Hurra, wir sind Welterbe!

Ein Region hat ihr Erbe am gestrigen Sonntag bei einer Festveranstaltung im Treibehaus in Olbernhau gefeiert. Hunderte Zuschauer verfolgten das Geschehen draußen auf dem Saigerhüttengelände mit.

Olbernhau/Schwarzenberg.

Es ist Ritterschlag und Anerkennung zugleich: Welterbe darf sich nun die Montanregion Erzgebirge nennen. Obwohl die Unesco den Titel schon am Samstag zuerkannte, sollte die große Feier in Olbernhau erst am gestrigen Sonntag stattfinden.

Dazu eingeladen waren Knappschaften und Traditionsvereine der Region. Und die kamen zahlreicher als geplant: die Seiffener, die Marienberger, die Pobershauer und natürlich die Olbernhauer Saigerhütten-knappschaft zogen zum Neustädtler Bergmarsch in die Halle ein. Immer wieder hieß es "nachrücken, nachrücken" - bis der gesamte Aufzug Platz im Treibehaus auf dem Gelände Platz gefunden hatte. Keiner der rund 150 Plätze im Gebäude blieb an diesem Abend leer.


Während in der Halle das Musikkorps der Stadt Olbernhau unter der Leitung von Bergmusikmeister Jens Kaltofen Bergmärsche und -lieder aus allen Winkeln des Erzgebirges spielte, herrschte vor dem Treibehaus Volksfeststimmung. Annähernd 400 Zuschauer verfolgten das Programm über eine Leinwand. "Allen Anfang liegt ein Zauber inne", brachte Moderatorin Heike Leschner die Stimmung im Treibehaus auf den Punkt.

Dass ausgerechnet in Olbernhau der Welterbetitel gefeiert wurde, hatte einen wichtigen Grund. Zum einen ist das Areal mit seinen historischen Gebäuden einer der 17 Bestandteile auf deutscher Seite, die zur Welterbe-Kulisse zählen. Zum anderen feiert die Olbernhauer Saigerhüttenknappschaft gleichzeitig das Jubiläum der Wiedergründung vor 25 Jahren.


Der Touristiker

Dirk Weißbach, Leiter der Touristinformation in Schwarzenberg, ist froh, dass mit dieser Entscheidung die großen Anstrengungen der zurückliegenden Jahre von Touristikern und Wirtschaftsförderern nun Früchte tragen. Er zollt allen an diesem Prozess Beteiligten höchsten Respekt, denn es sei ein Kraftakt gewesen, die Bewerbung dorthin zu bringen und dabei in der Begeisterung für die Sache nie nachgelassen zu haben. Er erhofft sich durch die Zuerkennung des Titels neue Impulse für die touristische Entwicklung in der Region. Das Erzgebirge werde stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken und neue Zielgruppen anlocken. (matu)


Der Grubenkenner

Marc Schwan leitet das Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln in Frohnau - zu ihrer Zeit eine der bedeutendsten Gruben im Revier. Für ihn hat das Erzgebirge schon in der Bewerbungsphase zum Welterbetitel profitiert: "Die Region ist zusammengerutscht - und das grenzübergreifend", sagt er. Auch, weil die Bewerbung "von unten" angeschoben worden sei und nicht von oben verordnet. "Das Zusammengehörigkeitsgefühl hat sich verändert - unabhängig von politischen Ausrichtungen", ist er überzeugt. Und auch davon, dass der Titel dem Erzgebirge langfristig deutlich mehr Gäste bescheren wird. (af)


Der Museumsdirektor

Jan Färber ist Direktor des Bergbaumuseums in Oelsnitz, das als assoziierter Partner die Bewerbung unterstützte. "Für die Region ist der Titel ein riesengroßer Gewinn, über den ich mich freue. Er ist wichtig für die Traditionspflege. Die gesamte Region wird davon profitieren, auch wir als Bergbaumuseum. Für mich kommt die Rolle des Steinkohlenbergbaus zu kurz. Er ist wichtiges Bindeglied zwischen dem Erzbergbau und der Wismut. Letztlich ist der Steinkohlenbergbau auch der Retter der Bergakademie in Freiberg gewesen. Es wird nun darauf ankommen, diesen Titel auch mit Inhalten zu füllen." (bjost)


Der Schulleiter

Enrico Huth, amtierender Schulleiter des Gymnasiums Marienberg, freut sich, dass es mit dem Welterbetitel geklappt hat: "Das kann der Region einen Push geben - vor allem im Bereich Tourismus." Seine Schüler haben mit Projekten zur Montanregion die Bewerbung unterstützt. 2015 entstand im Rahmen des Kulturversuchs ein Foto, auf dem sich Menschen zum Schriftzug "Wir wollen Welterbe" formierten. Am Sonntag gab es eine ähnliche Aktion. Der Bergbau soll weiter im projektorientierten Unterricht eine Rolle spielen. "Wir wollen die Bedeutung des Bergbaus an die junge Generation weitergeben." (rickh)


