Holz für große Walpurgisfeuer kommt nun aus dem Stadtwald

Schon seit Jahrhunderten Brauch: Hohe Flammen sollen am Vorabend des 1. Mai die Geister des Winters vertreiben. Doch zunehmend lodern und qualmen Abfälle auf den Haufen. Die Kommune will so etwas verhindern - aber die Tradition wahren.

Schwarzenberg.

Oberbrandmeister Stephan Risse und seine Mitstreiter in der Ortsfeuerwehr Erla-Crandorf können davon ein Lied singen. Nicht nur, dass Unbekannte - auch in anderen Orten - versuchen, die für Walpurgis- oder Hexenfeuer aufgeschichteten Haufen vorzeitig anzuzünden. Zunehmend landet Unrat aller Art in den Haufen, wird heimlich angeliefert oder beim Anliefern versteckt. "Einiges haben wir noch entdeckt und rausgezogen. Vor allem Metall liegt aber später in der Asche", so Risse. "Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein." Und die Entsorgung? "Bezahlt die Kommune. Damit unterm Strich wir alle", so Ortsvorsteherin Gisela Schmidt.

Also nur noch eingezäunte und abgesperrte Feuerstellen, Anliefern unter strenger Kontrolle, Bewachen der vorbereiteten Haufen rund um die Uhr? "Das kann keiner leisten, schon gar nicht im Ehrenamt", erklärt Thomas Hahn, Amtsleiter der Finanz- und Ordnungsverwaltung im Schwarzenberger Rathaus. "Dazu kommt noch der Umweltaspekt, der in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion eine immer größere Rolle spielt." Nachdem aber schon Befürchtungen laut wurden, dass die Brauchtumsfeuer gänzlich verboten werden könnten, kam aus dem Rathaus jetzt eine andere Botschaft: "Die Stadt Schwarzenberg bekennt sich dazu, dass auch weiterhin in den Ortsteilen Bermsgrün, Erla-Crandorf, Grünstädtel und Pöhla sowie im Stadtteil Neuwelt traditionelle Walpurgisfeuer auf jeweils einem zentralen Abbrennplatz stattfinden. Anders als in den Vorjahren ist es jedoch nicht mehr möglich, Baum- und Strauchschnitt sowie andere pflanzliche Abfälle zum Verbrennen dorthin zu bringen."

Nach den Walpurgisfeuern 2019 gab es mit allen beteiligten Partnern in den Ortsteilen Auswertungen. "Da kam einiges zur Sprache, vom Rückgang der Besucherzahlen bei den Umzügen und an den Feuerstellen bis zum Problem, dass viel Unrat abgeladen wurde: Metall, mit Chemikalien behandeltes Holz, Gewerbeabfälle, Möbel", so Thomas Hahn. Die Organisatoren aus Vereinen diskutierten intensiv mit Gastronomen, Ortsvorstehern, Feuerwehrleuten. Zum Fazit gehört, dass die Organisatoren mit Unterstützung der Stadt auch 2020 bereit sind, in den Ortschaften am Abend des 30. April das Walpurgisfeuer durchzuführen. "Neu ist, dass das Vorbereiten der Feuer ausschließlich durch die Stadt mit Holz aus dem städtischen Wald erfolgt", betont Hahn. Die Stadt leiste mit ihren Ortschaften so einen Beitrag zum Umweltschutz vor Ort.

Stadtrat und Stadtverwaltung haben sich verständigt, dass private Lagerfeuer am 30. April weiter zugelassen werden. Voraussetzungen: ein Antrags- und Genehmigungsverfahren bei der Stadtverwaltung sowie das Einhalten gesetzlicher Vorgaben. So darf auch bei solchen Lagerfeuern nur unbehandeltes Holz verwendet werden. Das im März 2019 in Kraft getretene Gesetz über Kreislaufwirtschaft und Bodenschutz in Sachsen schreibt vor, dass pflanzliche Abfälle aus privaten Haushalten und Grundstücken dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zu überlassen sind, wenn sie nicht auf dem Grundstück, auf dem sie anfielen, verwertet werden können - zum Beispiel durch Kompostierung.


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