Initiative gegen Ärztemangel: Stadt will Stipendium spendieren

In der Region fehlen immer mehr Mediziner. Aue-Bad Schlema fühlt sich bei der Lösung des Problems zu wenig unterstützt - und will deshalb selbst handeln.

Aue/Schwarzenberg.

Niedergelassene Ärzte in der Region haben es schwer, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden, wenn sie in Ruhestand gehen wollen. Patienten warten lange auf einen Termin beim Facharzt. Eine seit Jahren festgefahrene Situation. Jetzt soll sich in Aue-Bad Schlema daran etwas ändern. Mit einem Stipendium sollen angehende Mediziner in die Stadt gelockt werden.

Hinter der Initiative stehen Heinrich Kohl, CDU-Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl in Aue-Bad Schlema, Marcel Koch, Geschäftsführer des Helios-Klinikums Aue, und der Aldu-Stadtrat Tobias Andrä. Die Idee: Medizinstudenten sollen ein monatliches Stipendium in Höhe von 500 Euro bekommen, wenn sie sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung als Arzt in Aue tätig zu werden. Zunächst sollen zwei Stipendien ausgeschrieben werden. Sollten sich die jungen Leute während der Ausbildung anders entscheiden, müssen sie das gezahlte Stipendium zurückzahlen.


Bei einer angenommenen Studienzeit von sechs Jahren ergibt sich pro Student eine Summe von 36.000 Euro. Diese müsste in den Haushalt der Stadt Aue-Bad Schlema für 2019 aufgenommen werden. Der Beschluss des Stadtrates dazu steht noch aus. Die Initiatoren wollen ihren Vorschlag noch vor der Sommerpause in den Stadtrat einbringen. "Auch wenn die Kassenärztliche Vereinigung für die Besetzung von Arztstellen zuständig ist, erwarten die Bürger von den Kommunalpolitikern, dass die sich des Problems Ärztemangel annehmen", erklärte Heinrich Kohl jetzt bei einem Pressegespräch, bei dem die Initiative vorgestellt wurde. Kohl bedauerte, dass in Sachsen die Entscheidung über eine "Landarztquote" in den Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU "hängen geblieben" sei. Anderswo, so in Nordrhein-Westfalen, sei sie beschlossene Sache.

Marcel Koch beschrieb die derzeitige Situation so: "Medizinstudenten ziehen es vor, in Metropolregionen zu gehen. Sie lassen sich lieber anstellen, statt sich niederzulassen. Für viele hat die Freizeit einen höheren Stellenwert, Vollzeitarbeit ist nicht mehr das Ideal." Ein finanzieller Kraftakt sei die Neugründung einer Praxis, wo manche Untersuchungsgeräte in der Anschaffung so teuer seien wie ein Kleinwagen.

Um junge Leute dennoch "aufs Land" zu holen, plädierte er dafür, das Erzgebirge als lebenswerte Region zu bewerben und ein vernetztes Gesundheitssystem zu schaffen. Gerade in Randgebieten sei es eine Herausforderung für Patienten, überhaupt zum Arzt zu kommen. Eine Lösung könnte laut Koch ein "mobiles Arztsystem" mit Stützpunkten in der Peripherie sein, wo der Mediziner nur stundenweise praktiziert.

Das Helios-Klinikum Aue bietet nach Ansicht von Heinrich Kohl eine "optimale Versorgung". Es ist akademisches Lehrkrankenhaus der TU Dresden und bietet zukünftigen Medizinern den Vorteil, dass im Haus bis auf die Herzchirurgie alle Fachdisziplinen vertreten sind. Das erleichtert die Wahl bei der Facharztausbildung. Helios in Aue vergibt bereits ein Stipendium für Medizinstudenten, 400 Euro monatlich.

Auch die Kliniken Erlabrunn zahlen Medizinstudenten ein monatliches Stipendium von 400 Euro. Hierfür können sich Medizinstudenten bewerben, die das erste Staatsexamen bestanden und mindestens ein Praktikum im Haus absolviert haben. Den finanziellen Anreiz gibt es seit neun Jahren. Astrid Apel, Sachgruppenleiterin Personalentwicklung, berichtet davon, dass seitdem sieben Stipendiaten ihr Facharztstudium in Erlabrunn absolviert haben. "Wir prüfen ganz genau, wer zu uns passt", sagt sie.

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