Lobeck: Es gab eine berechtigte Angst

Mauerfall 89: 30 Jahre danach laden Protagonisten der Wendezeit aus Schwarzenberg zu einem Rückblick ein. Das Interesse daran scheint verblasst, nicht so die Erinnerungen.

Schwarzenberg.

Auf den Fensterbrettern vom Bürgerbüro der Grünen am Markt in Schwarzenberg leuchten viele Teelichter. Sie erinnern symbolträchtig an die Kerzen, die die unzähligen Menschen in Händen hielten - bei den Demos im "heißen Herbst" des Jahres 1989.

Drei Jahrzehnte danach waren es am Donnerstagabend nur noch 30 Gäste, die der Einladung der Bündnisgrünen zu einer Gesprächsrunde gefolgt waren, zu der die Ereignisse der Wende in Schwarzenberg reflektiert werden sollten. Und die Mehrheit derer, die kamen, standen schon damals mit der ersten Reihe, gehörten dazu, wollten etwas bewegen. Wie beispielsweise Lenore und Werner Lobeck, die zu den Mitbegründern des Neuen Forums zählen, oder Dietmar Leiter aus Beierfeld, der kurz zuvor in die SDP (gegründet noch in der DDR) eingetreten war.

Großformatige Fotos von den Demonstrationen in Schwarzenberg und von den Transparenten, die Menschen hoch hielten, stimmten die Gäste aufs Thema ein. Bilder von einer Zeit, die heikel war. "Es gab eine berechtigte Angst", betonte Werner Lobeck. Denn keiner konnte wissen, wie die Staatsmacht reagierte oder "ob nicht irgendeiner durchdreht", wie Lobeck sagt. Sachlich und detailreich schilderte er die Geschehnisse von damals. Sprach vom Wandel der Inhalte auf den Plakaten, wusste von der Entwaffnung und der Auflösung der Kampfgruppen in den Betrieben zu berichten oder davon, dass sogar der Stadtfunk die Technik stellte, damit die Redner der Kundgebungen überall gut hörbar waren. "Dafür mussten wir jedoch Geld bezahlen", fügte er hinzu. Wir, damit meinte er das Neue Forum. Seine Schilderungen von den stillen Märschen vorbei am Haus der Stasi an der Uferstraße und der SED-Kreisleitung, rüttelten bei denen, die damals dabei waren, Erinnerungen wach. Moderiert wurde der Abend von Dunja Schulze. Sie ist Mitglied der Bündnisgrünen, kam aber erst vor 25 Jahren aus Baden-Württemberg ins Erzgebirge und stellte vor diesem Hintergrund berechtigt die Frage: Was hat eigentlich dazu geführt? Gemeint war damit natürlich die friedliche Revolution der Menschen, die am Ende die Mauer aufgestoßen hat. "Ich würde mir wünschen, dass das alles noch mal ausführlich dokumentiert wird", regte Ulrike Kahl an.

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