Kleine Tiefbaufirma arbeitet sich durch die Corona-Krise

Für uns da In der Branche von Rico Zeeh aus Bockau läuft es trotz aller Pandemie-Probleme ganz gut. Allerdings geht der Unternehmer davon aus, dass noch Spätfolgen auf alle zukommen.

Bockau.

Während sich der Berufsalltag in Zeiten von Corona für viele Menschen auch im Erzgebirge einschneidend geändert hat, ist in der Firma von Rico Zeeh aus Bockau alles normal weitergelaufen. Fast zumindest, wie der Chef eines Bagger- und Tiefbauunternehmens sagt. Homeoffice kommt in dieser Branche ja ohnehin kaum in Frage. "Und um Kurzarbeit sind wir herumgekommen."

Dennoch: Ganz spurlos gingen die Pandemie und ihre Folgen auch an dem fünfköpfigen Team des Betriebs nicht vorbei. Seit rund 20 Jahren ist Zeeh selbstständig. "So etwas habe ich noch nicht erlebt in all der Zeit", sagt er. Seine Leute haben den Mundschutz immer mit dabei. Bei Bauberatungen wird großzügig Abstand unter allen Beteiligten gehalten. Und der Treff an der Snack-Oase im Laborantendorf, an der die Mitarbeiter und der Chef oft ihre Pausen verbringen, fiel zwischenzeitlich aus. Zudem erfolgen die meisten Absprachen momentan via Handy oder E-Mail. "Ansonsten blieben wir unberührt von Corona."

Auch weil Zeeh vorausschauend geplant hat. "Ich habe keine großen Projekte angenommen", berichtet der Firmenchef. Denn hätte das Virus nur einen Mann oder gar mehr Leute aus dem Team erwischt, wäre von heute auf morgen Schluss gewesen. "Ich hätte alle in Kurzarbeit schicken müssen, und die Baustellen würden sich stauen." Letzteres befürchtet er auch aus einem anderen Grund. "Wer weiß schon, wann wieder alles an Material lieferbar ist?" So ruhen manche Vorhaben. "Es kommen zum Beispiel derzeit keine Frachter aus China. Daher ist es mit Außenanlagen schwierig, da wir dafür meist Granit von Zulieferern verwenden."

In der extremen Phase zog er sich mit seinem Team quasi in den Wald zurück. "Wir arbeiten viel für den Sachsenforst und die Gemeinde Bockau." Auch so konnte der direkte Kontakt zu Privatkunden minimiert werden. Diese aber drängen nun umso mehr, dass es weitergeht. Da ergibt sich das nächste Problem: Ausnahmeregelungen wie die zeitweise Herabsetzung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent bis Jahresende treiben Zeeh die Schweißperlen auf die Stirn. "Da ist bisher noch völlig unklar, wie das in der Praxis umgesetzt werden soll." Etwa mit Blick auf angefangene Baustellen und erstellte Angebote. "Ich fürchte, das wird ein einziges Durcheinander. Sich damit eingehend zu befassen, kostet richtig viel Zeit", so Zeeh, der aber auf gar keinen Fall jammern will.

"Andere Branchen, ich denke da an das Gastro- und Hotelgewerbe, traf es um ein Vielfaches härter", sagt er. Er sei nicht sicher, ob sich von diesem Schlag alle erholen. "Von einigen Seiten höre ich, dass Aufträge zurückgehen oder storniert werden, weil das Geld fehlt oder die Leute es lieber zusammenhalten - sowohl auf privater als auch auf öffentlicher Ebene." Es ist längst nicht ausgestanden, glaubt der Bockauer.

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