Junge Mutter dealt sogar noch auf der Babystation

Nachdem ihr Ehemann ins Gefängnis musste, übernahm die Auerin seine Geschäfte. Hochschwanger und den Wehen nahe, sorgte sie dafür, dass ihre Kunden zuverlässig mit Crystal versorgt wurden.

Aue.

"Guten Morgen", sagte Sandy R. (37), als sie gestern in Handschellen aus dem Haftkeller des Landgerichts Chemnitz in den Verhandlungssaal geführt wurde. Eine freundliche Frau mit Brille, sauber gekleidet, die Haare hochgesteckt, etwas korpulent. Vor fünf Monaten hat die gelernte Verkäuferin aus Aue ein Baby bekommen. Drei Tage später wurde sie verhaftet, denn Sandy R. war eine Drogenhändlerin.

Glaubt man ihren Aussagen vom ersten Verhandlungstag, währte ihre Karriere keine zwei Monate lang. Aber es war ein einträgliches Geschäft. Als die Polizei Mitte März zuschlug, fanden die Beamten in ihrer Wohnung 33.600 Euro aus Drogengeschäften. Der Großteil des Geldes war in einem Blumentopf versteckt. "Ich hatte Geschäftspartner in Chemnitz und Leipzig", sagte Sandy R. Der Raum Aue sei von einem anderen Dealer beliefert worden. Dieser Mann ist inzwischen ebenfalls verhaftet und angeklagt worden.

Früher hatte sich Sandy R. um die Kinder gekümmert, ihr Ehemann handelte mit Crystal Meth. Im November musste er deshalb ins Gefängnis. Ende Januar schickte er ihr Petr M. (35), einen Tschechen, mit dem er im Knast gesessen hatte. M. sollte Sandy R. helfen, die Drogengeschäfte ihres Ehemannes weiterzuführen. "Da drüben läuft alles auf Tschechisch", sagte die 37-Jährige. Da drüben - das war zunächst der Vietnamesenmarkt in Potucky.

Doch aller Anfang war schwer. Beim ersten Versuch in Potucky hatte Sandy R. 10.000 Euro in der Tasche. Dafür wollte sie ein knappes Pfund Meth kaufen. Aber der Händler war misstrauisch. Er hielt den hochgewachsenen Glatzkopf M. für einen verdeckten Ermittler. Später am Tag versuchte es Sandy M. noch einmal alleine. Jetzt verkaufte ihr der Vietnamese 135 Gramm. Mehr hatte er nicht auf Lager.

Danach stellte Petr M. Kontakt zu seinem alten Bekannten Micha in Teplice her. Einmal lieferte dieser 652 Gramm für 15.000 Euro, ein anderes Mal ein Pfund für 11.500 Euro. Große Mengen, große Summen. Dabei verdiente auch Petr M. nicht schlecht. Sandy R. zahlte 23 Euro für ein Gramm Meth, zwei Euro pro Gramm behielt ihr tschechischer Mittelsmann heimlich ein.

Die 37-Jährige zeigte sich als resolute Geschäftsfrau. Als eine Abnehmerin wieder einmal nicht komplett bezahlen wollte, stornierte sie das Geschäft per SMS: "Geht's noch? So läuft das nicht. Sorry, aber ich bezahle die Scheiße auch."

Ihr Chemnitzer Abnehmer hingegen erwies sich als zuverlässig. Er bestellte viel und zahlte ohne Murren. 40 Euro verlangte Sandy R. für ein Gramm Crystal. Die Zwischenhändler dürften für 50 bis 70 Euro weiterverkauft haben. Nach Schätzungen der Behörden hatten die von Sandy R. gehandelten Drogen einen Marktwert von 100.000 Euro.

Wer bei ihr anrief, wurde prompt bedient. Selbst als bei der Hochschwangeren die Wehen einsetzten, kümmerte sie sich noch um ihre Kunden. Sie nahm Crystal mit in die Chemnitzer Frauenklinik und übergab es dort ihrem Hauptabnehmer, der als Besucher getarnt vorbeikam. Einen anderen Deal fädelte sie telefonisch vom Krankenhausbett ein.

Was Sandy R. nicht ahnte: Seit Wochen wurde ihr Handy von der Polizei abgehört. Drei Tage nach der Entbindung war sie erneut auf Achse. Als sie sich am Sachsenring mit einem Kunden traf, klickten die Handschellen. Fünf bis sechs Jahre Haft drohen ihr nach einer ersten Schätzung des Gerichts. Der Prozess dauert wohl bis Mitte September.

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