Geehrte lenkt Fokus auf ihre Mitstreiter

Für ihr vielseitiges Wirken für ein gesellschaftliches Miteinander ist Rosmarie Hennig aus Johanngeorgenstadt mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet worden. Sie würde das gute Stück am liebsten teilen.

Johanngeorgenstadt.

Sie hat nie danach gesucht. Die meisten ihrer ehrenamtlichen Aufgaben sind Rosmarie Hennig angetragen worden, so sagt sie es selbst. Sie wirkt glücklich und ist zutiefst überzeugt von allem, was sie tut. "Ich habe aber auch immer Mitstreiter, die mich kräftig unterstützen." Sonst, so sagt die Johanngeorgenstädterin, sei vieles vom Erreichten gar nicht möglich gewesen.

Genau deshalb würde sie die Sächsische Verfassungsmedaille, die sie jüngst im Sächsischen Landtag verliehen bekam, am liebsten teilen. "Mit allen, die mit mir gemeinsam Gutes tun."

Gutes tut die Direktorin und Klavierlehrerin der Musikschule Johanngeorgenstadt reichlich. Das ist ihr Beruf, mithin ihre Berufung. "Ich liebe Musik", sagt die Mutter zweier bereits erwachsener Töchter. Ehrenamtlich wirkt sie zusätzlich im Vorstand der Vereins-Musikschule, erledigt in ihrer Freizeit die Buchführung. Mit 25 Schülern ging es 1990 los. Heute erlernen 330 Kinder und Jugendliche bei 17 Lehrerinnen und Lehrern ein Instrument oder das Singen. Zur Schule gehören Orchester, Kammermusik- und Veeh-Harfen-Ensemble. Wobei in letzterem Bereich behinderte und nicht behinderte Musiker gemeinsam auf der Bühne stehen. "Eine Herzensangelegenheit", so Rosmarie Hennig. Bei weitem nicht die einzige.

Um die städtische Historie dreht sich alles im Heimatstubenverein. "Wir versuchen zu retten, was zu retten ist aus der Geschichte." Etwa mit Blick auf Gewerke und Handwerk sowie die Stadtgründung durch Exulanten, bei denen Rosmarie Hennig Vorfahren hat. "Ich bin Mitglied der Gründerfamilie Löbel, die in fünf Linien aufgeht." Vielleicht hängt ihr Herz ja deswegen so sehr an "ihrem Johanngeorgenstadt". "Die Menschen, die damals herkamen, gaben alles auf, um ihren Glauben zu bewahren." Mutig sei das gewesen. "Und es geschah im Vertrauen auf Gott." Das teilt Rosmarie Hennig.

Seit 27 Jahren wirkt sie im Vorstand der Landeskirchlichen Gemeinschaft mit. "Ich rückte einst für meinen Vater nach und blieb dabei." Kita- und Gemeindehausbau, Sanierungen und vieles mehr erlebte und gestaltete sie mit. Zudem ist sie federführend bei der Organisation des Schwibbogenfests, Chorleiterin und Mitglied in einem Gesangsquartett. Gesang hat die Erzgebirgerin studiert, ebenso Gesangspädagogik, inklusive musikalischer Früherziehung. Bei all ihrem Engagement, sagt die rastlose Frau, habe sie offene Türen eingerannt. Egal in welchem Bereich. "Es gibt viele Mitstreiter, die diese Medaille genauso verdient hätten wie ich. Da greifen etliche Rädchen ineinander. Alleine könnte man das niemals erreichen." Auch ihre Familie, die ihr den Rücken frei hält, zähle dazu. "Ebenso Bürgermeister und Stadtverwaltung."

Glücklicherweise sei ihr Mann ähnlich vielseitig engagiert; freie Tage hat das Ehepaar selten. "Die Kinder sind aus dem Haus. Da bleibt viel Zeit, um sich einzubringen ins gesellschaftliche Leben." Das empfinde sie keinesfalls als Belastung. Im Gegenteil. Menschen zusammenbringen, zusammen etwas auf die Beine stellen und sich begegnen - das mache das Leben erst lebenswert. Dabei prüfe sie genau, was ihr liegt und was nicht. In die Politik zum Beispiel zog es sie nie. Andere Ziele verfolgte sie unablässig. "Manchmal braucht es einen langen Atem, bis Träume wahr werden. Aber es geht." Ihr erfülltes Leben mache ihr Freude. Sie ist dankbar für das Vertrauen, das andere in sie setzen. "Und jetzt bekomme ich dafür noch eine Auszeichnung obendrauf. Wahnsinn."

Rosmarie Hennig reihte sich 2018 in eine Riege von sechs Geehrten ein. So erhielten auch der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel, und die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig die Verfassungsmedaille, die in Sachsen seit 1997 an Menschen vergeben wird, die sich in besonderem Maße um die freiheitlich demokratische Entwicklung von Sachsen verdient gemacht haben.

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