Nach Insolvenz: Glaswerk wagt Neustart

Dem Schneeberger Glasveredler drohte wegen wirtschaftlicher Probleme 2015 das Aus. Mit neuem Chef und Profil sieht sich das Unternehmen heute gut gerüstet - und peilt für dieses Jahr einen Millionenumsatz an.

Schneeberg.

Für Tiemo Gruner ist es eine glasklare Sache gewesen: Das Glaswerk Schneeberg, einer der modernsten Glasbearbeitungsbetriebe im Erzgebirge, darf nicht einfach so vom Erdboden verschwinden. Als das Unternehmen 2015 in die Insolvenz schlitterte und das Aus drohte, wagte er gemeinsam mit zwei weiteren Gesellschaftern den Neustart - und übernahm die Geschäfte.

Mit Erfolg, wie sich heute zeigt. Denn inzwischen sind die Auftragsbücher der Glastechnik Schneeberg, wie sich das Unternehmen heute nennt, wieder gut gefüllt. Geschäftsführer Gruner peilt für dieses Jahr einen Umsatz von mehr als 1,3 Millionen Euro an. Und das, obwohl mit Solarworld Freiberg erst jüngst ein lukrativer Kunde verloren ging. Für die Solarzellen-Produktion in Mittelsachsen hatten die Schneeberger Glasplatten geliefert. Doch nachdem Solarworld die Verlagerung eines Produktionsbereiches ankündigte und Stellen strich, fiel dieser Auftrag weg. "Das können wir aber gut verkraften", sagt Gruner. "Es ist nur ein Kunde von vielen."

Rückblick: 2014 schien es nur in eine Richtung zu gehen - nach oben. Immer wieder hatte die Firma viel Geld investiert, um dem Weltmarkt einen Schritt voraus zu sein; baute neue Fertigungshallen und spezialisierte sich auf die Herstellung von Isolierglasscheiben. Über 2500 Quadratmeter Produktionsfläche und ein jährlicher Umsatz von 1,5 Millionen Euro standen damals zu Buche. Dann der Bruch. Das Glaswerk meldete überraschend Insolvenz an; im April 2015 wurde das Hauptverfahren eröffnet.

Gruner macht rückblickend die Marktentwicklung für die Schieflage verantwortlich. Weil es damals ein Überangebot gab, seien die Glas-Preise unter Druck geraten. "Die Firma hatte viel investiert und plötzlich entwickelten sich die Umsätze anders als geplant", sagt er. Um nicht in die Sackgasse zu geraten, meldete man Insolvenz an.

Für den Glasveredler ist es letztlich der Befreiungsschlag. Mit reduzierter finanzieller Belastung wagt Gruner Mitte 2016 den Neustart. Heute hat der Betrieb wieder 18 Mitarbeiter. Das Leistungsspektrum blieb dabei im Grunde das gleiche. Die Palette reicht von Funktionsgläsern bis zu Isolier- und Sicherheitsverglasungen. Auch Ganzglastüren, Spiegel und Glasmöbel werden be- und verarbeitet. Die Isolierglas-Produktion macht mit rund 70 Prozent immer noch den Hauptanteil am Gesamtumsatz aus, jeweils 15 Prozent entfallen auf die Bereiche Glasbearbeitung und Glashandel.

Anders als früher versucht Gruner nun stärker auf eine breitere Kundenbasis zu setzen. Statt zwei, drei große Kunden will er lieber mehrere kleine gewinnen, darunter auch Privatkunden. Zudem will die Firma mit sogenannten Sonder- und Nischenprodukten wachsen. Beliebt sind Jalousien, die im Zwischenraum zweier Glasscheiben angebracht sind. In diesem Segment, so Gruner, stünden die Preise weniger unter Druck. Im Angebot hat man auch einen Schwibbogen aus Glas, ausgestattet mit Standfuß und LED-Beleuchtung.

Zu den Kunden des Unternehmens zählen regionale Fensterbauer im Umkreis von rund 100 Kilometern. Aus Schneeberg kommt beispielsweise die Türverglasung für das neue Landratsamt in Plauen. Und selbst in der Ferne, in Italien, findet sich Glas made im Erzgebirge. Für ein Hotel in Venedig produzierte man Glasscheiben, die nun die Badezimmer schmücken.

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