Kommunen kämpfen um ihre Freibäder

13 Bürgermeister aus dem Westerzgebirge haben sich zu einer Strategiesitzung mit Landtagsabgeordneten getroffen. Das Thema: Woher kriegen wir Geld für unsere Bäder? Es gibt Ideen, aber keine Lösung.

Aue/Schwarzenberg.

Ein Förderverein, so hatten die Stützengrüner gehofft, könnte eine Lösung sein, irgendwie. Jahr für Jahr muss die Gemeinde 40.000 Euro in ihr Freibad stecken. Selbst in guten Sommern, wenn Eintrittsgelder sprudeln, fällt der Verlust nur unwesentlich geringer aus. "So viel Geld können wir auf Dauer schwerlich aufbringen", sagt Bürgermeister Volkmar Viehweg (parteilos/Mandat CDU).

Die im Vorjahr gebildete Interessenvereinigung Stützengrün hat ein Badfest und einen Badputz organisiert, zwei Aktionen, die gut ankamen, aber die finanziellen Nöte sind dadurch nicht geringer geworden. Die 40.000 Euro an jährlichen Aufwendungen gehen allein für Betriebskosten und Reparaturen drauf. Die nötige Sanierung des Stützengrüner Freibades würde sogar zwischen einer und fünf Millionen Euro verschlingen. "Mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, ist das nicht zu stemmen", sagt Viehweg.

Da viele seiner Amtskollegen ähnliche Probleme mit ihren Bädern haben, hatte er kürzlich ein Dutzend Bürgermeister zu einer Strategiesitzung eingeladen. Thema: Wie können wir unsere Freibäder retten? Dabei wurde klar: Beispiele wie das Freibad im Lößnitzer Ortsteil Affalter, in das die Stadt in den vergangenen zwölf Monaten rund eine Million Euro aus eigener Tasche investiert hat, bleiben die Ausnahme. In der Regel fehlt den Kommunen das Geld, um auch nur den aktuellen Zustand ihrer Freibäder zu sichern.

Daher wurde der Wunsch nach Hilfe durch das Land Sachsen laut. "Förderbedingungen müssen so aufgeweicht werden, dass Kommunen das Geld auch für Badreparaturen ausgeben können", fordert Volkmar Viehweg. "Es geht uns nicht um Luxussanierungen, sondern um die Erhaltung eines Stücks Lebensqualität für unsere Bürger." Die Landtagsabgeordneten Alexander Krauß (CDU) und Simone Lang (SPD) haben ihre Unterstützung zugesagt. "Da der aktuelle Doppelhaushalt des Freistaates feststeht, kann sich aber frühestens in zwei Jahren etwas ändern", sagt Krauß. Und: "Versprechen können wir nichts." Auch Lang sagt nur: "Wir sehen, was wir tun können."

Joachim Rudler (CDU), Bürgermeister von Grünhain-Beierfeld, erklärt etwas ketzerisch: "Nein, ich wünsche mir keine Förderung für Freibäder." Da ein solches Hilfsprogramm nur Kommunen mit Bädern nutzen würde, und alle anderen nichts davon hätten, könne daraus eine Neid-Diskussion entstehen, so Rudler. "Der Freistaat muss uns stattdessen genügend Geld für freiwillige Aufgaben in die Hände geben, über das wir frei verfügen können. Der eine steckt das dann ins Bad, der andere ins Museum, der dritte in seinen Aussichtsturm."

Frank Tröger (Freie Wähler), Bürgermeister von Raschau-Markersbach, hat vor zwei Wochen 150.000 Euro für das Freibad im Ortsteil Markersbach überwiesen bekommen. Das Geld, mit dem dringend nötige Reparaturen bezahlt werden sollen, stammt aus einem Investitions-Programm des Freistaates. Trotzdem wird er in den nächsten Jahren weiteren Finanzbedarf haben, sagt er: "Der Freistaat muss die Kommunen besser mit Geld zur Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben ausstatten, dann bleibt auch für solche freiwilligen Aufgaben etwas übrig." Es ist eine Variante von Rudlers Forderung.

Für das Freibad in Stützengrün kommen solche Lösungen freilich zu spät. Da Geld, wenn überhaupt, nicht vor 2019 fließt, will die Gemeinde die Anlage zur einer Badestelle herabstufen. "Dann haben wir keine großen Kosten mehr und jeder kann kommen und baden, wie er will", sagt Bürgermeister Viehweg.

An dem Treffen nahmen auch Vertreter aus Lößnitz, Breitenbrunn, Bockau Lauter-Bernsbach, Schneeberg, Johanngeorgenstadt, Steinberg, Lengenfeld, Hartmannsdorf und Hartenstein teil.

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