Mieterin bangt um Haus in der Ortsmitte

Das städtische Gebäude, in dem Wilma Seidel seit 1973 wohnt, steht mitten im Zentrum von Waschleithe und ist in keinem guten Zustand. Der Fördertopf "Vitale Dorfkerne" erschien ihr als Rettung. Doch sie wurde enttäuscht.

Waschleithe.

Allein im Januar blieb die Heizung in der Wohnung von Wilma Seidel 15 Mal kalt. Jedes Mal rief sie die Heizungsbauer zu Hilfe. Und jedes Mal kam jemand und half der alten Ölheizung noch mal auf die Sprünge.

Die 75-Jährige wohnt im Haus an der Talstraße 43 in Waschleithe. Das ist ein kommunales Gebäude, unmittelbar im Zentrum des Ortsteils, mit fünf Wohnungen. Aus ihrem Fenster blickt sie auf die Pyramide, das Haus der Volkskunst und den Eiswürfel. Früher war im Erdgeschoss des Hauses sogar eine Filiale der Sparkasse. Heute ist dort das Büro des Ortsvorstehers. "Doch der ist selten da", sagt Wilma Seidel, die seit 1973 dort wohnt. 1995 sei die Heizung eingebaut worden. 2001 folgten neue Fenster. Im Treppenhaus wurde über Jahre nichts gemacht.


Dennoch wohnt sie gern hier, möchte ihre Wohnung nicht aufgeben. Sie findet es auch gut, dass die Stadt dort zeitweise auch Bedürftige unterbringt. "Denen hab' ich zu Weihnachten Essen rüber gebracht oder wenn ich mal Kuchen habe, ein paar Stück davon", erzählt sie. Doch sie bangt um das Haus. Hegt die Sorge, dass es vielleicht doch abgerissen werden soll. Als sie vor wenigen Tagen Wäsche aufhängen wollte, lag unter den Leinen ganz viel Holz. Der Nachbar hatte zwischenzeitlich das Teilgrundstück gekauft und die Bäume am Bach gefällt. "Ich wusste das ja nicht. Uns hat das niemand gesagt", meint sie. Daraufhin nahm sie ihren Mut zusammen und ging zur Ortschaftsratssitzung. Einen Zettel mit ihren Fragen in den Händen, meldet sie sich zu Wort. Sie lese regelmäßig das Ortsblatt, in der Hoffnung, etwas über mögliche Baumaßnahmen an dem Haus zu erfahren. Und sie habe auch gelesen, dass es ein Förderprogramm für "Vitale Dorfkerne im ländlichen Raum" gibt. Doch ihre stille Hoffnung, dass die Stadt daraus Geld bekommen könnte, um das Haus im Ortszentrum anzurichten, wurde jedoch schnell zunichte gemacht. "Da fallen kommunale Wohngebäude nicht rein", erklärt ihr Volkmar Thiel vom Bau- und Investitionsamt der Stadt. Dennoch kann er die Rentnerin etwas beruhigen: "Die Erneuerung der Heizung in dem Haus ist geplant, und zwar zeitnah." Das soll eine energiesparende Brennwertheizung sein. Das geht auch aus einem Schreiben hervor, das Wilma Seidel als Antwort auf ihren Brief ans Rathaus im Herbst erhielt. Doch die weiteren Aussagen in dem Schreiben aus dem Rathaus sind sehr vorsichtig formuliert: "Weitere Instandsetzungsarbeiten sind an der Dachentwässerung, Wärmedämmung und der Fassade in den nächsten Jahren geplant, und sollen, wenn der Haushalt dies ermöglicht, umgesetzt werden."

"Ich dachte, ,vitale Dorfkerne', genau das trifft hier zu. Denn hier ist ja der Ortskern, hier laufen am Wochenende bei schönem Wetter Hunderte von Leuten vorbei oder halten an, um Eis zu essen auf dem Weg zur Heimatecke oder dem Tierpark", sagt Wilma Seidel. Vor ihrem Haus steht eine reizvolle Sitzgelegenheit. "Der Rasen wird bestimmt noch eingesät", meint sie. Der Boden liegt noch brach, erst im Herbst wurden hier Rohrleitungen verlegt. Und doch hegt sie Bedenken, dass die Kommune andere Pläne hat, vielleicht Parkplätze bauen will. "Daran ist überhaupt nicht gedacht", versichert Antje Döbler, die Kämmerin der Stadt auf Anfrage der "Freien Presse". Die Stadt habe keineswegs vor, die Immobilie aufzugeben oder gar abzureißen. "Dass die Heizung alt und defekt ist, wissen wir. Die neue ist schon bestellt", sagt sie. Auch an Fassade und Dach sei man dran. "Es ist auch im Haushalt schon Geld dafür vorgesehen", so Döbler.

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