Heute buhlen Arbeitgeber um motivierte Auszubildende

Jungen Leuten stehen für die Berufswahl mittlerweile viele Türen offen. Und doch bleibt es schwer, Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen, sagt zumindest der Chef der Arbeitsagentur.

Erlabrunn/Annaberg.

Celine Fischer ist auf dem Weg zu ihrem Wunschberuf. Im Sommer 2019 wird sie die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in den Kliniken Erlabrunn abschließen. Dann hat die 21-Jährige zwei Abschlüsse in der Tasche, und das in einem Berufszweig, der aufgrund hoher Zuwachsraten auf lange Sicht gutes Personal benötigt. Zunächst hat die Schwarzenbergerin eine einjährige Ausbildung zur Krankenpflegehelferin absolviert. Abschluss mit 1,2. Nach einem Jahr Praxis stand für sie fest: "Es ist mein Beruf, aber ich will mehr." Und so stieg sie 2016 in die dreijährige Ausbildung zur Krankenpflegerin ein.

Ein Beruf, der Zukunft hat, der dringend gebraucht wird. "Und Celine bringt alle notwendigen Voraussetzungen dafür mit", sagt Praxisanleiterin Siiri Peisker. "Sie ist fleißig, freundlich, aufmerksam und sehr umsichtig", lobt sie die Lernschwester. Speziell im Gesundheits- und Sozialwesen gibt es derzeit eine enorme Nachfrage nach Fachkräften. In den Kliniken Erlabrunn, sagt Personalreferentin Astrid Apel, sei man in der komfortablen Situation, noch auswählen zu können. Der Stapel der Bewerbungen sei zwar kleiner geworden, aber es gebe ihn. Vier Berufswege werden angeboten: der Gesundheits- und Krankenpfleger, operationstechnischer Assistent/in, anästhesietechnischer Assistent/in sowie die Ausbildung zum Kaufmann/-frau für Büromanagement.

"Junge Menschen können derzeit aus einer Vielzahl an Ausbildungsangeboten wählen", sagt Siegfried Bäumler, Chef der Agentur für Arbeit im Erzgebirge. Wesentliche Herausforderung sei dabei, Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen. In Zahlen heißt das: Von Oktober 2017 bis September 2018 wurden der Agentur 1735 Ausbildungsstellen gemeldet. Davon sind aktuell noch 227 unbesetzt. Und von den 1819 Mädchen und Jungen, die sich im Verlauf des Jahres als Bewerber gemeldet hatten, sind nur 33 junge Leute noch unentschlossen.

"Nicht jeder Bewerber passt auf jede Stelle", sagt Bäumler. Das gelte für die Vermittlung von Arbeitslosen, die einen Berufsabschluss in der Tasche haben, ebenso wie für die Berufseinsteiger. "Das muss passen. Aber das hängt von sehr vielen, vor allem individuellen Faktoren ab", erklärt der Agenturchef. Wichtig sei, dass Schulabgänger ihre Stärken und Begabungen herausstellen und sich in den Unternehmen gut präsentieren. "Firmen schauen nicht mehr nur auf Schulnoten. Vielmehr gewinnen soziale Faktoren an Bedeutung." Im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten aktuell mehr als 24.000 Beschäftigte im Erzgebirge. Das seien 21 Prozent aller Beschäftigten in der Region. Bedarf steigend.

Auch die Industrie- und Handelskammer kann mit 794 Ausbildungsverträgen eine gute Bilanz vorlegen. 83 davon im Bereich Hotel- und Gaststättengewerbe, das stimme optimistisch, schätzt IHK-Geschäftsführerin Jana Dost ein. Zudem hebt sie hervor, dass im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Betriebe selbst ausbilden und durch die Digitalisierung viele Berufsbilder einen Wandel durchlaufen. Es sei daher wichtig, auch an den Gymnasien wieder verstärkt für die Ausbildungsberufe zu werben. Als "einen Kampf um Köpfe" bezeichnet Steffen Böttcher, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Erzgebirge, den Ausbildungsmarkt. Knapp 500 Ausbildungsverträge konnten 2018 im Handwerk abgeschlossen werden.

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