Markersbacher ringen um einen neuen Einkaufsmarkt

Momentan machen im Ort Unterschriftenlisten die Runde. Zwei Abgeordnete des Landtags unterstützen die Aktion. Doch was soll damit bezweckt werden?

Markersbach.

Den Einkaufsmarkt in Markersbach gibt es nicht mehr. Das Schild am Eingang des ehemaligen Marktes neben der Schule weist darauf hin: Gewerbefläche zu vermieten. Die Tür ist zu.

"Für viele, vor allem ältere Einwohner des Ortes, ist dies ein herber Verlust", sagt Sigrid Hagemann, die für die Linken im Gemeinderat sitzt. Und sie hat versucht, etwas dagegen zu tun. Sie wollte helfen: Seit Jahresbeginn rollt einmal pro Woche ein Frischedienst in den Ort. "Das hab' ich organisiert, aber es wird doch nicht so angenommen, wie ich gedacht habe", sagt die Gemeinderätin. Der Frischdienst sei ein Mobil, das durchaus ein breites Sortiment an Bord hat, aber dennoch kein vollwertiger Ersatz für einen Laden sei, so Hagemann. "Obwohl die Leute dort auch bestimmte Sachen bestellen können, und die Leute vom Frischedienst sich alle Mühe geben, ist der Zuspruch verhalten", schätzt sie nach reichlich einem halben Jahr ein. Dabei habe das Mobil anfangs sogar an verschiedenen Stellen Station gemacht. "Doch wenn keiner kommt", sagt Hagemann und zuckt die Schultern. Auch die großen Supermarktketten habe sie angeschrieben, allerdings ohne jemals eine Antwort erhalten zu haben.

Aber Aufgeben sei keine Option. "Die Leute wollen einen Laden, sie wollen in den Regalen selbst gucken und andere Leute aus dem Dorf treffen", sagt sie und betont die soziale Komponente. Deshalb sucht sie nach neuen Wegen. Dazu hat sie sich mit den Landtagsabgeordneten Klaus Tischendorf (Linke) und Simone Lang (SPD) nun zwei Verbündete gesucht. Beide haben ihre Unterstützung zugesagt.

Doch was will man mit den Unterschriften bewirken? Politiker wissen, dass ein Rathauschef keinen Laden eröffnen kann. Auch Unterschriftslisten auf seinem Schreibtisch ändern daran nichts. Zudem hatte Bürgermeister Frank Tröger (Freie Wähler) bereits 2017 über etliche Monate mit Handelsketten und auch mit dem Konsum in Leipzig und Dresden verhandelt, um einen neuen Betreiber für den Markt an der Annaberger Straße zu finden, der im Herbst 2017 seine Türen geschlossen hatte. Ohne Erfolg.

Ziel der Aktion sei, "damit zunächst den Bedarf konkret zu hinterfragen", erklärt Simone Lang. Die nun gesammelten Unterschriften seien als eine Art Bekenntnis der Leute zu werten. "Wir wollen so ermitteln, ob es wirklich genug Leute gibt, die ernsthaft an einem Laden interessiert sind - und dann natürlich dort auch einkaufen würden", erklärt die Politikerin. Ist diese Zahl solide und tragfähig, könne man gern gemeinsam über alternative Betreibermodelle nachdenken.

Alternative Modelle wäre beispielsweise eine Art genossenschaftlicher Dorfladen, an dem die Bürger sich über Anteile beteiligen können, und dann auch eine neue Bindung zum Geschäft entwickeln. Dafür ließen sich vielleicht neue Bündnisse schließen. Prinzipiell, so sagen jedoch alle Beteiligten, müsse sich dafür aber das Kaufverhalten der Menschen ändern. Denn nur wer regional kauft, der sichert mit seinem Umsatz auch regionale Angebote. Dessen müsse man sich klar sein. Und damit sei nicht nur die vielleicht beim Wochenendeinkauf vergessene Tüte Mehl gemeint.

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