Kunst- und Kreativtag blickt über traditionellen Tellerrand hinaus

Hunderte Besucher sind am Sonntag nach Zwönitz in den Saal der Agrargenossenschaft gepilgert. Im Mittelpunkt standen alte und seltene Handwerks- und Handarbeitstechniken.

Zwönitz.

Der Stand von Kurt Wolf ist immer dicht umringt gewesen. Der Hobby-Zinngießer gehört zu den Stammgästen des Zwönitzer Kunst- und Kreativmarkts, und nicht nur Kinder sind immer wieder begeistert, wenn der Chemnitzer aus dem im Schmelztiegel auf mehr als 300 Grad Celsius erhitzten, flüssigen Zinn kleine Elefanten gießt. "Normalerweise dürfen Besucher das auch selbst probieren, aber dafür ist es heute einfach zu eng", sagte Wolf als einer von insgesamt 26 Ausstellern, die am Sonntag im Saal der Zwönitzer Agrargenossenschaft Einblicke in die Vielfalt alter Handwerkstechniken boten.

Immer mit dabei sind die Klöpplerinnen und Schnitzer des Erzgebirgszweigvereins Zwönitz. "Diese Öffentlichkeit ist für uns wichtig. Wir können zeigen, was mit Kreativität machbar ist, und wir wollen natürlich auch neue Leute für uns gewinnen." Klöpplerin Irmgard Schindler sagt das nicht nur mit Blick auf Kinder und Jugendliche. "Um Klöppeln zu lernen, ist man nie zu alt. Man kann das auch noch lernen, wenn man in den Ruhestand geht. Man braucht nur Geduld und Ruhe", so Schindler.

Diese beiden Eigenschaften sind auch für Bettina Levin unverzichtbar. Die Zahnärztin aus Sehmatal widmet sich seit elf Jahren der Perltaschen- und Gorlnäherei, und sie war zum ersten Mal in Zwönitz dabei. Während sie mit Hilfe einer Fädelschale die rund 1,3Millimeter großen Perlen auffädelte, erklärte sie ihr Anliegen: "Mich interessiert vor allem die historische Seite dieses Handwerks. Ich möchte, dass diese alten Techniken erhalten werden."

Auf dem Zwönitzer Kunst- und Kreativmarkt waren einmal mehr eine große Bandbreite von Keramik und Holzkunst, aber auch Techniken wie Filzen und Nähen zu sehen. Für Organisatorin Karin Wachsmuth ist das eine bewusste Neuausrichtung: "Wir wollen nicht mehr nur traditionelle Volkskunst zeigen, sondern möglichst viele Handarbeitstechniken aufgreifen." Das war einer der Gründe, warum der einstige Volkskunsttag 2016 in Kunst- und Kreativtag umbenannt wurde.

Doris Kellner aus dem vogtländischen Ellefeld freute sich, dass sie zum ersten Mal ihre Filzarbeiten in Zwönitz zeigen konnte: "Diese Art der Veranstaltung mit geselligem Beisammensein und Musik ist etwas Besonderes und sehr schön."

Auf der Bühne spielten die Erzgebirgischen Blasmusikanten Zwönitz/Affalter und die Erzgebirgsgruppe Dorfchemnitz. An den Tischen davor konnten es sich die Besucher bei Kaffee und Kuchen gut gehen lassen. Und auch an die Kinder war gedacht, denn im Obergeschoss hatten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kulturkreises Stollberg und Umgebung eine Kreativstrecke aufgebaut, an der Körbe geflochten, Fliesen gestaltet und gemalt werden konnte. Heike Schulz: "Wir sind jedes Jahr hier, das ist für uns ein fester Termin. Durch unser Angebot können die Erwachsenen bummeln gehen, und die Kinder sind derweil beschäftigt. Gerade beim Flechten machen allerdings auch viele Muttis gern mit."

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