Linke fordern blühende Landschaften in Lößnitz

Die Linksfraktion möchte, dass die Stadt mehr für Insekten tut. Ihr Antrag wurde im Stadtrat angenommen. Zuvor aber gab es eine Standpauke vom Bürgermeister.

Eine Biene im Anflug auf eine Sonnenblume.

Für Sie berichtet: Mario Ulbrich

Der Antrag schien ein Selbstläufer zu sein, denn wer könnte etwas dagegen haben, dass Bienen und andere Insekten künftig mehr Nahrung finden als sie es derzeit vielleicht tun? Die Fraktion der Linken im Lößnitzer Stadtrat legte diese Woche Vorschläge vor, mit denen dieses Ziel in der Muhme erreicht werden soll. So soll die Stadt Blühflächen an Straßenrändern und Straßenbanketten anlegen, desgleichen in Ortseingangsbereichen, auf ungenutzten Grünflächen und in Teilen des Stadtparks, der derzeit ohnehin umgestaltet wird. "Insektenschutz ist von Bedeutung", sagte Linken-Stadträtin Sandy Geisler-Hähnel. "Nicht umsonst heißt es, wenn die Bienen sterben, stirbt der Mensch."

Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ihr der Blütenstaub plötzlich kräftig ins Gesicht wehen würde. Was die Antragsteller über den in Lößnitz praktizierten Insektenschutz wüssten, wollte Bürgermeister Alexander Troll (CDU) wissen. Das brachte die Linksfraktion ins Schwimmen - und Troll in Fahrt.

Die jetzt vorgeschlagenen Blühflächen nähmen sich wie ein Placebo neben dem aus, was in Lößnitz schon getan werde, sagte der Stadtchef. "Was wir seit Jahren tun, wird einfach nicht wahrgenommen."

Lößnitz habe 30,5 Quadratkilometer Fläche. Ein Viertel davon sei Wald, der vom Sachsenforst oder der Kirchlichen Waldgemeinschaft bewirtschaftet werde. "Der Sachsenforst pflanzt genau die Baumarten, die wichtig für Insekten sind", sagte Troll. "Auch im Kirchenwald wird viel für Insekten getan, unterstützt von der Stadt Lößnitz." Die Agrargenossenschaft Lößnitz-Stollberg habe 22 Hektar Blühstreifen speziell für Bienen angelegt. In Zusammenarbeit mit dem Nabu sei rund um die Naturherberge Affalter viel entstanden, das Bienen begünstige, etwa die Aufzucht alter Obstbaumsorten.

"Unser Antrag ist berechtigt, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist", entgegnete Sandy Geisler-Hähnel trotzig. Die anderen Fraktionen waren geteilter Meinung. "Ich war erschrocken, als ich den Beschlussvorschlag gelesen habe, weil er sich so liest, als werde nichts gemacht", sagte Kurt Günther (CDU). "Straßenränder und Bankette besäen - was für ein Blödsinn! Ich würde nichts essen wollen, das vom Straßenrand kommt."

Er würde nur dann einen Antrag stellen, wenn er irgendwo ein totales Defizit erkennen würde, erklärte Michael Andrä (CDU). "Warum muss ich mich jetzt damit auseinandersetzen, wo ich doch weiß, dass eine Menge gemacht wird? Wir haben doch andere Probleme."

Klaus-Dieter Kalauch (Förderverein Affalter) bestätigte, dass es in Lößnitz eine ganze Reihe von Bereichen gebe, wo das, was im Antrag der Linken vorgeschlagen werde, schon zu sehen sei. Trotzdem nannte er den Antrag positiv.

Andreas Voß (SPD) sagte: "Das Insektensterben ist real. Wir haben durchaus Luft nach oben. Der Antrag ist für mich eine Ergänzung zu dem, was Lößnitz schon macht."

Am Ende stimmten fast alle Stadräte zu. Nur aus der CDU-Fraktion gab es zwei Enthaltungen. Neben neuen Blühflächen an Straßenrändern sollen Wiesen auch seltener gemäht werden und Totholz öfter an Ort und Stelle liegenblieben, um Insekten mehr Nistmöglichkeiten zu bieten. Allerdings darf das alles keine Zusatzkosten verursachen.

Bürgermeister Troll betonte, er habe nichts gegen den Antrag der Linken. Es ärgere ihn jedoch, wenn nicht zur Kenntnis genommen werde, was in Lößnitz geleistet wird. "Deshalb werde ich in Zukunft häufiger darauf verweisen", sagte er.

Ein Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft Imkerei und Landwirtschaft hatte Troll während einer Veranstaltung vor einigen Wochen aufgefordert: "Seien Sie der Initiator, aus Ihrem Grünflächenamt ein Blüh- flächenamt zu machen. Mähen ist nicht nötig, lassen Sie die Natur einfach blühen." Der Landwirt fing sich für diese Worte keinen Rüffel ein.

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