Kliniken überwachen Wassernetz digital

Eine wichtige Grundvoraussetzung für Krankenhäuser ist einwandfreies Trinkwasser. In Erlabrunn wurde jetzt in ein System aus der Schweiz investiert, das weltweit erstmals im Erzgebirge in Betrieb geht.

Erlabrunn.

Das markante Gebäude am Waldrand von Erlabrunn wurde 1950/51 als Wismut-Krankenhaus errichtet. Der Gebäudekomplex ist seither stetig gewachsen, wurde erweitert, mehrfach umgebaut und modernisiert. Früher gab es große Schlafsäle und zentrale Waschräume auf den Stationen. Mittlerweile hat jedes Patientenzimmer ein eigenes Bad. Heute beherbergt das Haus neun Kliniken, ein Medizinisches Versorgungszentrum und ein stationäres Hospiz. Und mit jeder Erweiterung und jedem Umbau wurde auch die Trinkwasserverteilung innerhalb des Hauses ausgebaut, angepasst und erweitert.

Das Gebäude wird durch ein gigantisches Leitungsnetz, bestehend aus zahlreichen Strängen und Verzweigungen, mit Trinkwasser versorgt. Die Berechnung der notwendigen Hydraulik für die konstante Versorgung im Objekt stellt daher eine große Herausforderung dar. Ab sofort kann Gregor Günther, der Technische Leiter des Klinikums, dieses komplizierte System per Computer und App steuern und überwachen. Denn heute sind die Kliniken Erlabrunn weltweit das erste Krankenhaus, dass mit dem Hycleen Automation System ausgerüstet ist. "Dieses System wurde von Georg Fischer aus der Schweiz entwickelt, und wir haben nun die von seiner Firma erst im Herbst 2017 auf den Markt gebrachte Weiterentwicklung eingebaut. Damit sind wir laut Fischer weltweit überhaupt die erste Klinik, in der dieses System zur Anwendung kommt", sagt Gregor Günther nicht ohne Stolz.

Die Klinik sei nicht nur Referenzobjekt des Schweizers, sondern selbst sehr zufrieden mit der Investition. Rund 60.000 Euro habe der Einbau des Steuerungssystem gekostet, das auf Empfehlung des Schwarzenberger Ingenieurbüros Berg angeschafft wurde. "Es ist eine Investition in Zukunft", sagt der Technik-Chef der Kliniken. Denn das System gewährleiste, dass in allen Bereichen des Rohrsystems stets hygienisch einwandfreies Wasser anliegt und das Rohrsystem selbst rein gehalten wird. Eine manuelle Einstellung an Ventilen und Sensoren entfalle. Über einen kleinen Rechner, Master genannt, werden die 72 Ventile des Trinkwassersystem im Haus gesteuert. Die in den Ventilen eingebauten Temperatursensoren liefern ständig die für die Steuerung notwendigen Messwerte. Diese permanente Temperaturüberwachung sei der wichtigste Indikator für die Sicherstellung der Trinkwassergüte, gerade mit Blick auf Legionellen. Das sind jene Bakterien, die in allen Trinkwasserinstallationen in Gebäuden zu Problemen führen können.

"Das Wasser muss in hoher Qualität bis an die letzte Abnahmestelle in dem weit verzweigten Gebäude. Das richtig zu berechnen und einzustellen, ist mit hohem Berechnungsaufwand verbunden", sagt Günther. Das übernimmt und garantiert fortan das neue System. Aber auch Fehler und Defekte ließen sich über die neue Anlage schneller finden. Und was, wenn der Strom mal ausfällt? "Dann fährt der Rechner alle Ventile in eine sichere Position", sagt Günther.

Durch den permanenten Abgleich in allen Strängen des Rohrleitungssystem wird eine konstant hohe Wasserzirkulationstemperatur von mehr als 55 Grad Celsius erreicht. "Richtwerte sind 60 Grad Vorlauftemperatur, 55 im Rücklauf." Dies optimiere zudem den Energiebedarf der Warmwasseraufbereitung. Das System überwacht die Grenztemperaturen und passt die Ventileinstellungen entsprechend an. Es spült auch die Leitungen automatisch. Eine thermische Desinfektion ist ebenfalls möglich. Das heißt: Einmal pro Nacht wird automatisch die Reinigung gestartet, dann geht die Wassertemperatur auf mehr als 75 Grad hoch. Durch Datenprotokolle aller Messwerte könne jederzeit problemlos der Nachweis erbracht werden, dass eine hygienisch einwandfreie Kalt- und Warmwasserversorgung im Gebäude erfolgt. "Das ist nicht nur total interessant, sondern für die Sicherheit der Patienten im Haus sehr wichtig", sagt Hygienefachkraft Gaby Ullmann.

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