Mit fast 1000Tonnen Salz undSplitt durch den Winter

Johanngeorgenstadt hat den Räumdienst für die Saison gesichert. Aber der Bürgermeister befürchtet, dass sich künftig kaum noch Firmen dafür finden - weil es keine mehr gibt.

Johanngeorgenstadt.

Bernd Gündel öffnet per Fernbedienung ein Rolltor. "Um diese Halle beneiden uns viele", sagt der Bauhofleiter von Johanngeorgenstadt. Drinnen aufgeschüttet zwei Berge - einer weiß, einer dunkelgrau. 550 Tonnen Streusalz und 400 Tonnen Splitt sind hier eingelagert. Für den Winter, der dieses Jahr im Erzgebirge auf sich warten lässt. "Laut Wetterbericht bleibt es erst einmal bei Matschwetter", so Gündel.

Als Bauhofchef sollte ihn das eigentlich freuen. Denn ohne Schnee und Eis müssen er und seine Mitarbeiter nicht zum Räumen und Streuen ausrücken. "Aber wir sind ein Wintersportort. Da gehört Schnee dazu", sagt Gündel. Damit es, wenn Schnee fällt, auch winterlich weiß aussieht, will er ab einer bestimmten Höhe auf Salz möglichst weitgehend verzichten. "Damit nicht alles grau und schmutzig wirkt", erklärt er. Bei minus vier, fünf Grad sei eine feste Schneedecke ohnehin besser zum Laufen und Fahren geeignet als der Salzmatsch.

Schwieriger wird es bei Blitzeis. Das ist zwar untypisch für die Bergstadt. Soll aber, glaubt man Wetterexperten, in den Mittelgebirgen künftig häufiger auftreten. "Im vorigen Winter hatten wir das oft", erinnert sich Gündel. Da wirke Salz nur langsam. Man bräuchte eigentlich Lauge. Aber Streufahrzeuge dafür umzurüsten, sei schwierig. Lauge sei daher eher etwas für Autobahnen und große Straßenmeistereien.

Sechs Fahrzeuge und sechs Mitarbeiter, ihn selbst eingerechnet, stehen Gündel im Bauhof zur Verfügung - wenn es um den Räumdienst geht. Den Einsatzplan bis März 2020 hat er schon geschrieben. Er läuft über sieben Tage die Woche, auch zu Weihnachten und Silvester müssen die Männer ran. Schnee kennt keine Feiertage. Zehn Kilometer Straße und viele Kilometer Fußweg, dazu kleinere und größere Plätze sowie Parkflächen müssen die Mitarbeiter des Bauhofes freihalten. Die Botschaft ist aber: Wir sind gerüstet.

Auch für die Stadt insgesamt seien Firmen gefunden worden, die den Winterdienst leisten, bestätigt Bürgermeister Holger Hascheck. Es hatte kürzlich Gerüchte gegeben, der Räumdienst könne aus finanziellen Gründen nicht gewährleistet werden. Das stimme nicht. Die Stadt musste das Ganze nur zweimal ausschreiben. Denn in der ersten Runde waren Angebote mit zu hohen Kosten eingegangen. Deswegen gab es ein zweites Verfahren. "Ich hatte befürchtet, dass sich da niemand mehr beteiligt. Aber das war zum Glück nicht der Fall", sagt Hascheck. Nun sei alles unter Dach und Fach.

Der Stadtchef kann sich indes vorstellen, dass sich in Zukunft keine Firmen mehr melden, schlicht weil es vielleicht keine mehr gibt. Das sei bei Bauaufträgen und Handwerkerleistungen ähnlich. Es fehlen die Betriebe. Erschwerend kommt beim Winterdienst hinzu: "Die Unternehmer können zwar einen Stundensatz vereinbaren. Aber sie wissen ja vorher nie, wie viele Stunden zusammenkommen. Fällt viel oder wenig Schnee? Und für eine Region wie unsere müssen sie große und teure Technik vorhalten." In Süddeutschland und Österreich beteiligen sich Landwirte am Räumdienst, die ohnehin große Fahrzeuge besitzen. "Und sie müssen die Wege zu ihren abgelegenen Höfen oft sowieso selbst räumen", erklärt Bernd Gündel. Für das Erzgebirge sei das jedoch keine Lösung. An Salz und Splitt mangelt es jedenfalls nicht, obwohl der Bauhof diesmal ein Gebiet in der Stadt mehr betreuen muss, weil sich dafür keine Firma fand. Es geht um Nebenstraßen im Bereich Am Wäldchen bis zum Grauen Mann sowie Fichtelbergblick. Bisher habe der Vorrat immer gereicht. "Einmal habe ich was nachbestellt, es dann aber doch nicht gebraucht", berichtet Gündel.

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