Lust am Schnitzen entwickelte sich erst im reiferen Mannesalter

Der Pöhlaer Rolf Fritzsch ist Schnitzer, Bastler und Zeichner aus Leidenschaft. Am 1. Februar feiert er seinen 85. Geburtstag. Erst mit 40 Jahren fing der Erzgebirger an, Lindenholz zu verarbeiten - im Groß- und im Kleinformat.

Pöhla.

Dass der Pöhlaer Schnitzer Rolf Fritzsch die Holzkunst mit Leidenschaft betreibt, sieht man seinen Werken an. Mit großer Liebe zum Detail entsteht unter seinen kunstfertigen Händen typisch Erzgebirgisches. Greift der Zeichner und Schnitzer heute zu Bleistift oder Schnitzmesser, dann noch wie vor 45 Jahren ohne Brille. Und das, obwohl Rolf Fritzsch am 1. Februar 2020 seinen 85. Geburtstag feiert.

"Bei mir kam die Lust am Schnitzen relativ spät, ich glaube, da war ich schon 40", erzählt der gebürtige Markersbacher, der lange mit seiner Familie in Raschau lebte. "Angefangen habe ich mit Bäumen, Rehen und so. An größere Sachen habe ich mich da noch nicht rangetraut. Erst im Laufe der Zeit kamen Dinge wie Pyramiden und Schwibbögen dazu."

Was unter den Händen des Autodidakten mit großer Akribie entsteht, sind Unikate. Davon hat er in all den Jahren zahlreiche geschaffen. Mit ihnen macht er seiner Familie eine Freude. "Die ganzen Arbeiten sind für Familienmitglieder", erklärt Fritzsch. Zu tun gab und gibt es in dem Zusammenhang genug, denn seine Familie ist groß: Mittlerweile ist er sechsfacher Großvater und siebenfacher Urgroßvater. Schon seine drei Söhne konnten auf ihren Vater, einen gelernten Maurer, stets bauen. Inzwischen ist er in ruhigerem Fahrwasser unterwegs und kann sich seinem Hobby widmen. Dabei sucht er immer wieder das Besondere.

Zu den Arbeiten des Seniors, der in der Nachkriegszeit eineinhalb Jahre in Wismut-Schächten tätig war, gehört ein geschnitzter Bogen als Bergwerk mit der Untertage-Darstellung der Arbeit von Bergleuten: mit Bohrhammer in der Hand, mit Kopflampe am Helm und mit Grubenhunt für das Erz. Eines seiner jüngsten Werke ist der Nachbau der Schwarzenberger Krauß-Pyramide. Daneben eine Dampflok, wie sie in früheren Zeiten durch den Tunnel im Schlossfelsen schnaufte. "Ich dachte mir, mach' mal was Neues, was noch keiner hat. Dazu ist mir die indirekte Beleuchtung eingefallen. Dafür habe ich geschliffenes Plexiglas genommen und LEDs reingebaut, die die Szene von unten anstrahlen." In der Pyramide hat der versierte Bastler Regenschirmstäbchen verwendet und darin die Kabel verlegt. Verborgen ist auch der Motor, der die Pyramide antreibt. Die kleinen Schnitzfiguren sind an die Zeit des Wismut-Bergbaus angelehnt. "Dazu habe ich noch einen Drachen geschnitzt nach der Sage um Ritter Georg und seinen Kampf gegen den Drachen von Schwarzenberg", erläutert Fritzsch, der auch privat noch einmal sein Glück fand, nachdem seine erste Frau Christa vor 17 Jahren starb: Seit zehn Jahren ist er mit Christine verheiratet, die leidenschaftlich gern klöppelt.

Zum Malen und Schnitzen zieht sich der nun 85-Jährige im Winterhalbjahr in die Küche zurück. In den Sommermonaten sitzt er im Freien auf der Gartenbank. Für den großen Sohn Matthias, der in Zwickau lebt und Lustiges aus dem Erzgebirge in Broschüren packte, zeichnet der Jubilar humorvolle Bilder. Sohn Christian ist ein "Holzwurm": Er schnitzt - allerdings mit der Kettensäge.


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