Kartoffelsuppe am Jakobsweg

Etwa 40 Pilgerfreunde aus Mitteldeutschland haben in Bad Schlema das Jahr 2016 beendet. Ein informativer Häppchentermin.

Bad Schlema.

Ein Original-Pilgertopf aus Galicien, gefüllt mit Pilgersuppe, steht im Pfarrhaus der Martin-Luther-Kirche in Bad Schlema auf dem Tisch. Es ist Samstagmittag und 40 Pilgerfreunde aus ganz Mitteldeutschland - Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt - die am Jakobsweg Silberberg in Bad Schlema zum Abschluss des Pilgerjahres 2016 zusammengekommen sind, drängen sich um den Topf.

Der Koch, der viel Liebe und Zeit in die Suppe gesteckt hat, ist Gerd Lauckner vom Interessenkreis Jakobsweg Silberberg. Er schmunzelt: "Hauptarbeit war das Schälen und Schneiden der Zutaten. Gekocht hat die Suppe von allein." Für die Pilgersuppe gibt es kein festes Rezept. Der Bad Schlemaer erklärt: "Jede Suppe kann eine Pilgersuppe sein. Wenn Pilger in eine Herberge kommen, alle auf einmal etwas essen wollen, dann ist ein großer Topf Suppe günstig." Lauckner selbst ist Kartoffelsuppen-Fan und hat ein goldenes Händchen, diese zu kochen.

Der Geschmack hat die Pilgerfreunde überzeugt. Es ist nicht das erste Mal, dass Lauckner Pilgersuppe anrührt. Es sei Tradition bei den Pilgerwanderungen rund um den Jakobsweg Silberberg. Suppe ist in der Regel nichts, was den Magen lange füllt. Da widerspricht Lauckner: "Es kommt darauf an, was man reinschneidet", hält er dagegen.

Gerade Kartoffelsuppe sei recht nahrhaft. Es sind die Wärme und die Kohlenhydrate, die den Wanderern schnell wieder Kraft verleihen. Die Teilnehmer des Treffens haben die auch gebraucht, denn nach den Vorträgen und dem Mittagessen ging es auf Tour durch Bad Schlema.

Gerd Lauckner kommt durch das Pilgern sehr viel herum in der Welt. In Spanien kam ihm schon Ungewöhnliches, wie der galicische Eintopf, unter "Gekocht wird dieser in einem Topf mit Fleisch, Kartoffeln und Kohl. Doch danach wird das Ganze wieder auseinandergenommen. Zuerst wird das Fleisch serviert, dann die Kartoffeln, dann der Kohl und zum Schluss die Brühe", erzählt er. Das Ganze habe aber einen historischen Hintergrund, so Lauckner: "Im Mittelalter wurde Galicien von Mauren belagert. Wenn die Soldaten schnell etwas gegessen haben, bevor sie wieder zur Schlacht gerufen wurden, haben sie zuerst das Fleisch gegessen und dann nacheinander die anderen Zutaten."


Rezept für 30 Liter Pilger-Kartoffelsuppe

In der Suppe stecken neben 15 Kilogramm mehlig-kochender Kartoffeln auch ein großer Sellerie, ein Bund Möhren, drei bis vier große Zwiebeln und etwas Knoblauch. Hinzu kommen Fleischbrühe, Bockwurst, Liebstöckel und Petersilie. Die Menge der Zutaten vermag Gerd Lauckner nicht im Einzelnen zu benennen. Denn: Er wiegt nichts ab, sondern kocht nach Gefühl. Der Daumen sei das Maß. Die Suppe wird einen Tag zuvor gekocht, damit sie durchzieht. Vor dem Essen wird sie püriert und nochmals aufgekocht.

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