Kaufrausch am Telefonhörer bereitet Erzgebirgern Ärger

1080 Beratungsgespräche führten die Mitarbeiter- innen der Verbraucher- zentrale im vorigen Jahr in der Auer Filiale. Dabei zeigte sich immer wieder: Probleme beginnen oft mit einem Anruf.

Aue/Schwarzenberg.

Billig telefonieren, trotz ungünstiger Schufa-Einträge einen Kredit bekommen oder einfach was für die Gesundheit tun: Oft locken tolle Angebote Kunden in die Kostenfalle. Simone Woldt (53), Leiterin der Beratungsstelle Aue der Verbraucherzentrale Sachsen, zog gestern Bilanz und nannte die häufigsten Abzock-Maschen, gegen die die Verbraucherschützer im Vorjahr geholfen haben.

Plötzlich ohne Telefonempfang: Die Firma Primastrom hatte etlichen Kunden im Westerzgebirge vor Jahren günstige Telefonanschlüsse bei Vodafone vermittelt. Sie kosteten 9,95 Euro im Monat, telefoniert wurde via Funk. "Wahrscheinlich um neue Provisionen zu kassieren, überredete Primastrom seine Kunden, ihren Vertrag neu abzuschließen", berichtet Woldt. Die Anschlüsse kosteten hinterher noch immer 9,95 Euro, da Primastrom die Leute aber in ein Vertragsverhältnis mit dem Anbieter O2 gelockt hatte, dessen Netz bei weitem nicht so gut ausgebaut ist wie das von Vodafone, funktionierte bei vielen Verbrauchern plötzlich das Telefon nicht mehr. "Die Widerrufsfristen waren inzwischen zwar abgelaufen, aber wir konnten die meisten Betroffenen aus den Verträgen herausholen", sagt Simone Woldt.


Rente geht für Verträge drauf: Die Firma MGN aus Dresden fiel schon in der Vergangenheit mit aggressivem Telefonmarketing auf. Einem Rentner (85) aus dem Raum Aue hatte sie zwei Telefonanschlüsse, die Mitgliedschaft in zwei Rabattklubs, einen Stromliefervertrag und eine regelmäßige Lieferung Nahrungsergänzungsmittel aufgeschwatzt. "Dafür ging fast seine komplette Monatsrente drauf", berichtet Sabine Kraus (41), Juristin der Verbraucherzentrale. Eine andere Seniorin hatte neun Verträge geschlossen, darunter drei Lotto-Abonnements und drei Unfallversicherungen. "Wir haben widerrufen, was zu widerrufen war, haben Geld zurückgebucht, Verträge gekündigt", sagt Simone Woldt. "Wir können keine Garantie geben, dass die Verbraucher aus allem herauskommen, aber in den meisten Fällen waren wir erfolgreich." Nach einer Klage der Verbraucherzentrale untersagte das Oberlandesgericht Dresden der Firma, Verbraucher anzurufen, sofern diese einem Anruf nicht vorher zugestimmt haben.

Ärger mit der Sexhotline: Wöchentlich melden sich derzeit Verbraucher, die mit Geldforderungen von Sexhotlines aus Tschechien konfrontiert sind, die sie angeblich nie angerufen haben. 99 Euro werden mindestens verlangt. "In manchen Fällen hatte sich zuvor ein angeblicher Paketdienst gemeldet, der die Adresse abgleichen wollte, dann kamen die Inkassobriefe", sagt Woldt. Egal, ob man die Hotline angerufen hat oder nicht - da dort nicht auf den Preis hingewiesen wird, sind Forderungen unwirksam. Teure Kreditkarten: Auf der Suche nach einem schufafreien Kredit im Internet gerieten etliche Verbraucher an Kreditkarten, die ihnen gegen hohe Nachnahmegebühren zugesandt wurden. Die Annahme zu verweigern, reichte in diesen Fällen nicht. Der Anbieter pochte auf die Abnahme und Bezahlung der Karten, die den Leuten nicht einmal etwas nutzten: Es handelte sich um Prepaid-Kreditkarten, die man erst mit Geld aufladen muss, ehe man sie zum Bezahlen einsetzen kann. Kein Kredit also, nur teure Gebühren. "Wir fechten die Verträge an", sagt Simone Woldt. "Der Anbieter kann in der Regel nicht beweisen, dass die Leute die Karten bestellt haben."

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