Mit Schaber und Spray gegen rechte Propaganda

Eine Berliner Aktivistin ist am Freitag an der Oberschule in Beierfeld zu Gast gewesen. Sie sprach mit Neuntklässlern und ließ sie ein menschenverachtendes Zitat in etwas Positives verwandeln.

Beierfeld.

"Lasst Menschen verrecken", steht auf Zetteln, die Irme- la Mensah-Schramm, eine Menschenrechtsaktivistin aus Berlin, an Neuntklässler aus der Oberschule Beierfeld verteilt. Die Jugendlichen sind aufgerufen, diese menschenverachtende Äußerung in etwas Positives zu verwandeln - mit bunten Stiften und viel Kreativität. Und so prangt beispielsweise auf einem der Zettel am Ende des Workshops "Lasst Menschen verbinden". Auf einem anderen stechen ein knallbunter Regenbogen ins Auge und die Aussage: "Lasst Menschen aus dem Fenster gucken."

Es mag auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken, aber genau solche Workshops und Initiativen gegen braune Schmierereien hat sich die 74-Jährige auf die Fahne geschrieben und sie zu ihrem Lebensinhalt erklärt. "Ich will immer wieder zum Nachdenken anregen", sagt Irmela Mensah-Schramm. Mal gehe das schneller, mal dauere es seine Zeit. Aber Aufgeben ist für sie keine Option. Bereits seit Mitte der 1980er- Jahre ist sie dafür bekannt, dass sie in ganz Deutschland rassistische und antisemitische Aufkleber und Graffiti dokumentiert und entfernt. Mit farbigem Graffitispray geht sie gegen solche Beleidigungen an Mauern und Hauswänden vor.


Auch an diesem Freitag in Beierfeld will sie die Jugendlichen im Gemeinschaftskundeunterricht dafür sensibilisieren. Deshalb hat sie Fotos rechter Graffiti mitgebracht und sie an die Tafel gehängt. Es wird heiß diskutiert. Am Ende kommt mit Carina Viertel ein Mädchen zu der Seniorin und bedankt sich für deren Engagement. "Ich finde das, was sie tun, sehr gut", sagt die junge Erzgebirgerin.

Tags zuvor war Irmela Mensah-Schramm in Schwarzenberg unterwegs. 52 Aufkleber und Schmierereien habe sie entdeckt. "Vor allem alte Dinge." Zum Teil sei bereits versucht worden, diese zu entfernen. "Es wurde aber eben schlecht gemacht", sagt die Menschenrechtsaktivisten, die für ihre Aktionen auch schon angefeindet wurde.

Sie selbst rücke den Aufklebern mit einem Ceranfeldschaber auf den Leim. Bei einer kurzen Tour durch Beierfeld fand sie einen Aufkleber sowie ein verblichenes Hakenkreuz neben einem Eisernen Kreuz. Aus diesem malte die 74-Jährige eine Blume.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...