Liebe zum Holz reift manchmal erst spät

Der Kreativurlaub in Schloss Schwarzenberg erlebt in dieser Woche eine weitere Auflage - mit Neulingen und mit Wiederholungstätern. Es wurde eifrig geklöppelt und geschnitzt.

Schwarzenberg.

Selbstverwirklichung statt Alltagsstress: Diesen verlockenden Tausch hat dieser Tage auch ein Mutter-Tochter-Gespann im Schloss Schwarzenberg vollzogen. In den Räumen der Volkskunstschule des Erzgebirgskreises läuft seit Montag und noch bis zum heutigen Freitag wieder ein Kreativurlaub. Mittendrin: Josephin und ihre Mutter Anne-Katrin Steinau aus Bitterfeld-Wolfen. Die beiden ließen die Klöppel fliegen - die Tochter sogar erstmals.

"Es hat sich ergeben, dass ich mal Zeit hatte", sagt Josephin Steinau, deren Mama in Schwarzenberg Dauergast ist. "Ich bin das elfte Mal da, nachdem ich diesen Urlaub einst geschenkt bekam." Das Klöppeln hatte sie sich zuvor zu Hause selbst beigebracht. "Hier in Schwarzenberg lerne ich stets etwas Neues." Dabei gehört Anne-Katrin Steinau zu den geübten Teilnehmerinnen. Im Zuge des Mottos "Eine Reise um die Welt" entschied sie sich für den schwersten Trip nach Fäden: für Italien und die Mailänder Spitze als sehr anspruchsvolle Technik. "Die Betreuung ist super. Deshalb komme ich auch immer wieder", sagt sie. Und ihre Tochter? "Es ist eine schöne Handarbeit, gerade wenn man individuelle Geschenke sucht. Da lässt sich viel machen." Insofern schließt sie nicht aus, dass sie - bildlich gesprochen - am Klöppel bleibt. "Zur Not habe ich ja in meiner Mutti eine gute Lehrerin", sagt die junge Frau.


Mandy Lange und ihre Kolleginnen hören das gern. Denn sie wollen für die traditionelle Handarbeit begeistern. Vier Klöppellehrerinnen stehen die Woche über im Schwarzenberger Schloss den 22 Frauen aus ganz Deutschland mit Rat und Tat zur Seite. Etwa die Hälfte der Kreativurlauberinnen seien Neulinge. "Fünf blutige Anfängerinnen haben noch nie geklöppelt. Sie lernen bei uns die Grundlagen." Ansonsten sei bei der Technik die Wahl ausgeglichen ausgefallen - im Angebot waren neben Italien noch Frankreich mit Touchon, Deutschland mit der Schneeberger Spitze und Russland mit einer Art Bänderspitze. Die mit knapp 80 Jahren älteste Teilnehmerin reiste aus Dresden an. "Die weiteste Strecke nahm eine Hamburgerin auf sich", berichtet Mandy Lange.

Ähnlich eng ging es im Schlossturm von Schwarzenberg bei den Schnitzern um Hartmut Rademann und Michael Rössel-Rothe zu. Elf Frauen und Männer, darunter Reinhard Hoyer aus Leipzig, schwangen die scharfen Messer. Zu Berufszeiten waren Stahl und Beton Hoyers Metier. "Im Ruhestand entdeckte ich das Holz für mich, nachdem ich im Jahr 2006 in Südtirol einen Schnupperkurs mitgemacht hatte, weil ich keine Lust mehr aufs Wandern hatte", berichtet schmunzelnd der Senior aus der Messestadt, der sich an einen stattlichen Bergmann wagte. Ganz fertig werde der innerhalb einer Woche freilich nicht. "Aber ich komme voran. Und vor allem bekomme ich hier ganz tolles Holz", verrät er. Das sei in Leipzig nicht so einfach. Bei freier Themenwahl durften sich alle entfalten - ob Re-lief, Wolf, Baum oder Porträt. Reinhard Hoyer macht in Sachen Kreativurlaub in Schwarzenberg das Dutzend voll. "Und wenn es klappt, komme ich auf jeden Fall wieder."

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