"Kleine Teufelsgeigerin" nimmt Abschied vom Auer Publikum

Das 9. Philharmonische Konzert dieser Saison hat am Sonnabend im Kulturhaus eine Frau und einen Mann in den Fokus gerückt: Geigerin Liv Migdal und Komponist Antonín Dvořák.

Aue.

Über ihn scheint es in aller Welt keine zwei Meinungen zu geben: Der Tscheche Antonín Dvořák (1841-1904) zählt zu den Besten seiner Epoche und darüber hinaus. Aber nur die letzten drei seiner neun Sinfonien zählen zum Weltrepertoire. Die Erzgebirgische Philharmonie hat am Sonnabend während des 9. Philharmonischen Konzert dieser Saison im Auer Kulturhaus einen Eindruck von Dvořáks kaum je gespielter Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 10 geliefert.

Die "Eroica"-Tonart Es-Dur signalisiert bereits den Gestus des Werkes. Die Erzgebirgische Philharmonie Aue überzeugte mit handfestem Spannungsaufbau des Beginns und wusste mit der Ausformung des wunderbaren hymnischen Hauptthemas sofort zu fesseln. Malerische Einfälle dieser jubilierenden Art findet man fast nur noch bei Mendelssohn. Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi und das Orchester formten den trauermarschartigen Mittelsatz der 3. Sinfonie rhythmisch und klanglich differenziert, brachten somit auch die bei Wagner geliehenen Bauteile des Werkes zu aufregender Wirkung. Zu vernehmen waren Anleihen bei "Lohengrin", "Tannhäuser", "Rheingold" und den "Meistersingern". Unbewusst professionell geklaut und kunstreich eingewoben also. Im Mittelsatz konnte man schon einen Blick in Dvořáks spätere bildkräftige sinfonischen Dichtungen wagen, für die er dann nichts mehr bei anderen entlieh.

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Neben dem tschechischen Komponisten stand die in Aue schon mehrfach gefeierte Virtuosin Liv Migdal im Mittelpunkt des Abends. "Meine kleine Teufelsgeigerin", nannte sie in seinem Einführungsvortrag im kleinen Saal des Kulturhauses scherzhaft Orchestermanager Michael Eccarius. Nicht nur ihre Virtuosität im eingängigen Finalsatz begeisterte. Die Poesie des langsamen Mittelsatzes wurde unter ihren Händen und dem leuchtkräftigen Instrument zur innig jubilierenden Szene. Der Beifall war begeistert. Liv Migdal verabschiedete sich mit einer Zugabe für Violine solo von Johann Sebastian Bach.

Die Karriere der Virtuosin führt steil nach oben: viele Preise, Auftritte bei renommierten Festivals, in Europa und in Australien. Die Elbphilharmonie ist ebenfalls im Programm. Darum wird sie für Aue kaum noch Zeit finden. Es war somit wohl das letztes Konzert der Geigerin im Kulturhaus auf lange Sicht. Liv Migdal setzt sich übrigens auch für Neues ein. Auf einer aktuellen CD findet sich ein Violinkonzert des israelischen Komponisten Paul Ben-Haim (1897-1884).

Begonnen hatte das 9. Philharmonische Konzert mit einem viel gespielten "Reißer": Dvořáks Konzert-Ouvertüre. "Karneval" op. 92. Damit hat ein Orchester immer Erfolg. Naoshi Takahasi und die Erzgebirgische Philharmonie setzten alles auf eine Karte, sprangen mit derart brachialem Schwung in die Musik, dass die Holzbläser Mühe hatten, dem draufgängerischem Tempo zu folgen. Die Szene beruhigte sich bald, und das lyrische Kolorit der Ouvertüre begann zu leuchten.

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