Lößnitzer planen Guss einer Versöhnungsglocke

Ein dreiköpfiges Komitee treibt das Vorhaben voran. Auf einer Bürgerversammlung ist jetzt der Fahrplan vorgestellt worden. Die nächsten acht Monate entscheiden über den Erfolg.

Lößnitz.

Jan Leichsenring spricht von einer Herzensangelegenheit. Vor einem Monat ist er mit der Idee an die Öffentlichkeit getreten, dem aus 23 Bronzeglocken bestehenden Carillon der Muhme eine symbolische 24. Versöhnungsglocke hinzuzufügen. Der Streit um Nazisymbole auf dem denkmalgeschützten Instrument im Turm der St. Johanniskirche hatte in der Lößnitzer Bürgerschaft Risse hinterlassen. Die neue Glocke soll sie kitten helfen.

Leichsenring hat die Zeit genutzt und Mitstreiter um sich geschart. Unterstützt wird er vom Lößnitzer Sören Wittstock und dem Schwarzenberger Glockensachverständigen Gerd Schlesinger. Am Dienstagabend haben sie im Bürgerhaus am Markt den Fahrplan zu einer Versöhnungsglocke vorgestellt. Diese soll die Informationstafeln ergänzen, mit denen die Stadtverwaltung künftig den historischen Kontext des Glockenspiels erklären will. "Das hier ist keine Gegenveranstaltung", betonte Leichsenring. Der durch den Stadtratsbeschluss eingeschlagene Weg sei ein guter.

Für die neue Glocke werden mindestens 5000 Euro benötigt, haben die Initiatoren ausgerechnet. Das Geld soll über eine Spendenaktion gesammelt werden. Auf große Beträge sei man nicht aus, sondern auf viele kleine. "Wenn 2000 Lößnitzer je 2,40 Euro geben, sind wir am Ziel", nannte Leichsenring ein Rechenbeispiel. Für 200 Euro liegen bereits Spendenzusagen vor. Und wenn einer 30 Cent gibt, zähle auch das, weil es Teil eines Gemeinschaftswerkes ist. Dankestafeln an Spender soll es nicht geben, nur ein Stifterbuch. Wer will, kann anonym bleiben.

Der 24. Juni 2020 gilt als Stichtag. Sind bis dahin 5000 Euro oder mehr zusammengekommen, wird die Glocke in Auftrag gegeben. Geplant ist vorerst eine kleine, etwa zwölf Kilogramm schwer. Reichen die Finanzen, wird sie größer. Gegossen im Herbst 2020 soll die Versöhnungsglocke zum Lößnitzer Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr erstmals öffentlich angeschlagen werden.

"Erreichen wir die 5000 Euro nicht, wird das gesammelte Geld zu gleichen Teilen an gemeinnützige Träger gegeben", sagte Leichsenring. Dies sind der Verein Lößnitzer Bronzeglockenspiel, die Jugendbegegnungsstätte "Oase" und die kirchliche Hospitalstiftung "St. Georg".

20 Bürger waren gekommen, um sich über die Pläne zu informieren. Detailfragen wurden diskutiert, Widerspruch erhob sich keiner. Zustimmung ernteten auch die Entwürfe für die Glockenzier. Auf der Krone sollen die Figuren eines Mannes, einer Frau, eines Jungen und eines Mädchens die Bürgerschaft symbolisieren. Eine Trauernde mit Kranz soll für Mahnung, zwei sich nähernde Hände für Versöhnung stehen. Eine gebrochene Kette für den Streit, den es gab. "Zwei Generationen vor uns haben ihren Umgang mit dem Glockenspiel gefunden", sagte Sören Wittstock. "Es hat nicht gehalten. Jetzt ist es an uns, etwas zu schaffen, das auch künftige Generationen verinnerlichen können."

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