Londoner Sinfonie erhält verfrühten Beifall

Das Philharmonischen Konzert brachte echte "Klassik". Solo-Bratschist Alexander Lipkind spielte überzeugend. Nur bei Mozart konnte das Orchester nicht glänzen.

Aue.

Diesmal gab es beim 7. Philharmonischen Konzert tatsächlich nur "Klassische Musik". Der Begriff "Klassik" ("mustergültig") wird ja inflationär für alles vermeintlich Bessere verwendet, und ist eine verbale Verlegenheitslösung für Musik aller Epochen, in der Geigen vorkommen und die angeblich nur ernst ist. Drei echte Klassiker brachte der Gastdirigent Martin Hannus auf die Bühne des Kulturhauses: Musik aus den progressiven Jahrzehnten um 1800.

Zum Auftakt war die Londoner Sinfonie Nr. 101 D-Dur mit dem verniedlichenden Titel "Die Uhr" zu hören. Zwar kann man im 2. Satz den Takt einer Uhr vernehmen, aber mit der Sinfonie hat das kaum etwas zu tun. Die Wiedergabe dieses gemächliche Andante-Satz hatte Witz, die Fagotte betonten am Beginn den Rhythmus kräftig, die dynamischen Kontraste wurden nicht überspielt. Der erste Satz ging mit geschärfter Wucht in Szene, der dritte Satz bekam fälschlicherweise Beifall, weil die kräftige Finalwirkung das suggerierte. Gemurmel und Gelächter, dann folgte der Finalsatz.

Alexander Lipkind, Solo-Bratschist der Meininger Hofkapelle, spielte das Konzert für Viola und Orchester D-Dur von Franz Anton Hoffmeister. Das Werk kam gemütlich kantabel von der Bühne. Der Solist servierte den Ohren milde Klänge, der langsame 2.Satz hatte im guten Sinne etwas von einem Schlafkonzert. Das Allegro-Finale schließlich lief mit motorischer Munterkeit ab. Viel Beifall für den Solisten und eine Zugabe von Bach. Wer sich als Bratschist bei einem Orchester bewirbt, muss dieses Stück vorführen. Lipkind hat diese Hürde längst hinter sich und bot daher eine Leistung, mit der er sich bei bedeutenden Orchestern bewerben könnte.

Mit Mozarts "Linzer Sinfonie" C-Dur, KV 425, ging des Konzert zu Ende. Beim Einführungsvortrag hatte die Regisseurin Birgit Eckenweber vom Annaberger Theater im Zusammenhang mit dem Verleger Franz Anton Hoffmeister gesagt: "Mozart bat seinen Verleger immer wieder um Vorschuss." Mozart arbeitete unentwegt, lebte aber recht komfortabel. Die Linzer Sinfonie entstand eilig auf Reisen. Davon merkt man dem grandiosen Werk nichts an. Hannus setzte auf den großen Effekt. Mit der Folge, dass die langsame Einleitung des 1. Satzes beiläufig harmlos daherkam. Die beklemmende Spannung, die diesen Takten innewohnt, zog etwas zu eilfertig nichtssagend vorüber. Das unelegant gespielte Trio des Menuett-Satzes war ein weiter Minuspunkt. Sonst hörte man der insgesamt festlich-frischen Wiedergabe gern zu.

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