auflösung des Vereins drohte Kaufmann. Denn der SV 1960 Alberoda kämpft seit Jahren für bessere Trainingsbedingungen. Auf seinem Hartplatz oberhalb des Erzgebirgsstadions kann bereits seit 2011 nicht mehr gespielt werden, weil er marode ist. Vor einigen Jahren war deshalb eine Sanierung angedacht, die jedoch mit Verweis auf den möglichen Bau eines Sportzentrums - als neue Spielstätte - platzte.

Kritik am neuen Sport- und Freizeitzentrum, das bis 2021 auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes entstehen soll, kommt auch von der Leichtathletik-Sektion des FC Erzgebirge Aue. "Es ist von der ursprünglichen Planung sehr weit abgewichen worden," sagt Jana Thierfelder von der Abteilung. "In der Mitte hat man einen Kunstrasenplatz, und dieser verhindert, dass dort Wurfdisziplinen ausgetragen werden können." Gebaut werde die neue Anlage ohne die Möglichkeit, Diskus und Speer zu werfen. "Für das Kugelstoßen gibt es zwar eine eigene Anlage, aber diese ist nicht normgerecht." Damit sei man stark eingeschränkt, etwa, wenn man vorhat, eine Landesmeisterschaft nach Aue zu holen.

Auch einen Geräteraum hatte es im zunächst vorgesehenen Mehrzweckgebäude für die Leichtathletik-Abteilung nicht gegeben, berichtet Thierfelder und kritisiert: "Wir bekommen ein Wrack von Sportanlage. Wir können zwar Runden rennen, mehr aber auch nicht."

Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) hat inzwischen auf die Kritik reagiert und im Stadtrat nun eine "Optimierung" in Aussicht gestellt. Man wolle jetzt erneut die Nutzerwünsche mit der Finanzierung abgleichen, sagte er.

Auf Nachfrage verspricht Kohl: "Die Alberodaer werden einen separaten Raum bekommen." Auch für die Leichtathletik-Abteilung werde es eine Lagerfläche geben. Zudem würden zusätzliche Umkleidekabinen geprüft.

Unklar ist noch, wie die Wünsche bezahlt werden sollen. Schon der Bau eines kleinen Gebäudes hätte wegen steigender Baupreise gut 1,7 Millionen Euro gekostet - und damit etwa 430.000 Euro Mehrkosten verursacht. Ein größeres Mehrzweckgebäude könnte nun Mehrkosten von mehr als 800.000 Euro bedeuten.

Um Geld zu sparen, war kurzzeitig überlegt worden, einen geplanten, separaten Kunstrasenplatz vorerst nicht zu bauen. 400.000 Euro hätte das eingespart. Aber auch das ist inzwischen wieder offen. Kohl erklärt jedoch: Man werde nicht alles "perfektissimo" bauen können.

Zur Kritik, dass die Kugelstoß-Anlage nicht normgerecht ist, sagt er: "Das war schon vorher bekannt." Nicht alle Wünsche der Nutzer könnten erfüllt werden. "Lieber ein kleines Auto als keins."mit wend

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...