Gästekarte sollte Nahverkehr einbinden

Urlauber in der Region erhalten seit Jahresbeginn keine Erzgebirgscard mehr. Die Alternative dazu ist noch nicht ausgereift - vor allem, was die Vorteile für die Nutzer angeht.

Schwarzenberg.

Viele Jahre ist der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde (VSE) Partner des Projekts Erzgebirgscard (EG) gewesen. Wenn Besucher solch eine von ihnen gekaufte Karte vorzeigten, bekamen sie im Schwarzenberger Eisenbahnmuseum kostenlosen Eintritt.

"Als wir erfuhren, dass die ,EG-Card' Ende 2018 wegfällt, waren wir enttäuscht", so VSE-Geschäftsführer Axel Schlenkrich. Das Projekt sei ja zur Tourismusförderung initiiert worden. Die Begründung, dass aufgrund europarechtlicher Probleme diese Art von Gästekarte nicht weitergeführt werden könne, verwunderte die Eisenbahnfreunde erst recht. Sie stelle "nach neuem EU-Pauschalreiserecht die Vermittlung einer fremden Pauschalreise" dar, weil sie neben vergünstigten Eintrittsleistungen auch die kostenfreie Nutzung des Nahverkehrs enthalte.

Daraufhin schrieb Schlenkrich den Tourismusverband Erzgebirge (TVE) an und verwies darauf, dass es ähnliche Gästekarten doch zum Beispiel in Südtirol gebe, das seines Wissens nach zu Italien, also zu Europa, gehört. "Diese Karte bleibt bestehen; meine Frau und ich nutzen sie beim Urlaub in dieser sehr urlauberfreundlichen Region gern und oft", erklärt der Eisenbahnfreund. Fast alle Touristen dort hätten eine solche Karte, die durch die Beherbergungsstellen ausgegeben wird. Sie gilt immer eine Woche - auch für den öffentlichen Nahverkehr (kostenlos), Bergbahnen (teils kostenlos, teils Rabatte) und in etwa 80 Museen (freier Eintritt). "Und das bei einem fast perfekt vertakteten, anschlussfreundlichen Nahverkehr, der mit den bescheidenen Fragmenten im Erzgebirge nicht zu vergleichen ist", so Schlenkrichs Erfahrungen.

"Man kann andere Regionen oder Länder bei diesem Thema nicht miteinander vergleichen. Jede Karte funktioniert nach einer anderen Systematik", erklärt Ute Florl vom Projektmanagement der Erzgebirgscard die Sicht des TVE. "Laut dem EU-Pauschalreiserecht sind ausschließlich Kauf-Karten betroffen. Karten, die der Gast beim Bezahlen der Kurtaxe kostenfrei bekommt, sind nicht tangiert. Und dazu zählt die Meran-Card in Südtirol, denn die ist im Zimmerpreis enthalten und zählt so nicht zu den Kaufkarten." Zudem komme es auf die konkreten Leistungen an. Manche fallen unter das neue Reiserecht, andere nicht.

Der TVE verfolgt weiterhin die Vision einer einheitlichen, umlagefinanzierten Gästekarte Erzgebirge. Solche Karten reichen Gastgeber in einigen Kommunen - Schwarzenberg noch nicht - beim Einchecken an die Gäste schon aus. "Doch zum richtigen Mehrwert würde neben günstigen Eintrittspreisen auch die Einbeziehung eines funktionierenden Nahverkehrssystems gehören", betont Schlenkrich. Vielleicht sollte man sich dazu die Erfahrungen anderer Tourismusregionen zunutze machen. Dafür plädiert auch Dirk Weißbach, Leiter der Schwarzenberg-Information: "Prinzipiell halte ich ein in der Fläche wirkendes Gästekartensystem, das Bus- und Bahnverkehr einbezieht, für richtig."

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