Nach Kennzeichenklau droht Geschädigten viel Lauferei

Jährlich verschwinden deutschlandweit etwa 100.000 Fahrzeugkennzeichen. Auch im Erzgebirge schlagen Diebe zu. Doch Schaden kann selbst dann entstehen, wenn das Schild noch dran ist.

Aue/Schwarzenberg.

Post aus Holland? Neugierig öffnete Christoph P.* das Schreiben. Was er zu lesen bekam, machte ihn sprachlos. Ihm wurde vorgeworfen, mit seinem Auto im Nachbarland zu schnell unterwegs gewesen zu sein. Die Polizei hatte ihn geblitzt. Sein Nummernschild war eindeutig zu erkennen. Das Problem: Er war zur angegebenen Zeit nachweislich gar nicht in Holland. So landete der Fall auf dem Tisch von Uwe Kukutsch, Vertrauensanwalt des Auto Club Europa (ACE). Der Chemnitzer klemmte sich dahinter. Die holländischen Beamten entdeckten den wahren Verursacher. Dieser hatte das Kennzeichen nachgemacht und sei zur Rechenschaft gezogen worden.

Weiteres Glück im Unglück für Christoph P.* : Sein Schild war noch da und sein Anwalt hielt Aufregung und Aufwand in Grenzen. Anders bei Betroffenen, deren Auto-Kennzeichen nicht nur nachgemacht, sondern gleich abmontiert werden. "Das ist garantiert dann der Fall, wenn es sowohl vorn als auch hinten fehlt", sagt Jörg Petzold, Pressesprecher vom ACE-Kreisclub Sachsen-Süd. Aber auch, wenn schon eines fehle, komme einiges an Lauferei und womöglich auch an falschen Verdächtigungen auf die Betroffenen zu. In Deutschland verschwinden nach ACE-Angaben im Jahr etwa 100.000 Fahrzeugkennzeichen. Im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz, zu dem auch der Erzgebirgskreis gehört, werden seit 2014 jährlich immer wieder mehr als 600 Fälle registriert. "Auch in diesem Jahr befinden sich die Zahlen auf ähnlich hohem Niveau", teilt Polizeisprecher Steffen Wolf mit. Zwar seien einige der Diebe vielleicht auf spezielle Nummer- oder Zahlenkombinationen scharf, aber meist werden die gestohlenen Kennzeichen für kriminelle Machenschaften verwendet: etwa zum Benzin-Klau an Tankstellen, zur Mautprellerei oder für den Tüv-Betrug mit mangelhaften Fahrzeugen.

Doch selbst wenn keine kriminellen Handlungen mit dem gestohlenen Kennzeichen begangen werden, könnte es zu Ärger mit Polizei und Staatsanwaltschaft kommen. "Ein Auto ohne amtliches Kennzeichen gilt als nicht zugelassen. Es darf folglich nicht gefahren werden - auch dann nicht, wenn das Nummernschild gestohlen und Versicherung und Polizei bereits benachrichtigt wurden", warnt Verkehrsexperte Petzold. Manchmal bleibe dann nichts anderes übrig, als es stehen oder abschleppen zu lassen. Was dem geschädigten Autobesitzer noch blüht: ein hoher Zeitaufwand mit viel Lauferei. So muss er zur Polizei, zur Versicherung, zur Zulassungsstelle. Und an Kosten kommt auch einiges dazu. Im Erzgebirgskreis sind das bei Kennzeichendiebstahl mindestens 27 Euro Verwaltungsgebühr für die Umkennzeichnung. Für ein Wunschkennzeichen ist eine zusätzliche Gebühr fällig.

Spätestens dann kommt die Frage auf: Wie kann man sich vor (erneutem) Kennzeichenklau schützen? Peter Ludwig von der Abteilung Straßen und Verkehr im Landratsamt rät: "Das Kennzeichen fest anschrauben." Eine Blitzumfrage in Autohäusern ergab: Das machen die wenigsten. Auch Polizeisprecher Wolf sieht darin wenig Sinn. Die Diebe seien dreist: "Die bringen dann eben Werkzeug mit und machen das Kennzeichen ab."

(*Name v. d. Red. geändert)


Bei Kennzeichendiebstahl sofort Polizei informieren

Jörg Petzold, Pressesprecher des ACE- Kreisclubs Sachsen-Süd, weiß wie man sich vor Kennzeichenklau schützt. Andreas Luksch sprach mit ihm.

"Freie Presse": Ist immer gleich von Diebstahl auszugehen, wenn das Kennzeichen weg ist?

Jörg Petzold: Nein. Ich würde erst mal das Umfeld des Autos absuchen. In manchen Fällen handelt es sich um Schaberneck, und die Kennzeichen liegen im nächsten Gebüsch. Wenn das so sein sollte, unbedingt die TÜV- und ASU-Plakette kontrollieren. Manche sind nur auf die Plaketten scharf, um damit ihre alten Karosse durch den Tüv zu bringen.

Was sollte der Geschädigte noch beachten?

Er sollte sofort zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Sinnvoll ist es auch, die Versicherung umgehend von dem Diebstahl zu unterrichten, damit der Bestohlene im Schadensfall, das heißt bei einem Unfall mit dem abmontierten Kennzeichen, nicht die Kosten tragen muss.

Welche Chancen hat der Geschädigte, die Unkosten wieder zurückzuholen?

Ab dem Zeitpunkt, wo der Bestohlene sein neues Kennzeichen hat, ist das gestohlene Kennzeichen für zehn Jahre zur Fahndung ausgeschrieben. Wird der Dieb irgendwann gefasst, nachdem Anzeige erstattet ist, muss er die Kosten übernehmen. Deshalb ist es ganz wichtig, die Belege für alle Auslagen aufzubewahren.

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