Muddi ganz bleede vor Gligg

Mit seinem Programm "Sächsisch für Anfänger" klärte der Berliner Kabarettist Thomas Nicolai zum Muttertag in der "Goldnen Sonne" detailversessen über die rechte Aussprache auf.

Schneeberg.

Mit "Multiplen OHRgasmen" hatten die Kabarettisten Streckenbach & Köhler aus Franken im März den Frauentag mit Brachial-Humor vergeistigt. Nun war im Kulturzentrum "Goldne Sonne" der Muttertag dran. Da ging es etwas feinsinniger zu. Es gab sogar wie an der Schauspielschule ein Häppchen zungenbrecherischen Sprech-Unterrichts: "Auf einem tschechischen Tischchen steht ein chinesisches Fläschchen." Das Publikum sprach das mit - und das Lernen nahm kein Ende.

Thomas Nicolai (Jahrgang 1963) gewährte den Schneeberger Sachsen tieferen Einblick in die Strukturen ihres ausgenuddelten Kauderwelschs, das dem Rest der Deutschen oft genug den Rest gibt. Als gelernter Konditor versteht Nicolai jedenfalls was von "Sahnehäubschn" und "Rumgucheln".

Beim Sächsischen sei die lockere Kieferstellung wichtig, referierte der aus Leipzig stammende Berliner: "Die Weichen besiechen die Harden (Konsonanten). Beim Sprechen muss der Sachse die Optik auf Unendlich stellen. Man spricht mehr "O" als "A", mit einer Prise "Uee" wie in "Uoarsch". Als besonders melodisches Beispiel nannte er "Mounegaa", was "Monika" bedeutet.

Allerhand ältere und junge Muttis waren ins Kabarett gekommen. Darunter "zwei Ausländer" aus Hessen und Berlin-Marzahn. Auch sie bekamen Unterricht in sächsischer Erotik. "Ich wär bleede vor Gligg" heiße: "Ich liebe dich!" Zum Gesäß sage man in Sachsen besser liebevoll "Bobser", die Brüste seien "Möbbse", und den Zeugungsvorgang nenne man "naacheln" oder "bimborn".

Am Keyboard saß Robert Neumann. Er spielte nebenbei die "Garmen von der Essenausgabe", hatte große Auftritte als scharfe "Muddi", die mit "Badrig" Schleifer aus Schkeuditz vom "Goutry"-Verein tanzend die Sau rausließ. "Badrig" Schleifer ist ein Fan von "Diedschee" Bobo. Diese Nummer mit der tanzenden Garmen ließ die Stimmung in der "Goldenen Sonne" hochkochen.

Das Wesen des Sachsen sei die Gemiedlichgeid, behauptete der Berliner: "Er will seine Ruhe, sonst wird er fuchssch!". Ständige Themen in Nicolais Programm waren der verbal erfindungsreiche Sachse und die Honecker-DDR. Der Trabant beispielsweise hatte viele Namen, aber der treffendste war wohl "Zwickauer Flüchtlingskoffer". (pau)

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