Mit dem Navi durch die unbesetzte Zeit

Geocaching ist die moderne Form einer Schnitzeljagd mit GPS-Empfängern und versteckten Schätzen. Wer sie sucht, wandelt in Schwarzenberg bald auf historischer Spur.

Schwarzenberg/Breitenbrunn.

Nicht stehen bleiben, sondern mit der Zeit gehen. Das gilt nicht erst seit heute. Nur, dass in den zurückliegenden Jahren das Schrittmaß und die Geschwindigkeit - gefühlt - extrem zugenommen haben. Und so nehmen auch Wege und (Lehr-)Pfade heute ganz eigenwillige Wandlungen, um attraktiv zu bleiben.

1996 war es, als die damalige Künstlergruppe Zone, der heutige Verein Kunstzone, unter Leitung von Jörg Beier den Lehrpfad "Unbesetzte Zone" unter dem Motto "Auf den Spuren der Freien Republik Schwarzenberg" erarbeitet hatte. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wurde der touristische Pfad, ein Wanderweg umgesetzt. Wer ihm folgte, wurde an neun Punkte geführt, die einen Bezug zur geschichtlichen Besonderheit Schwarzenbergs in den ersten sechs Wochen nach dem Kriegsende haben, jener Zeit, in der die Region um die Stadt von keinen alliierten Truppen besetzt wurde und somit "frei" blieb. Daraus erwuchs der Mythos der "Freien Republik". Auf Infotafeln entlang des Pfades wurden Hintergründe erläutert.

Wie viele Menschen seither auf diesem Lehrpfad gewandelt sind, ist in Zahlen nicht darzustellen. Denn das Begleitheft konnte sich jeder holen, den Pfad ablaufen, weiterempfehlen und das Heft weiterreichen. Im Jahr 2015 wurden sowohl der Flyer als auch die Infotafeln in Zusammenarbeit mit dem Museumsbeirat der Stadt inhaltlich überarbeitet und auch materiell erneuert. Aus neun wurden sieben Stationen.

Derzeit entsteht in Zusammenarbeit mit Studenten der BA Breitenbrunn, der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und dem Verein Kunstzone aus dem Lehrpfad eine Geocachingstrecke. "Angearbeitet hatten wir das schon, jetzt wird es vollendet", sagt Johann Stötzer von Schulclub der Awo. In dessen Räumen fand am Dienstag eine Beratung statt, bei der Jörg Beier alle Mitstreiter für das Projekt an den Tisch geholt hat. Für die Studentinnen aus dem Bereich Soziales ist dieses Vorhaben eine willkommene Ablenkung. "Es ist mal was anderes, und durchaus spannend", sagt Felicitas Schäfer. Jörg Beier, der als Dozent an der BA arbeitet, hatte das Projekt angeschoben: "Wir wollten das schon lange machen. Und ich denke, das spricht junge Leute eher an", meint der Schwarzenberger Künstler. Natürlich bleibt auch der traditionelle Lehrpfad erhalten, sind die aktuellen Flyer hierzu in der Stadtinfo erhältlich.

Wer sich jedoch auf das Neue einlässt und sich auf die Suche nach dem Cache (geheimes Lager) begibt, findet Blechbüchsen, und in denen wiederum Fragen. Bei richtiger Beantwortung der Fragen erhält man die Koordinaten, wo sich das nächste Versteck der Route befindet. "Das Ganze koppeln wir noch mit einer Stempelkarte", sagt Beier. Und wer alle Stempel hat, erhält eine jener humorvoll gemeinten Aufenthaltsgenehmigungen des Vereins Kunstzone für seinen Besuch in Schwarzenberg.

Die Caches - Büchsen - müssen gefunden, das Rätsel gelöst, und dann wieder an die Stelle zurückgesteckt werden. "Also bitte nicht, als Souvenir mit nach Hause nehmen", mahnen die Macher. Geeignet sei so ein Geocaching für Schatzsucher ab 14 Jahre, heißt es. Bis 26. Februar, so lautet das sportliche Ziel der Tüftler, muss das Projekt bereits stehen. Dann widmen sich die Studentinnen wieder der sozialen Arbeit.

"Für die jüngeren Schatzsucher arbeitet eine zweite Gruppe von Studenten übrigens zeitgleich an einem spannenden Sagenpfad durch die Stadt", erklärt Jörg Beier zum zweiten Teil dieses Projekts.

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