Nach Sturm zeigen die Menschen Herz

Der Orkan vernichtete zwar die Miniaturanlage Rentners Ruh, aber nicht den Mut der Macher - und ihrer Fans. Die Saisonabschluss-Feier fand trotzdem statt. Und diesmal war sie viel mehr als Würstchenessen.

Thalheim.

Rappelvoll ist der Waldcampingplatz in Thalheim am Mittwochnachmittag gewesen. Die ausgelassene Stimmung hatte einen bestimmten Grund. Hunderte Thalheimer und Gäste aus der Region waren zu einer kurzfristig organisierten Benefizveranstaltung zugunsten des Wiederaufbaus der Miniaturanlage Rentners Ruh gekommen. Vor elf Tagen waren durch einen verheerenden Sturm das Areal komplett verwüstet, Miniaturen und Teile der Gebäude zerstört worden. "Ich bin beeindruckt. Mit so einer Resonanz hatten wir nicht gerechnet", atmete Ines Raigrotzky tief durch, die Vorsitzende des Erzgebirgischen Heimatvereines Thalheim.

Immer wieder ist sie von Bekannten, aber auch fremden Menschen umarmt worden. Sie wünschten ihr und den Vereinsmitgliedern für das anstehende Projekt Kraft und Zuversicht. Oft bekam sie sogar persönlich Spenden in die Hand gedrückt. "Wir sind hier, um mit Spenden zu helfen und den Verein, der eine tolle Arbeit macht, damit zu unterstützen", sagte zum Beispiel Ingo Leipziger, stellvertretend für eine Gruppe Jugendlicher aus Thum.

Ines Raigrotzky ist von der Welle des Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft überwältigt, ganz ergriffen, konnte ihre Gefühle kaum in Worte fassen. "Nach 40 Jahren Saisonabschluss am 3. Oktober im Gelände der Rentners Ruh ist es das erste Mal, dass wir auf einen anderen Platz ausweichen mussten", so Ines Raigrotzky. Leicht ist dem Verein die Entscheidung nicht gefallen. Denn hinter der Thalheimerin und den Mitgliedern des Heimatvereines liegen schwere Tage. Schockiert waren sie von den Folgen des verheerenden Sturms. Doch nach einer bereits beschlossenen Absage der Veranstaltung solidarisierten sich Thalheimer Gewerbetreibende und Privatpersonen mit dem Verein.

Die Betreiber des Waldcampings, Steffen Seim und Sophia Schröter, boten an, ihr Gelände zu nutzen, besorgten Überdachungen und Sitzgelegenheiten. Ohne Gage trat das Gesangsduo Sandra und Mike auf. "Die vielen herzlichen Angebote auszuschlagen, das ging eigentlich gar nicht", sagt Vereinsmitglied Kerstin Uhlig. So wurde der neue Ort in den sozialen Netzwerken und mit Flyern bekannt gemacht und schließlich funktionierte auch der Buschfunk. "Alle Erlöse werden ausnahmslos für die Rentnersruh verwendet", verspricht Ines Raigrotzky.

"Ich bin glücklich, dass so viele Leute hier sind, die hoffentlich auch alle für den Wiederaufbau spenden. Ich werde einen Beitrag dazu geben und meine Nachbarin, die nicht mit hier sein kann, habe ich auch dazu überredet", erzählte zum Beispiel Friedlinde Heymann aus Dorfchemnitz. "Die Menge der Besucher zeigt doch, dass viele begriffen haben, wie wichtig es ist zu helfen", bekräftigte auch Kathrin Haehnel. "Die Thalheimer sind in der Krise richtig zusammengerückt. Das hat etwas von dem Zusammenhalt, den wir von früher kennen." Und Alexander Otto aus Brünlos stellte fest: "Wir besuchen mit den Kindern regelmäßig die Miniaturanlage und finden es traurig, was passiert ist. Mit einer Spende wollen wir den Aufbau unterstützen."

Wann wie was wieder in Rentners Ruh aufgebaut ist, steht heute noch nicht fest. Sicher ist nur: "Bis Februar 2019 braucht der Forst, das Areal zu beräumen. Bis dahin bitte ich jeden, dort nicht herumzulaufen. Es besteht Lebensgefahr", hatte Thalheims Bürgermeister Nico Dittmann zur jüngsten Stadtratssitzung hingewiesen.

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