Kuddelmuddel um das Projekt Silberberg

In Schneeberg sammelt ein Bürger Stimmen gegen die Einheitsstadt. In Aue und Schlema laufen Gespräche über eine Fusion zu zweit. Drei Szenarien, wie es weiter gehen könnte.

Aue/Schneeberg.

Das Chaos um die Einheitsstadt Silberberg scheint perfekt - wieder einmal. Erst stritt man in den vergangenen Monaten um eine Werbekampagne und einen möglichen Namen für die Metropole. Und nun, rund ein Jahr vor dem geplanten Volksentscheid über die Städte-Ehe, verhandeln mit Aue und Bad Schlema plötzlich zwei der vier Kommunen über eine kleine Fusion. Zeitgleich sammelt ein Bürger in Schneeberg Unterschriften, um das Projekt mit einem Begehren zu stoppen. Wie geht es weiter?

Szenario 1: Schneeberg steigt nach einem erfolgreichen Volksbegehren aus. Lößnitz folgt. Der Schneeberger Peter Schöffler will die Einheitsstadt stoppen. "Weil sie nur Nachteile bringt", wie er sagt. Nach langem Zögern hat der Ex-Stadtrat dafür ein Begehren angestoßen, das für die Eigenständigkeit wirbt. Seit Samstag hätten bereits 400 Schneeberger unterschrieben; 1200 Stimmen braucht er.

Sollten die nötigen Unterschriften zusammen kommen, wäre der Stadtrat gezwungen, so seine Hoffnung, aus dem Projekt auszusteigen. In der Folge könnte sich auch Lößnitz verabschieden. Bürgermeister Alexander Troll hatte wiederholt Skepsis geäußert und für ein Bündnis statt einer Fusion geworben. Silberberg wäre damit gescheitert.

Szenario 2: Das Begehren platzt. Weil Aue und Bad Schlema über eine Fusion verhandeln, fühlen sich Lößnitz sowie Schneeberg ausgegrenzt und steigen aus. Dass Schöfflers Volksbegehren gelingt, ist alles andere als sicher. Wie Schneebergs Stadtchef Ingo Seifert sagt, gebe es rechtliche Bedenken. "Nach der Gemeindeordnung hätte er uns sein Begehren schriftlich anzeigen müssen. Das ist meines Wissens nicht passiert."

Platzt das Bürgerbegehren, steht Silberberg dennoch auf der Kippe. Der Grund: Nach dem Aue und Bad Schlema beschlossen haben, Verhandlungen über eine Zusammenführung ihrer Kommunen zum 1. Januar 2018 zu führen, könnten sich Lößnitz und Schneeberg vergrätzt fühlen. Auf der gestrigen Sitzung des Bad Schlemaer Gemeinderats - wo die Räte der kleinen Fusion mehrheitlich zustimmten - wurde diese Sorge auch geäußert. Bürgermeister Seifert sagt dazu: "Aus meiner Sicht wird da Druck aufgebaut." Druck, der beide Kommunen womöglich zum Ausstieg bewegt.

Szenario 3: Die Zweier-Fusion beflügelt das Projekt. Silberberg nimmt 2017 alle Hürden. Möglich wäre auch ein andere Ausgang: Der Druck aus Aue und Bad Schlema zeigt Wirkung. Schneeberg und Lößnitz geben sich plötzlich als Silberberg-Unterstützer; der Volksentscheid im Herbst 2017 gelingt. So wünscht es sich der Bad Schlemaer Bürgermeister Jens Müller: "Es geht nach wie vor darum, zu viert zusammenzukommen", sagt er. Die Zweier-Fusion sei nur als Schrittmacher gedacht, "um die anderen Kommunen, die vorsichtig gesagt, skeptisch sind, zu überzeugen."

Der Beirat der Einheitsstadt Silberberg tagt heute, 19 Uhr, in der "Goldnen Sonne" in Schneeberg. Thema ist auch der Vertragsentwurf. Die Sitzung ist öffentlich.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...