"Kinderherzen" müssen immer noch mit Frühstück helfen

Rund drei Millionen Kinder in Deutschland leben laut aktuellen Zahlen des Kinderhilfswerks in Armut. Leere Brotdosen und kalte Füße findet man täglich auch in der Region.

Aue/Schwarzenberg.

Der Schultag für Max* beginnt schon sehr früh am Tag. Denn Max besucht eine Sonderschule, sein Schulweg ist lang. Doch seine Eltern stehen morgens nicht mit auf, um ihm Tee oder Kakao zu kochen. Max greift sich ein paar Chips, die noch vom Abend rumliegen, und der Taxifahrer, der den Jungen abholt, schickt ihn zurück, um Anorak und Mütze zu holen. Der Junge steigt ins Auto. Doch auch die Brotdose im Ranzen ist leer.

"Wie soll ein Kind mit leerem Magen lernen?", fragt Christine Matko, die Schirmherrin der Aktion Kinderherzen. Die Aktion entstand vor 15 Jahren. Damals nach sich Ursula Sumpf als ehrenamtliche Helferin der Schwarzenberger Tafel den Kindern in besonderer Weise an. Und das tut sie bis heute - gemeinsam mit Christine Matko und einem kleinen Team aus Helfern. Dass Kinder am Morgen von ihren Eltern ohne Essen aus dem Haus geschickt werden - für die Frauen ein Unding! "Wir wissen, es ist ein sehr schmaler Grat, den wir da gehen. Denn zum einen nehmen wir ja den Eltern die Verantwortung ab. Die lehnen sich noch mehr zurück. Aber andererseits sind wir genau dafür angetreten, Kindern in Not zu helfen", erklärt sie den Zwiespalt, in dem die Helfer bei diesem Problem stecken. Am Ende geht es ihnen immer um die Kinder. Und die haben keine Chance, ihre Eltern anzuweisen, oder zu zwingen ihren eigentlichen Pflichten als Eltern nachzukommen. "Finanziell können wir das weiter machen", hieß es am Mittwochabend. Gemeint war damit die Frühstücksversorgung in einigen Schulen und Kindereinrichtungen im Altkreis Aue-Schwarzenberg. Etwa 400 Euro kostet das pro Quartal. Davon werden Toastbrot, Marmelade, Tee und Obst gekauft.

Vor Ursula Sumpf liegt zudem die Liste mit den Plänen für Weihnachten. 350 bedürftige Kinder unterschiedlichsten Alters sind bereits gemeldet. "Wir haben die Zusagen, dass die Frauen aus Stützengrün, aus Grünhain, der Motorsportclub Grünhain und die Firma Turck in Beierfeld wieder Päckchen packen", berichtet Christine Matko. Das werden rund 130 Päckchen sein. An diesen hängt ein kleiner Zettel, auf dem steht, dass der Inhalt gedacht ist für einen Jungen oder ein Mädchen in einem bestimmten Alter. Damit die Kinderherzen-Mitstreiter richtig zuordnen können. Die restlichen Päckchen packen sie selbst. Dafür haben sie sich bislang auf 15 Euro pro Nase verständigt. "Kommen natürlich weitere große Spenden rein, können wir auch ein oder zwei Euro mehr ausgeben", sagt Matko, die die Finanzen im Griff hat. Kein Euro, den die vielen Sponsoren aus der Region an die Kinderherzen geben, wird für Verwaltungskram oder gar Benzin ausgegeben. "Das gibt es bei uns nicht", versichern sie.

Vieles haben sie in diesem Jahr bereits wieder bewegt: Fünf Kinderzimmer für jeweils zwei Kinder renoviert, ein Ferienlager und Familienurlaub organisiert, Mitgliedschaften in Vereinen ermöglicht und bis Oktober 123 Paar Schuhe gekauft. Auch Gerhard Böttcher, der pensionierter Postbeamte aus dem Rheinland, der seit 2010 im Erzgebirge lebt und seit Jahren für Kinder Schuhe bezahlt, habe wieder "Schuhgeld" in Höhe von 500 Euro zugesagt. "Gib einem Kind passende und warme Schuhe und es erobert die Welt", meint Schirmherrin Matko.

(*Name von der Red. geändert)

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3Kommentare
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  • 1
    0
    Interessierte
    04.11.2016

    Man kann aber nicht allen die Kinder wegnehmen , nur weil sie früh keinen Tee bekommen , da sollte man vielleicht mal mit den Eltern reden ; und wie alt ist denn der Max ?

  • 4
    0
    1953866
    04.11.2016

    Ein langer Artikel mit einem unglücklich gewähltem, oder falsch rüber gebrachtem Beispiel: "...seine Eltern stehen morgens nicht mit auf, um ihm Tee oder Kakao zu kochen."
    Das ist wohl eher ein Fall fürs Jugendamt.

  • 3
    1
    Interessierte
    04.11.2016

    Frau Merkel , haben Sie das schon einmal gehört ?
    In Deutschland leben 3.000.000 Kinder in Armut ...

    Und was meint denn die Kirche dazu , die so ausgiebig und für Millionen große Feste feiert - erst in Leipzig und jetzt in Thüringen ?



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