Johanngeorgenstadt: Dieses Rathaus ist zum Schießen

Seit Jahren plant die Bergstadt ein modernes Bürger- und Dienstleistungszentrum, doch es kommt immer wieder etwas dazwischen. Nun macht die Malerin Iris Mende einen Vorschlag - aber der ist lachhaft.

Johanngeorgenstadt.

Das war eine schlechte Nachricht für die Stadtväter von Johann'stadt: Auch das Bundesbauministerium bewilligt ihnen keine Fördermittel für ein neues Rathaus. Die Umsetzung dieses Planes, der seit Jahren diskutiert wird, verschiebt sich einmal mehr auf unbestimmte Zeit. "Wir halten trotzdem an unserem Vorhaben fest und suchen nach Alternativen", sagte Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) letzte Woche im Stadtrat.

Das moderne Bürger- und Dienstleistungszentrum soll das marode Rathaus aus der Wismut-Ära ersetzen. Vor zwei Jahren hieß es, der Bau solle bis Ende 2017 fertig werden, doch auch das hat sich wegen fehlender Fördermittel zerschlagen.


Vielleicht können die Stadtväter ja wieder lachen, wenn sie sich die Idee von Iris Mende anschauen. Die Johanngeorgenstädter Malerin hat den Bauplan für ein etwas anderes Rathaus geschaffen. Ihr Vorschlag: Gestaltet unsere Erzgebirgsschanze zum Bürgerzentrum um! Der Betonriese steht seit Jahren ungenutzt im Lehmergrund und verfällt. Letzteres hat er also schon mal mit dem alten Rathaus gemeinsam.

"Nun kann unsere Stadt, die Stadt der Superlative und Rekorde, alles toppen, was landauf, landab an skurrilen und teuren Verwaltungsbauten existiert", sagt Mende schmunzelnd. "Wir bekommen nicht nur das höchste Rathaus Sachsens, sondern auch das sportlichste Rathaus Deutschlands!" Und sportlich geht es auf ihrem Aquarell fürwahr zu. Ins Bürgerbüro gelangt man nur über eine Art Himmelsleiter. Rollstuhlfahrer nehmen den alternativen Aufgang über den Schanzentisch. "In Johanngeorgenstadt gehen die Meinungen über die Notwendigkeit eines neuen Rathauses weit auseinander", erklärt die Künstlerin. "Als ich beim Skifahren an der alten Erzgebirgsschanze vorbeikam, hatte ich plötzlich diese Idee."

Ihr Bild ist Teil einer Serie zur Geschichte Johanngeorgenstadts, die vom Auszug der Exulanten aus der Bergstadt Platten bis in die Zukunft reicht. Die meisten dieser Aquarelle sind ernsthafter Natur, für das Rathaus bot sich aber ein Ausflug in die Satire an, meint Mende. "Vielleicht hat da auch Ralf Alex Fichtner auf mich abgefärbt, dessen Malkurs in der Volkshochschule ich besuche."

Der Schwarzenberger Maler und Karikaturist findet Mendes Bild gelungen. "Es ist schwarzhumorig, genau mein Ding", sagt er. "Die Details sind gut eingefangen, die Stimmung ist leicht surreal. Gut gemacht!"

Bürgermeister Hascheck nimmt es mit Humor. Der Vorschlag von Frau Mende könne leider nicht umgesetzt werden, teilte er mit. Ziel sei es doch, die Mittelstadt aufzuwerten, nicht den Lehmergrund. Außerdem wäre der Umbau der Schanze energetisch die denkbar schlechteste Variante: "Dort unten bleibt der Schnee immer am längsten liegen."

Vor allem die hohen Energiekosten im alten Rathaus waren es, die den Ausschlag für die Pläne von Abriss und Neubau gaben.

Der Unternehmer und Stadtrat Siegfried Ott hatte unlängst Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zu Gast. "Ich habe ihn gebeten, uns bei den Fördermitteln weiterzuhelfen", sagt Ott. Die Johannstädter geben so leicht nicht auf.

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