Im kältesten Theater Sachsens geht Licht doch nicht aus

Das Marionettentheater Dombrowsky verabschiedet sich aus Zschorlau. So hieß es in einer Ankündigung. Nun wurde aber doch eine nächste Spielzeit versprochen. Wie das?

Zschorlau.

Als sich am Mittwoch der Vorhang des Marionettentheaters in der Quarzhöhle St. Anna in Zschorlau schloss, hätte das eigentlich zum letzten Mal für Evelyn und Uwe Dombrowsky sein sollen. "Wir hatten tatsächlich für dieses Jahr den Abschied geplant", erklärt die Puppenspielerin. Doch dann habe man von der Interessengemeinschaft (IG) Historischer Bergbau in Zschorlau erfahren, dass die IG im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Aus diesem Grund hat sich das Ehepaar dazu entschlossen, noch eine Spielzeit weiter in St. Anna zu gastieren. Im nächsten Jahr wird aber mit Camillo, Casper & Co. aus Frankenberg eine neue Puppenbühne dazu kommen. Dahinter wiederum steht Uwe Dombrowskys Neffe Camillo Fischer, der auch perspektivisch die Aufführungen in Zschorlau weiterführen soll.

"Die körperlichen Anstrengungen, die jede Vorstellung mit sich bringt, sind für uns zwei einfach nicht mehr zu bewältigen", erklärt Dombrowsky, der 63 Jahre alt ist, seine Frau ist 62. So heißt es, zwei Stunden vor der 11-Uhr-Vorstellung Bühnenbilder, Marionetten und Tontechnik hinauf zum Troster Stolln zu tragen, wo sich die Quarzhöhle befindet. Dort herrschen konstant acht Grad, warme Kleidung braucht es im kältesten Theater Sachsens.

Ungeachtet aller Strapazen finden die Dombrowskys, dass sie mit Zschorlau und der Entscheidung, in der Quarzhöhle eine Spielstätte zu betreiben, stets gut gefahren sind. 1500 Besucher seien pro Spielzeit in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt gekommen. Dabei war es am Anfang nicht so leicht, bekannt zu werden. Dombrowskys haben die Urlaubsunterkünfte der Umgebung abgeklappert, haben ihre Handzettel in Kindergärten und Tourismusämtern hinterlegt. Dann habe sich die Besucherzahl stabilisiert, und die 47 Vorstellungen pro Spielzeit waren gut besucht. Überwiegend spielen sie Märchen, aber auch die Geschichten um Faust, Gräfin Cosel und Karl Stülpner fanden schon den Weg auf ihre Puppenbühne. Die Stücke orientieren sich stark an den Grimmschen Märchen, allerdings muss manches auch anders erzählt werden. So taucht Rumpelstilzchen in Dombrowskys Stück nur einmal bei der jungen Königin auf, die seinen Namen erraten soll, im Original kommt das Männlein dreimal.

Die Thüringer Marionettenspieler verfügen über ein Repertoire von 250 Stücken. Vieles haben sie von ihren Vorfahren übernommen. Begründet hat die Dynastie um 1900 Uwe Dombrowskys Urgroßvater. Das Besondere am Wandermarionettentheater ist, dass der Kasper im Stück mitspielt. Er sei der einzige, der sich ans Publikum wendet. Im Märchen "Rumpelstilzchen" führt er den Müller vor, der aufschneidet und nicht besonders helle ist. Uwe Dombrowsky gibt zu, gern "trottelige Typen" zu spielen. "Da kann man seinem Affen mal richtig Zucker geben", sagt er. Am Ende müsse er dann doch alles spielen: Liebhaber, Held oder den greisen Mann.

Ganz und gar werden Dombrowskys die Marionetten auch dann nicht wegpacken, wenn sie sich aus Zschorlau verabschiedet haben. In ihrem Heimatort Engertsdorf gibt es den Komödiantenhof mit der originalen Bühne der Familie Kressig-Dombrowsky. Dort wollen sie auch künftig Vorstellungen geben.

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