Lässt sich der Wolf bald dauerhaft im Erzgebirge nieder?

Mehr als ein Jahrhundert gab es in Deutschland keine Wölfe. Doch seit einigen Jahren fühlen sie sich in Sachsen wieder wohl. Das beobachten einige Menschen auch in der Region kritisch.

Dörfel/Annaberg.

Dass auch das Erzgebirge eine Wolfsbeauftragte hat, wissen bisher wohl nur die wenigsten. Doch seit 2009 hat Viola König diese Funktion inne, auch wenn sich in der Region noch kein Wolf oder Wolfsrudel nachweislich niedergelassen hat. Nichtsdestotrotz gibt es Beweise dafür, dass Wölfe hin und wieder durchaus durchs Erzgebirge streifen. So wurde Anfang Juni 2017 beispielsweise ein Wolf von einer Fotofalle bei Tellerhäuser aufgenommen. Auch bei Neudorf, Bärenstein und Schönheide habe es Nachweise gegeben. Ausgeschlossen sei es aber nicht, dass es vielleicht irgendwann auch mal Wölfe in der Region geben könnte.

So oder so beschäftigt das Thema Wolf aber auch hier die Menschen. Nutztierhalter machen sich Sorgen, wie sie beispielsweise ihre Schafe schützen können. Aus diesem Grund stieß ein Vortrag, den die Wolfsbeauftragte kürzlich im Naturschutzzentrum in Dörfel gehalten hat, auf sehr großes Interesse. Dabei versuchte Viola König vor allem, Ängste zu nehmen. Sie warb um Verständnis. Mehr als ein Jahrhundert war der Wolf verschwunden. Nun kehre er langsam zurück. Im Jahr 2000 hatte sich das erste Rudel in Sachsen gegründet. Aktuell - im Monitoringjahr 2017/2018 - wurden im Freistaat 18 Rudel und 4 Paare nachgewiesen. "Ich denke, wir brauchen 50 Jahre, bis wir gelernt haben, wieder mit ihm zu leben", sagt Viola König. Für den Menschen bestehe aber keine direkte Gefahr. "Wölfe gehen den Menschen in der Regel aus dem Weg." Allerdings seien Begegnungen möglich, wenn auch selten. Doch was tun, wenn ein Wolf plötzlich beim Waldspaziergang vor einem steht? Grundsätzlich sollte man sich erst einmal ruhig verhalten. Wird der Mensch vom Wolf bemerkt, zieht er sich meistens von selbst zurück. Tut er dies nicht, kann man mit lautem Klatschen nachhelfen. Auch sich groß machen oder einen Schritt auf das Tier zugehen, kann helfen.

Im Anschluss des Vortrages wurde intensiv diskutiert. Dabei kam das Gespräch immer wieder auf die Jagd. So wurde beispielsweise kritisiert, dass in hiesigen Wäldern Rotwild zu stark bejagt werde, den Wölfen damit die Nahrungsgrundlage genommen werde und sie kaum eine andere Wahl hätten, als Jagd auf Nutztiere zu machen.

Auch wurden Bedenken laut, dass es für Jagdpächter künftig unattraktiver werden könnte, auf die Jagd zu gehen, wenn der Wolf im Revier ist. Schließlich bleibe weniger für den Jäger übrig. Dem hielt die Wolfsbeauftragte entgegen, dass diese Reviere oft über einen höheren Wildbestand verfügen, weil sich das Wild auf die Anwesenheit von Wölfen einstellt. Zudem jagen Wölfe selektiv, was sich positiv auf den Gesundheitszustand der Wildpopulation auswirken kann.

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