Jazzchor setzt in der "Sonne" auf starke Stimmen und Lichteffekte

"Chornfeld" aus Leipzig ist am Sonntag beim Publikum im Schneeberger Kulturzentrum sehr gut angekommen. Sogar bei ganz kleinen Zuhörern.

Schneeberg.

Nach einem Bob-Dylan-Song quiekte das Krabbelkind auf der Empore laut und freudig "Aah". Und die gut aufgelegte Kleine meldete sich noch mehrmals locker- flockig vom Arm ihrer Mutti und vom Spielplatz unterm Tisch. Die vielen anderem Besucher im Kulturzentrum "Goldne Sonne" hatten am Sonntag ebenfalls ihre Freude am eher ruhig-nachdenklichen Programm des Leipziger Jazzchores "Chornfeld".

Das Ensemble setzte auch auf Lichtstimmungen. Mit grünem Licht im Rücken begann das Programm, beim Song "Human" wurde braunes Licht zugeschaltet, zu den sich immer mehr verdichtenden Gesangsstimmen. Die Aufstellungen des Chores wechselten ebenfalls. Bei "Broken" sangen im Halbkreis acht helle Stimmen von Trennung, Liebe und grauer Stimmung.

Christoph Ulrich

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Chorleiterin Virginie Ongyerth leitete ihr Ensemble unaufgeregt präzise. Sie ist Gymnasiallehrerin, studierte Klavierpädagogik und Germanistik. Andere Chöre können nur davon träumen, acht Männer zur Verfügung zu haben. Die waren solider Bassgrund. Moderatorin Anne Altmeyer, singend in der Tonlage Alt, erklärte ein trauriges Lied, das von Daten und Überwachung handelt. Der Chor bot das Stück fast im Dunkeln dar - nur im Schein der Handy-Displays.

Die eigenwillig verfremdete Version des Volksliedes "In einem kühlen Grunde" kam solistisch aus dem Mund eines Popsängers mit Mikro. Der Chor hatte offensichtlich seine Freude an der Trauer des Werks, denn die Mädchen strahlten und lächelten, als sie den Text des unglücklich Verliebten sangen: "Ich möcht' am liebsten sterben, da wär's auf einmal still." Das Liebchen hat sich in diesem Lied nämlich auf und davon gemacht. Das fanden die Mädchen des Chores offensichtlich schadenfroh toll.

Das Niveau der Messestädter ist hoch. Einfach so kommt man nicht ins Ensemble, es gibt eine Aufnahmeprüfung. Denn Vergleiche mit den Thomanern und anderen klassischen Leipziger Chören bester Qualität, zum Beispiel aus der Oper und aus dem Gewandhaus, sind nicht zu vermeiden. Jazzen allein reicht da nicht, das können die anderen auch.

Den Jazzchor gibt es seit 1993. Die 35 Sangesfreudigen sind Mitglied des Sächsischen Chorverbandes und wollen ihrem Genre mehr Gehör verschaffen.

In der Wendezeit gab es in der "Goldnen Sonne" Jazzkonzerte. Das Publikumsinteresse war allerdings gering. Damals gastierte auch der bedeutende Free-Jazzer, Saxophonist, Improvisator und Komponist Hartmut Dorschner mit einem großartigen Konzert in Schneeberg vor wenigen Zuhörern. Das blieb den Leipzigern am Sonntag erspart. Die wissen, was ankommt. Das Kleinkind auf der Empore bestätigte es - ebenso der lautstarke Beifall.

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