Die Gastronomin

Constance Brosell betreibt in Ehrenfriedersdorf auf dem Sauberg die "Sauberg Klause" und in der Stadt das Hotel am Markt. Den Welterbetitel findet sie "super und verdient". Schließlich gründe sich im Erzgebirge vieles auf die harte Arbeit der einstigen Bergmänner und das über Jahrhunderte. "Der Titel ist eine Bereicherung für alle, nicht nur für den Tourismus." Er sei Anerkennung und ein deutliches Zeichen dafür, dass die Menschen hier nicht nur Männelmacher sind. Sie war sich sicher, dass die Entscheidung positiv für die Region ausfällt. Erfahren hat Constance Brosell davon im Urlaub an der Ostsee. (aed)


Der Vereinsvorsitzende

Siegbert Ullmann, Vorsitzender der Waldkirchener Hüttenknappschaft Blaufarbenwerk, sagt: "Für das Erzgebirge ist der Titel Welterbe eine große Chance. Er ruft in Erinnerung, welche großartigen Leistungen die Menschen bis ins 18. Jahrhundert hinein in der Region vollbrachten. Der Titel bringt aber zugleich große Herausforderungen mit sich. Die touristische Infrastruktur muss ausgebaut werden - zum Beispiel das Radwegenetz. Die Bestandteile wie die Saigerhütte in Olbernhau sollten sich per Rad gut erreichen lassen. So gibt es etwa beim Flöhatalradweg nach wie vor Probleme, die es anzupacken gilt." (geom)


Der Kulturschaffende

Steffen Kindt ist Beiratsvorsitzender des Kulturraums Erzgebirge-Mittelsachsen und Leiter des Erzgebirgsensembles. Er zeigte sich von der Verleihung des Welterbetitels nicht überrascht: "Es ist der folgerichtige Abschluss eines Weges, den wir vor 20 Jahren eingeschlagen haben. Das Erzgebirge ist nun mal die geschlossenste Volkskunstlandschaft Europas. Jetzt müssen wir das Weltkulturerbe gemeinsam leben, stolz auf unsere Werte sein und das auch nach außen tragen. Wir sind nicht nur das Weihnachtsland. Der Titel bringt unserer Region einen enormen Zuwachs an Außenwirkung. Er ist eine Riesen-Image-Chance." (mu)


Der Nachtwächter

Rainer Eckel ist einer der beiden Nachtwächter in Annaberg-Buchholz. Für sie ist der Titel eine besondere Aufwertung dessen, was sie auf ihren Rundgängen Gästen und Einheimischen präsentieren. "Viele Gebäude, Einrichtungen und Landschaften rücken mehr ins nationale und internationale Interesse. Die Faszination der Bergbaulandschaften, beginnend im 14./15. Jahrhundert, dazu noch grenzüberschreitend und mit prägendem Einfluss auf die Entwicklung unserer Region, wird weltweit öffentlich gemacht." Gleichzeitig entstehe daraus aber auch eine Verpflichtung der Werterhaltung und Präsentation. (af)


Der Oberbürgermeister

André Heinrich, parteiloser Oberbürgermeister von Marienberg, hebt hervor, wie viel Kraft alle Beteiligten in den vergangenen Jahren in das Projekt investiert haben. "Nun versprechen wir uns eine wesentliche touristische Aufwertung des Erzgebirges, wenn man betrachtet, wie Welterbestätten bereist werden." Der Titel würdigt aber auch die einstige Arbeit der Bergleute. "Ich habe großen Respekt davor, was sie unter den damaligen Bedingungen geleistet haben." Mit dem Welterbetitel sei es nun jedoch nicht getan. "Wir werden unsere Touristiker mit Sprachkursen und weiteren Schulungen fit machen." (rickh)


Der Museumsleiter

Hermann Meinel, Leiter des Museums Uranbergbau in Bad Schlema, sieht in der Verleihung des Welterbetitels auch eine Anerkennung der Dimension des Uranbergbaus. "Im Gegensatz zum Altbergbau wirkt er auch heute noch in den Menschen nach", sagt Meinel. "Noch immer sterben Menschen an den Folgen des Uranbergbaus, noch immer gibt es Familien, deren Wohlstand auf die Arbeit ihrer Väter und Großväter bei der Wismut zurückgeht. Das vermitteln wir in unserem Museum. Wir hatten schon immer ein internationales Publikum, das nun, mit dem Titel, bestimmt noch etwas breiter wird." (mu)

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