Generationswechsel im Familienbetrieb

Yvonne Neitsch schwingt ab sofort im Landgasthof in Grünstädtel das Zepter. Ihre Eltern bleiben aber als Helfer an ihrer Seite.

Grünstädtel.

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", hat einst Udo Jürgens gesungen. Den Text machte sich Egon Neitsch zu Eigen. Der langjährige Wirt des Landgasthofs in Grünstädtel nahm seinen 66. Geburtstag vor wenigen Tagen zum Anlass, die Geschäfte an die nächste Generation zu übergeben. Tochter Yvonne ist nun die Chefin im Haus.

Für die 44-Jährige war der Weg vorgezeichnet. "Ich habe im Steigenberger-Hotel in Bad Griesbach bei Passau Hotelfachfrau gelernt und dort auch zwei Jahre gearbeitet", erzählt sie. "Hätten wir die Gaststätte nicht gehabt, hätte ich vermutlich etwas ganz anderes gemacht." Nach Ausbildung und ersten Arbeitsjahren wollte sie zunächst in ein Fünf-Sterne-Hotel in Dresden, doch der Ruf aus der Heimat war lauter. Seither gehört sie zum Team des Landgasthofes, der seit vielen Jahren in Familienbesitz ist. Egon Neitsch, der 1987 eine Ausbildung zum Küchenmeister absolvierte, und seine Frau Eveline hatten ihn 1989 von seinen Eltern Christa und Herbert Neitsch übernommen. "Wir haben immer wieder investiert. Denn wer auf dem Markt bestehen will, der muss mit den anderen Schritt halten", so der Seniorchef. Etwa 10.000 Euro seien es seit 1989 in jedem Jahr gewesen.

Wichtig für die stabile wirtschaftliche Situation des Hauses sind die sechs Zimmer. Geschäftsreisende, Mitarbeiter großer Firmen, Handwerker und Urlauber gehören zu den Übernachtungsgästen. "Nur als Gaststätte kann man nicht überleben", weiß auch Yvonne Neitsch. Ein zweiter wichtiger Faktor des Erfolgs sei der Familienbetrieb. Es werde immer schwerer, Personal zu bekommen. "Kellner kriegt man heute gar nicht mehr. Auch einen Koch zu finden, der unseren Ansprüchen gerecht wird, ist schwierig", so Yvonne Neitsch. Daher bleiben nach der Firmenübernahme die Öffnungszeiten in der Gaststätte, die im Saal und in der Gaststube insgesamt 80 Leuten Platz bietet, auf Freitag bis Sonntag beschränkt. "Freitags öffnen wir 17 Uhr, an den Wochenenden haben wir auch schon zum Mittagstisch geöffnet", erklärt die neue Chefin.

Was die Grünstädtler auszeichnet, ist der Verzicht auf Vorgefertigtes. "Wir machen ein Schnitzel nicht nur warm, sondern klopfen es noch richtig selbst", sagt Egon Neitsch, der auch künftig - genauso wie seine Frau - in der Küche und im Service helfen wird. Die Karte im Landgasthof ist übersichtlich. "Dafür wechseln wir immer mal wieder unsere Angebote", so die Inhaberin, die das auf jeden Fall beibehalten will.

In der Gaststätte gehören viele Grünstädtler zu den Stammgästen. "Die meisten Erzgebirger haben keine großen Wohnungen mehr. Wenn sie sich dann zu Geburtstagen, Familienfeiern oder an großen Feiertagen treffen, gehen sie gern in eine Gaststätte", weiß Egon Neitsch. Es gibt Familien, die alles - zur Freude der Gastwirte - im Landgasthof feiern. Doch Neitschs haben noch mehr drauf. Natürlich könne man auch ein romantisches Candle- Light-Dinner bestellen und sich ein Überraschungsmenü kredenzen lassen. "Da haben wir Stammgäste aus Breitenbrunn. Sie kommen schon seit 15 Jahren immer wieder zu uns."

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