Landwirte in Langenberg nehmen Fahrsiloanlage in Betrieb

Die neuen Eigentümer der Erzgebirgischen Landfarm haben über den Sommer nicht nur eine zufriedenstellende Ernte eingefahren, sondern auch kräftig investiert. Das Füttern der Tiere erfolgt nun nahezu geräuschlos.

Langenberg.

Die sechs markanten Hochsilos auf dem Gelände der Erzgebirgischen Landfarm (Elaf) in Langenberg sind beinahe so etwas wie das Wahrzeichen des Ortsteils. In den zurückliegenden Wochen wurden sie nun allerdings letztmalig befüllt. Noch einmal gärt Silage in den Hochbehältern, doch bis zum Sommer 2020 wird auch diese verbraucht sein. Dann werden die stählernen Türme nicht mehr benötigt, denn zu Wochenbeginn haben die Landwirte in Langenberg ihr neues Fahrsilo in Betrieb genommen.

"Diese neue Fahrsiloanlage erleichtert uns die Arbeit, speziell den Transport, enorm", sagt Silvio Liebold, der den landwirtschaftlichen Betrieb seit Jahresbeginn leitet. Er ist einer von vier einheimischen Gesellschaftern, die das Unternehmen heute führen. Das in 35 Wochen errichtete Durchfahrtssilo sei ein sogenannter Sanierungsbau, denn man habe eine alte, zuvor schon versiegelte Fläche auf dem Gelände dafür genutzt. Der Bauplan war straff getaktet. Entstanden sind in Regie der Firma Claus-Bau aus Zwönitz vier extrem große, asphaltierte Kammern, von denen zwei jeweils 4000 Tonnen Grünschnitt fassen, die beiden anderen jeweils 2000 Tonnen. Die Dimension wird erst fasslich, wenn man direkt davorsteht und die großen Traktoren wie Spielzeugautos auf dem zu verpressenden Grünschnitt fahren sieht. Der Grünschnitt wird auf gepachteten, umliegenden Flächen in der Region geerntet, abgekippt und durch Walzen verdichtet. Ist die Kammer gefüllt, wird die Masse mit Siloplanen abgedeckt. Gut eine Million Euro wurde in die Anlage investiert.


Doch das ist nicht die einzige Neuerung. Eine wesentliche Erleichterung sei die neue computergestützte Steuerungsanlage für die Fütterung der 400 Milchkühe, erklärt der Betriebsleiter. Und er zeigt das alte Schaltpult, das den gesamten Raum einnimmt und mehr als nur den Charme längst vergangener LPG-Zeiten versprüht. "Es ist ein Wunder, dass das Ding überhaupt solange durchgehalten hat", fügt er hinzu. Dennoch: So robust und veraltet diese Technik manchem heute auch erscheint, sie habe funktioniert, wenn auch lautstark, heißt es. Nun also läuft die Steuerung der Fütterung fast lautlos und kann portionsgerecht getaktet werden. "Wir sind aber froh, eine Firma gefunden zu haben, der es gelungen ist, die neue Steuertechnik in die bestehende Fütterungsanlage einzubauen", betont Liebold.

Was die Ernte 2019 betrifft, so spricht der Betriebsleiter von guten, durchschnittlichen Erträgen, was Getreide und Rapsernte angeht. Bei der Grünlandernte seien der erste und zweite Schnitt gut gewesen, der dritte eher mittelmäßig. "Der Juni war schwierig, der war echt zu trocken", so Liebold. Dennoch sei die Winterfütterung der Tiere gesichert.

Der vergangene Sommer und die Ernteerträge sind nicht gut, aber immerhin etwas besser als 2018 gewesen, heißt es rückblickend. "Wir mussten den Tierbestand nicht reduzieren, aber wir haben in den Futterrationen etwas umgestellt, was aber nicht dazu geführt hat, dass die Kühe an Leistung verloren haben", erklärt er. Durch Futtermittelzukäufe von Stroh und Maissilage konnte das kompensiert werden.

Die 400 Milchkühe bringen heute eine durchschnittliche Tagesleistung von 29 Kilogramm pro Tier. Das ergebe pro Tag gut 11.500 Kilogramm Milch, die in Langenberg produziert werden. Die Jahresproduktion liege bei gut 4,2 Millionen Kilogramm Milch. Es sei üblich, dass in Deutschland die Milch in Kilogramm berechnet und gehandelt wird, erklärt Liebold. Wobei ein Liter Milch in Wirklichkeit 1,025 Kilogramm wiegt. Der Verkaufspreis pro Liter beträgt aktuell noch immer 29,7 Cent. "Wir Landwirte bräuchten allerdings 35 bis 36 Cent pro Kilogramm, um effektiv arbeiten zu können", so Liebold.

Die getätigten Investitionen, so berichtet Liebold, hätten der der 25-köpfigen Mannschaft einen Motivationsschub gegeben. Ab 2020 werde auch wieder ausgebildet. Ein Lehrvertrag sei schon fest. Und die alten Silos? Werden sie aus dem Ortsbild verschwinden? "Nicht so schnell", sagt Liebold sicher mit Blick auf die Abrisskosten.

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