Für ein altes Pionierlied gibt es heute wieder tosenden Beifall

Uwe Steimle servierte vor ausverkauftem Haus sein Kabarett-Programm "Feinkost". Täve, Merkel, Gabriel, Schulz, Trump, ein Muezzin und Herr Zieschong hatten scharf gewürzte Auftritte.

Schneeberg.

"Glückauf!" rief er mit erhobener Laterne, als er am Freitagabend die Bühne des Kulturzentrums "Goldne Sonne" betrat und bekam gleich so viel Beifall, wie andere ihn nicht an einem ganzen Abend bekommen. Von diesem Augenblick an erleuchtete Uwe Steimle mit seinen Reden und Gesängen die ostalgischen Seelen mit Sprüchen wie: "Wir hätten 1989 von den Semmeln auf das ganze System schließen können: alles Luft!"

Im Mittelpunkt stand die alte und die neue sächsische Heimat. Darum gab es den tosendsten Beifall, gemischt mit Gelächter, zum gemeinsamen Massen-Gesang des Pionierliedes "Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer ...und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört". Steimle: "Wenn das das Merkel hört!"


Dass der Linke Gustav Adolf Schur, der berühmteste Sportler der DDR, nicht in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen wurde, kommentierte Steimle so: "Täve ist in der Herzenshalle aller." Zornig wetterte Steimle gegen die herrschende Politik. Zu den deutschen Waffenexporten meinte der Dresdner Kabarettist: "Liefern Waffen in die halbe Welt und wundern sich, dass die Leute, die nicht erschossen sind, hierher kommen! Wir müssen den Reichstag umstellen, 100.000 Mann, und Gabriel und das Merkel aushungern!"

Und da war er auch schon bei einem seiner Lieblingsthemen angelangt, der Heimat und der Tradition: "Ich habe nichts gegen Muezzin, aber mir sind Glocken lieber."

Auch Donald Trump wurde ins politische Kuriositätenkabinett eingeordnet. Der hatte sich mit geballter Arbeiterfaust gezeigt. Steimle: "Das ist so, als würde Martin Winterkorn sagen: Ich hab gar kein Auto."

Steimle wies auf sein neues Buch hin "Warum der Esel Martin heißt - Neues von Martin Luther". Er sei besonders stolz, dass er damit in der Wartburg auftreten dürfe, einem zentralen Ort der Deutschen. "Die Sachsen sind die letzten Deutschen", meinte Steimle mit Blick auf die einstige Hochsprache Sächsisch.

Dem heutigen Sprachgebrauch ist Steimle auf seinen Reisen auf der Spur. So stand an einem Klamotten-Laden geschrieben: "Outdoor für draußen". Ein Wirt, dem in der Eile für seine neue kulinarische Kreation nichts einfiel, warb zugkräftig mit einer "Soße ohne Namen".

In einer der MDR-Sendungen "Steimles Welt" wird Uwe Steimle am 28. Mai, um 20.15 Uhr mit dem einstigen Schlagerstar Lutz Jahoda (90) zu sehen sein. Er moderierte einst die Sendung "Wunschbriefkasten" des DDR-Fernsehens.

Steimle imitierte einen Dialog zwischen seiner Figur Herrn Zieschong und der ewig giftenden Ilse Bähnert, im Original gespielt von Tom Pauls. Ilse würdigte ihr derbes Eheleben: "Ich hab mir meine Witwenrente ehrlich verdient!"

Zuletzt ging Günter Zieschong, nach zu Herzen gehenden Worten ringend, auf Partnersuche und umwarb gegen unerreichbare Konkurrenz die unbekannte Neue: "Ich bin kein Hans in allen Gassen. Was nützt dir die Taube auf dem Dach, wenn du schon bald meinen Spatz in der Hand hast?"

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